Corona-Politik

Virologe Hendrik Streeck appelliert an Jens Spahn: „Wir tappen im Dunkeln“

Deutschland hat den Lockdown um zwei weitere Wochen verlängert. Der Virologe Hendrik Streeck kritisiert die Taktik der Bundesregierung und stellt auch Forderungen an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Zumindest bis Mitte Februar haben die Bürger in Deutschland Gewissheit, wie das öffentliche Leben aussehen wird. In dieser Woche wurde im Rahmen des Corona-Gipfels mit Angela Merkel und den Ministerpräsidenten die neuen Beschlüsse festgelegt. Bis zum 14. Februar wurde der Lockdown also verlängert – der umstrittene Virologe Hendrik Streeck stört sich jedoch an der Corona-Politik der Regierung.

Er betrachtet die 7-Tage-Inzidenz sowie die Anzahl der täglichen Neuinfektionen nicht als ausreichende Richtwerte, um Maßnahmen gegen das Coronavirus zu beschließen. „Wir haben weiterhin keine Richtschnur, keinen Kompass definiert und hängeln uns daher weiterhin von Lockdown zu Lockdown“, sagte Hendrik Streeck im Gespräch mit der „Rheinischen Post“ und richtete dabei auch einen Appell an das Bundesgesundheitsministerium von CDU-Politiker Jens Spahn.

PersonJens Spahn
AmtBundesgesundheitsminister
GeburtsortAhaus (Kreis Borken)

Hendrick Streeck fordert Jens Spahn zu neuen Maßnahmen auf

Hendrik Streeck meint, der Inzidenzwert vermittle „inzwischen ein völlig falsches Bild, da wir die Teststrategie ständig verändert haben. Bei den Zahlen der Neuinfektionen sehen wir, dass diese eigentlich nicht mehr ausschlaggebend sind, sondern wir vielmehr die Auslastung der Intensivstationen im Fokus haben.“ Daher liege es am Gesundheitsministerium und Jens Spahn, den Mangel an Fachpersonal in den Kliniken zu beheben.

„Das müssen wir ernst nehmen und dieses nicht erst durch Corona offensichtliche Problem endlich lösen“, so die Forderung des Virologen Hendrik Streeck, der neulich beim RTL-Jahresrückblick von Günther Jauch zu Gast war. Er wies zudem darauf hin, dass der Inzidenz-Richtwert von 50 pro 100.000 Einwohner ein von der Politik definierter Wert sei, von der Bevölkerung jedoch „als ein wissenschaftlicher Grenzwert wahrgenommen“ werde. Er forderte die Regierung um Jens Spahn daher auf, auf repräsentative Stichproben zu setzen, um nachzuvollziehen, „wie das Infektionsgeschehen wirklich aussieht“. 

Hendrik Streeck: Keine Panik vor Corona-Mutation

Es sei derzeit unklar, welche Personen sich wo anstecken. „Wir tappen einfach im Dunkeln“. Daher sei unter anderem das Erfassen der Berufsgruppen, die am häufigsten von einer Coronavirus-Infektion betroffen sind, notwendig. Dies müsse jedoch vom Bundesgesundheitsminister Jens Spahn initiiert werden. Hendrik Streeck versuchte im Interview zudem die Angst vor den Coronavirus-Mutationen zu nehmen. „Es gibt keinen Grund, in Panik zu geraten“, betonte er, zumal die britische Variante nicht viel ansteckender sei.

Professor Hendrik Streeck erhofft sich von der Regierung eine effektivere Corona-Politik.

Es sei nichts Außergewöhnliches, so Virologe Hendrik Streeck, dass Viren mutieren. Es gebe vom Virus Sars-CoV-2 mittlerweile 4000 Mutationen – der Fall in Großbritannien sei jedoch so weit fortgeschritten, dass man dort von einer neuen Variante des Coronavirus reden könne. Zudem zeigte sich der Virologe zuversichtlich hinsichtlich der Impfungen, die aufgrund eines Lieferengpasses bei Biontech in Münster und NRW derzeit jedoch verzögert beginnen.

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

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