Nach Abschiebung nach Deutschland

Ehemaliger KZ-Wächter Jakiv Palij tot

+
Jakiv Palij, ehemaliger SS-Mann und Aufseher im Konzentrationslager Travniki (Polen), lebt jetzt in Ahlen.

Er war ein bewaffneter Wärter in einem Konzentrationslager in Polen – vor einem haben Jahr wurde er dann aus den USA nach Deutschland abgeschoben. Am Mittwoch verstarb nun der ehemalige KZ-Wächter Jakiv Palij (95) in einem Pflegemein in Ahlen.

In Pflegeheim in Ahlen: Ehemaliger KZ-Wächter Jakiv Palij tot

Update: 11. Januar. Vor wenigen Monaten erst wurde der ehemalige KZ-Wächter Jakiv Palij aus den USA nach Deutschland abgeschoben. Untergebracht wurde der 95-Jährige in einem Pflegeheim für Senioren in Ahlen (Kreis Warendorf) – und dort verstarb er nun auch: Wie die WN berichten, soll der frühere SS-Mann bereits am Mittwoch (9. Januar) gestorben sein. Die Todesursache ist derzeit noch nicht bekannt.

Der frühere SS-Mann war auf Drängen Donald Trumps aus den USA abgeschoben worden – denn Palij war im Zweiten Weltkrieg KZ-Wächter im polnischen Trawniki gewesen. Deutschland nahm den Ausgewiesenen auf: Es sei ein "klares Zeichen der moralischen Verantwortung Deutschlands", wie das Auswärtige Amt in Berlin damals mitteilte.

 Auch für Außenminister Heiko Maas war die Entscheidung über die Aufnahme von Palij klar: „Wir stellen uns der moralischen Verpflichtung Deutschlands, in dessen Namen unter den Nazis schlimmstes Unrecht getan wurde“, sagte Maas gegenüber der FAZ. Ein zuvor gegen Palij eingeleitetes Verfahren wegen Beihilfe zum Mord war wegen Mangel an Beweisen eingestellt worden.

Viele Ahlener waren empört über die Unterbringung des ehemaligen KZ-Wächters in dem Pflegeheim "Seniorenzentrum am Domizil". Palij stand während seines Aufenthaltes unter Polizeischutz. 

Jakiv Palijs ehemalige Nachbarn in New York beschreiben den 95-Jährigen

Update: 23. August. Jakiv Palij lebte im New Yorker Stadtteil Queens – in Long Island gelegen. Der ehemalige SS-Offizier, der nun in Ahlen in einem Pflegeheim untergekommen ist, lebte dort in einem unscheinbaren Reihenhaus. Die New York Times sprach mit Nachbarn des 95-Jährigen. In den ersten Jahren nach seiner Ankunft in New York habe niemand in der Nachbarschaft von Palijs Vergangenheit gewusst. 

Doch immer mal wieder seien Steine durch das Fenster in sein Haus geflogen. Nachdem auch in der Ortschaft bekannt wurde, welch düstere Vergangenheit der ehemalige KZ-Wächter birgt, habe es immer wieder Proteste jüdischer Einwohner gegeben, berichtet die Zeitung. Jeden 27. Januar, am Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, fanden Kundgebungen vor dem Haus des jetzt in Ahlen lebenden Mannes statt. 

Ehemaliger SS-Mann Jakiv Palij lebte als pensionierter Zeichner in New York

"Wir sind hier in der Nachbarschaft alle sehr unterschiedlich – verschiedene Hintergründe, verschiedene Hautfarben. Er war Teil einer Gruppe, die Menschen ermordet hat, weil sie anders waren. Wieso sollte ich glauben, dass er das nicht wieder tut?" wird ein ein ehemaliger Nachbar Palijs von der New York Times zitiert. 

In Queens lebte der 95-Jährige als pensionierter Zeichner gemeinsam mit seiner Ehefrau, bis diese starb. "Er war bloß ein alter Mann. Er war kein schlechter Mensch. Ein guter Nachbar", beschreibt ihn hingegen eine 70-jährige Nachbarin in dem Bericht.

In dem mittleren Haus in der 33-18 89th Street in Jackson Heights, Queens, lebte Jakiv Palij.

Jakiv Palij war ein ungeliebter Gast in der Nachbarschaft in New York

Doch die Mehrheit der Nachbarschaft in Queens habe ein Problem mit ihrem ungebetenen Nachbarn gehabt. "Für uns ist er kein 95-Jähriger. Er ist ein 20-jähriger Mörder, der mit seinen Taten 75 Jahre lang davon gekommen ist", wird ein ortsansässiger Rabbi zitiert. Die US-Regierung, so die New York Times, habe monatelang auf eine Abschiebung gedrängt. Dass diese jetzt vollzogen worden sei, sei eine große Genugtuung, verrät Peter Black, ehemaliger Chefhistoriker des US-Justizministeriums. "Ein bisschen Gerechtigkeit ist immer besser als gar keine", sagt er.

