Rapper klagt gegen die Einstufung als jugendgefährdendes Medium

OVG Münster entscheidet: Bushidos Album verschwindet vom Index!

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Rapper Bushido klagt vor dem OVG Münster.

Am Mittwochmittag (16. Mai) kam es am Oberverwaltungsgericht Münster zum Prozess zwischen Rapper Bushido und der Bundesprüfstelle Bonn. Der Musiker hatte geklagt, weil sein Album "Sonny Black" als jugendgefährdendes Medium eingestuft wurde. Das OVG entschied: Das Urteil wird aufgehoben! Das Werk verschwindet damit vom Index.

Münster – Nicht erst seit dem Echo-Skandal um Kollegah und Farid Bang wird um die Umgangsform im Deutschrap gestritten. Sexismus, Homophobie, Antisemitismus – wie tief sind diese Diskriminierungsformen in der Szene verankert? Weil die Bundesprüfstelle in Bonn Bushidos Album „Sonny Black“ von 2014 als jugendgefährdendes Medium eingestuft hatte, klagte der Rapper dagegen an.

Am Mittwoch (16. Mai) kam es nun zum Prozess in Münster, bei dem der Rapper selbst nicht anwesend war. Nach zweistündiger Verhandlung entschieden die Richter: Das Urteil wird revidiert. Die Indizierung ist rechtswidrig. Die Platte des Deutschrappers verschwindet damit vom Index und ist somit für Jugendliche wieder frei käuflich.

Anwalt der Gegenseite liest Textpassagen vor

Auch die wegen ihres Echo-Auftritt und ihrer Textzeilen in dem Lied „0815“ heftig kritisierten Kollegah und Farid Bang waren an Bushidos Album beteiligt. In dem Prozess am Mittwoch ging es auch um die Frage, wo künstlerische Freiheit beginnt und wo sie aufhört. Dazu der Rechtsanwalt der Gegenseite: „Bei Bushido gehen wir doch nicht von einem hohen Kunstgehalt aus. Er ist nur populär. Auch Süßgetränke sind populär bei jungen Menschen. Was sagt das über den Kunstgehalt von Cola und Fanta aus?“

Dass sich die Texte des Deutsch-Tunesiers oft am Rande der Geschmacklosigkeit befinden, ist bekannt. Das bekamen auch die Zuhörer im Saal 1 des Oberverwaltungsgerichts zu hören. „‘Ficke deine Mutter, diese Hurentochter, vaginal." Bei diesem Text ist es doch egal, ob ich das in C – D – G vortrage oder auf die Musik von ‚Alle Meine Entchen‘“, betonte der Rechtsanwalt der Gegenseite.

Künstler hätten angehört werden müssen

Doch die Richter sahen dies anders. Sie ließen die Revision zu und kippten das Urteil der Bundesprüfstelle. In ihrer Begründung erklärten die Richter, dass die Künstler, die auf dem Album vertreten waren, vor dem Urteil hätte angehört werden müssen. Dies war nicht geschehen. 

Die Freude bei Bushido und seinen Fans war groß. Vor allem bei den minderjährigen Anhängern des Rappers, die das Album nun wieder frei erwerben können. Drei Fans des Berliner Künstlers waren zum Prozess nach Münster gekommen. Dem Anwalt des Deutsch-Tunesiers wollten sie das Album, um das es in der Verhandlung ging, als Trophäe abkaufen. 

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