Pandemie

Kritik nach neuer Allgemeinverfügung: Diese Regel gilt ab jetzt in Ahlen

Weil der Inzidenzwert seit Wochen über 200 liegt, greift die Stadt Ahlen jetzt zu harten Maßnahmen. Mit einer neuen Regel soll das Coronavirus gestoppt werden.

Ahlen – Seit Montag (1. Februar) gelten in Ahlen schärfere Corona-Regeln. Der Kreis Warendorf reagiert damit auf den konstant hohen Inzidenzwert von über 150. Die neue Allgemeinverfügung gilt überall dort im Kreisgebiet, wo das Infektionsgeschehen nicht auf einen bestimmten Ort, wie etwa ein Altenheim, eingegrenzt werden kann.

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Allgemeinverfügung im Kreis Warendorf: In Ahlen gilt eine neue Corona-Regel

Von der neuen Regelung zum Coronavirus ist im Kreis Warendorf bislang nur die Stadt Ahlen betroffen. Wo die Allgemeinverfügung in Kraft tritt, werden nun auch die Treffen im privaten Raum genau geregelt. Bislang durften Zusammenkünfte in der eigenen Wohnung theoretisch mit mehr als zwei Personen abgehalten werden, auch wenn dies nicht empfohlen wurde. Das wird jetzt jedoch anders.

Von nun an gilt in Ahlen: Ein Haushalt darf nur noch Besuch von einem Gast empfangen. Höchstens betreuungsbedürftige Kinder können die erwachsene Person begleiten. Diese Corona-Regeln gilt bereits in ganz Deutschland im öffentlichen Raum. Mit der Übertragung auf die private Wohnung geht der Kreis Warendorf einen gewagten Schritt.

Strengere Kontaktbeschränkung in Ahlen: Landrat setzt umstrittene Regel durch

In Ahlen liegt der Inzidenzwert schon seit Wochen über der 200. Um dieser Zahl Herr zu werden, wurde vom Kreis eine Arbeitsgruppe einberufen, die analysiert hat, wie die hohe Inzidenz zustande kommt. Das Ergebnis: Die Corona-Ansteckungen finden zu einem großen Teil im privaten Raum statt. Daher setzen die Verantwortlichen viel Hoffnung in die strenge Kontaktbeschränkung. „Eine Reduzierung der privaten Kontakte ist also das A und O, wenn wir die Menschen schützen und Infektionsketten unterbrechen wollen“, sagt Kreisdirektor Dr. Stefan Funke.

Und wer soll die Kontaktbeschränkung kontrollieren? Bislang war dafür nur das Ordnungsamt zuständig. In Ahlen wird es aufgrund der vielen erwarteten Verstöße jedoch zunächst von der Polizei unterstützt. Landrat Dr. Olaf Gericke erinnert in diesem Zusammenhang an die Wichtigkeit der Maßnahmen: „Es geht darum, die Alten und chronisch Kranken zu schützen und Kontakte möglichst zu vermeiden, die in vielen Bereichen geltende Maskenpflicht sowie Abstands- und Hygieneregeln zu befolgen“.

Ausnahmen von der Regel: In diesen Fällen ist in Ahlen der Besuch von mehreren Personen erlaubt

Es gibt auch Ausnahmen von der Regel. So ist die „ein Besucher pro Haushalt“-Regel in Ahlen nicht bindend, wenn es sich etwa um medizinische Maßnahmen, Handwerksdienstleistungen oder die Arbeitsausführung handelt. Auch im Trauerfall ist der Besuch von mehr als einer Person gestattet.

Dem Ordnungsamt und der Polizei ist es jetzt also erlaubt, bei konkreten Hinweisen auf Verstöße, private Wohnungen in Ahlen aufzusuchen und im Ernstfall Bußgelder zu verhängen. Die Maßnahme stellt einen Eingriff in die Grundrechte der Bürger dar – Landrat Gericke hält die Maßnahme angesichts der Corona-Zahlen aber für unumgänglich.

In Ahlen gelten jetzt noch strengere Kontaktbeschränkungen. (Symbolbild)

Scharfe Kritik an neuer Corona-Regel in Ahlen

Nicht überall jedoch kommt die schärfere Kontaktbeschränkung gut an. Die Mitglieder der einzelnen Fraktionen diskutierten in der vergangenen Woche über den Vorschlag, als dieser noch von Ahlens Bürgermeister Dr. Alexander Berg gekommen war. Inzwischen hat der Landrat die Verfügung jedoch für den ganzen Kreis Warendorf bestimmt. Andere Kreise im Münsterland konnten sich zu diesem Schritt noch nicht durchringen, jedoch ist der Inzidenzwert in den übrigen Kreisgebieten deutlich niedriger.

So glaubt die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Petra Pähler-Paul, dass es in Ahlen gar nicht die Kapazitäten gebe, um die Einhaltung der neuen Corona-Regel zu kontrollieren. Um einem Anstieg der Neuinfektionen entgegenzusteuern, hatte sie im Vorfeld dafür plädiert, die Mitarbeiter der Freckenhorster Werkstätten bei der Impfung vorzuziehen. Auch CDU und die Bürgerliche Mitte Ahlen (BMA) übten heftige Kritik an der verschärften Corona-Maßnahme. Sie forderten stattdessen eine Ausweitung der Teststrategie und eine härtere Durchsetzung der Hygiene-Regeln.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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