Einige Nachbarn, so die New York Times weiter, hätten den 95-Jährigen als gebrochenen Mann wahrgenommen. So auch Ana Ponce, deren Haus an das von Jakiv Palij angrenzt. An warmen Tagen hätte sie ihn hin und wieder in seinem Hinterhof auf der Treppe sitzen sehen – weinend. "Vielleicht erinnerte er sich an das, was er getan hat", sagt sie.

KZ-Aufseher Jakiv Palij erschlich sich Leistungen für NS-Opfer

Wie die Bild-Zeitung berichtet, erschlich sich Palij in der Nachkriegszeit Unterstützung, die eigentlich für NS-Opfer vorgesehen war. In der Nachkriegszeit lebte der Ex-SS-Mann in einem Lager für Überlebende der Nazi-Verfolgung in Süddeutschland. Er sei danach als heimatlose Person anerkannt worden und bekam für seine Auswanderung in die USA finanzielle Unterstützung. 

2016 wurde gegen ihn zudem ein Verfahren wegen Beihilfe zum Mord eingeleitet. Dieses wurde von der Staatsanwaltschaft Würzburg jedoch wegen Mangel an Beweisen eingestellt.

Polizei bewacht Unterkunft des ehemaligen SS-Mannes in Ahlen

Update: 22. August. Der ehemalige SS-Offizier Jakiv Palij ist mittlerweile in seiner neuen Heimat Ahlen angekommen. Bürgermeister Dr. Alexander Berger teilte in einer Stellungnahme mit, dass er und die Stadt Ahlen am 15. August (Mittwoch) von Landrat Dr. Olaf Gericke über die Entscheidung, dass Palij in der Stadt im Kreis Warendorf untergebracht wird, informiert worden sei. "Da wir an den Entscheidungen nicht beteiligt gewesen sind, werde ich auf jede weitere Beurteilung und Kommentierung verzichten“, ließ er wissen.

Im Ahlener "Seniorenzentrum am Domizil" in der Straße "Im Herbrand" lebt der ehemalige SS-Mann jetzt.

Berger stellte jedoch klar, dass durch die Unterbringung des ehemaligen KZ-Wächters keine Kosten für die Stadt Ahlen entstehen würden. Laut Informationen der WN hat der 95-Jährige ein Einzelzimmer im Ahlener "Seniorenzentrum am Domizil" bekommen. Inwieweit das Pflegeheim in die Entscheidung eingeweiht war beziehungsweise wann man dort darüber informiert wurde, dass der ehemalige SS-Offizier dort untergebracht wird, wollten Verantwortliche des Heimes auf Anfrage von msl24.de keine Auskunft geben.

Zudem steht der Mann derzeit unter Polizeischutz: "Wir sind vor Ort", erklärten die Beamten auf Nachfrage. Schon seit einigen Tagen wurde laut Informationen der dpa mit der Polizei über eventuell nötige Schutzmaßnahmen gesprochen. Das liegt wohl auch an dem Umstand, dass der Fall weltweit für Wirbel gesorgt hat – und viele Ahlener über die Entscheidung empört sind.

 Nach Unterbringung in Ahlen: Details zu ehemaligem KZ-Wächter veröffentlicht

Update: 21. August. Die Abschiebung von Jakiv Palij (95) nach Deutschland wurde weltweit in den Medien aufgegriffen. Auch die "New York Times" hat am Dienstag einen Artikel veröffentlicht, der Details aus dem Leben des ehemaligen KZ-Wächters Preis gibt. 

So habe Jakiv Palij jahrzehntelang in New York City gelebt – mit seiner Frau Maria (86) in einem zweistöckigen roten Backsteinhaus in Queens. Jüdische Aktivisten hätten dort oft Proteste veranstaltet.

Jakiv Palij sei 1949 in die Vereinigten Staaten von Amerika ausgewandert – mit Papieren, in denen er über "die Art von Arbeit log, die er während des Zweiten Weltkriegs gemacht hatte." Als 18-Jähriger sei Jakiv Palij von der SS ausgebildet worden und habe vermutlich ab 1943 im Arbeitslager Trawniki als bewaffneter Wächter gedient. 

