Kritik nach Skandal

"Eine braune Tragödie": Politiker in Münster entsetzt über Thüringen-Wahl

Die Wahl des FDP-Ministerpräsidenten in Thüringen sorgte in ganz Deutschland für eine politische Schockstarre. Mit Stimmen der rechten AfD ließ sich Thomas Kemmerich wählen. Politiker aus Münster zeigen sich entsetzt.

  • FDP-Mann lässt sich mit AfD Stimmen zum Ministerpräsidenten wählen.
  • Wahl in Thüringen sorgt für bundesweites Entsetzen.
  • Politiker aus Münster äußern sich.

Münster/Erfurt – "Handschlag der Schande", "Schande von Erfurt" – die Geschehnisse vom 5. Februar in Erfurt sorgten landesweit für ein politisches Erdbeben. Seismographen hätten vermutlich eine Stärke von 10 auf der Richterskala gemessen. 

Mit den Stimmen des rechtsextremen Flügels der AfD um Björn Höcke ließ sich Thomas Kemmerich (FDP) zum neuen Ministerpräsidenten von Thüringen wählen – obwohl die Rechtspopulisten zuvor einen eigenen Kandidaten aufgestellt hatten. Dieser ging jedoch leer aus, ebenso wie Bodo Ramelow (Die Linke), der eigentlich als Ministerpräsident vorgesehen war. Auch in Münster kamen Politiker aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus.

Thüringen: FDP Münster fordert Kemmerichs Rücktritt 

Ein FDP-Politiker, der sich mit Stimmen von Rechtsextremen wählen lässt, das ist für Jörg Berens, Partei- und Fraktionsvorsitzender der FDP Münster, ein No-Go. "Ein Liberaler kann sich nicht mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten wählen lassen. Thomas Kemmerich hätte die Wahl nicht annehmen dürfen!", stellte er am Tag nach den skandalösen Geschehnissen in Thüringen klar.

Er forderte zudem den Rücktritt Kemmerichs vom Amt des Ministerpräsidenten sowie eine Neuwahl mit den "demokratischen Kräften". In die gleiche Kerbe schlug Simone Wendland, Landtagsabgeordnete der CDU Münster. "In Thüringen muss es jetzt Neuwahlen geben und einen Wahlkampf, in dem sich die CDU sehr deutlich abgrenzt.  Wie ihre Partei zu der rechten AfD stehe, werde bei der Demo am kommenden Freitag (7. Februar) in Münster deutlich, kündigte sie an.

Grüne Münster kritisiert CDU und FDP nach Thüringen-Skandal

Deutlich wurden auch die Grünen in Münster, deren Partei in Thüringen eine Minderheitsregierung mit SPD und Linke angestrebt hatte. Stephan Orth, Vorstandssprecher der Partei, zeigt sich erschüttert. "Das ganze Theater ist eine rabenschwarze beziehungsweise braune Tragödie für die demokratischen Werte, auf denen die Bundesrepublik erbaut wurde." Die Distanzierungen der CDU und FDP zur rechten AfD seien für ihn nur "leere Worte". 

Orth forderte, dass sich alle demokratischen Kräfte von der AfD distanzieren. "Mit 'konservativ' oder bürgerlich hat das nichts mehr zu tun", so der Grünen-Politiker aus Münster. Einen Tag nach den Ereignissen in Thüringen meldete sich auch Kanzlerin Angela Merkel aus ihrem Südafrika-Besuch zu Wort. Die Wahl Kemmerichs bezeichnete sie als "unverzeihlich". Das Ergebnis dieses Vorgangs müsse rückgängig gemacht werden.

Für den Protest gegen den Neujahrsempfang der AfD werden Tausende Menschen erwartet. Die Polizei sperrt daher den Prinzipalmarkt in Münster komplett ab. Busse werden umgeleitet. Auf der Veranstaltung sprach der Bundessprecher der Rechten: Beim Neujahrsempfang der AfD in Münster kritisierte Jörg Meuthen Greta Thunberg scharf.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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