Abschiebung aus den USA: Dieser KZ-Wächter lebt jetzt in Ahlen

kz wächter Jakiw Palij abgeschoben ahlen münsterland donald trump usa
Der Pass des KZ-Wärters Jakiw Palij. © US Department of Justice
kz wächter Jakiw Palij abgeschoben ahlen münsterland donald trump usa
Heinrich Himmler im KZ im polnischen Trawniki. © US Department of Justice
kz wächter Jakiw Palij abgeschoben ahlen münsterland donald trump usa
Heinrich Himmler im KZ im polnischen Trawniki. © US Department of Justice
kz wächter Jakiw Palij abgeschoben ahlen münsterland donald trump usa
Heinrich Himmler im KZ im polnischen Trawniki. © US Department of Justice
kz wächter Jakiw Palij abgeschoben ahlen münsterland donald trump usa
Gefangene Juden im Konzentrationslager Trawniki. © US Department of Justice
kz wächter Jakiw Palij abgeschoben ahlen münsterland donald trump usa
SS-Offiziere im KZ Trawniki. © US Department of Justice
kz wächter Jakiw Palij abgeschoben ahlen münsterland donald trump usa
SS-Offiziere im KZ Trawniki. © US Department of Justice
kz wächter Jakiw Palij abgeschoben ahlen münsterland donald trump usa
SS-Offiziere im KZ Trawniki. © US Department of Justice
kz wächter Jakiw Palij abgeschoben ahlen münsterland donald trump usa
Insassen des Konzentrationslagers Trawnik. © US Department of Justice
kz wächter Jakiw Palij abgeschoben ahlen münsterland donald trump usa
Insassen des Konzentrationslagers Trawnik. © US Department of Justice
kz wächter Jakiw Palij abgeschoben ahlen münsterland donald trump usa
Insassen des Konzentrationslagers Trawnik. © US Department of Justice
kz wächter Jakiw Palij abgeschoben ahlen münsterland donald trump usa
Das Konzentrationslager Trawnik. © US Department of Justice
kz wächter Jakiw Palij abgeschoben ahlen münsterland donald trump usa
SS-Offiziere im KZ Trawniki. © US Department of Justice
kz wächter Jakiw Palij abgeschoben ahlen münsterland donald trump usa
Das Konzentrationslager Trawnik. © US Department of Justice

1993 kamen ihm Ermittler jedoch auf die Spur, 2003 wurde ihm die amerikanische Staatsbürgerschaft entzogen. Ein Bundesrichter hatte damals herausgefunden, dass Jakiv Palij in seinen Einwanderungspapieren gelogen hatte. Er gab an, auf der Farm seines Vaters in Polen und in einer deutschen Fabrik gearbeitet zu haben. Lange habe Jakiv Palij laut NYTimes bestritten, dass er an irgendwelchen Tötungen teilgenommen habe.

Doch 2004 hat ein Bundeseinwanderungsrichter die Abschiebung des ehemaligen KZ-Wächters gefordert – ohne Erfolg. Denn kein Land der Welt wollte ihn aufnehmen. Seit 14 Jahren wird in den USA deshalb darum gekämpft, ihn auszuliefern. Er sei "der letzte überlebende Nazi-Kriegsverbrecher, der in den Vereinigten Staaten lebt."

Deutschland wollte Jakiv Palij nicht aufnehmen, da er in dem Teil von Polen, der heute zur Ukraine gehört, geboren wurde. Doch beide Länder verweigerten die Einreise des Mannes – es sei Deutschlands Verantwortung, mit ehemaligen KZ-Wächtern zu verfahren. Das bestätigte Außenminister Heiko Maas am Dienstag: „Wir stellen uns der moralischen Verpflichtung Deutschlands, in dessen Namen unter den Nazis schlimmstes Unrecht getan wurde“, sagte Außenminister Heiko Maas gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Nach Ankunft in Deutschland: Landrat äußert sich

Update: 22. August. Nachdem der ehemalige KZ-Wächter Jakiv Palij aus den USA nach Deutschland abgeschoben wurde und nun in ein Pflegeheim nach Ahlen gebracht wird, nahm jetzt Landrat Dr. Olaf Gericke Stellung. Dem Kreis Warendorf sei am 7. August mitgeteilt worden, dass der 95-Jährige überbracht werden wird. 

Lesen Sie auch: Hunderte Tote – Prozess in Münster gegen ehemalige KZ-Wachmänner.

"Der Kreis wurde als Ausländerbehörde darauf hingewiesen, dass eine Aufenthaltserlaubnis gemäß § 22 Aufenthaltsgesetz zu erteilen ist. Die Auswahl des Unterbringungsortes stand ausschließlich in der Entscheidung von Bund und Land und kann auch nur von dort begründet werden", heißt es in der Stellungnahme.

Erstmeldung: Ehemaliger KZ-Wächter lebt jetzt in Ahlen

Erstmeldung: 21. August. Ahlen – Am Dienstagmorgen (21. August) ist der 95-jährige Jakiv Palij am Düsseldorfer Flughafen gelandet. Die USA hatte den Mann auf Drängen von US-Präsident Donald Trump aus dem Land abgeschoben. Grund: Er war im Zweiten Weltkrieg KZ-Wächter im polnischen Trawniki.

Wie die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" berichtet, soll der gebrechliche Mann per Krankentransport in ein Pflegeheim nach Ahlen (Kreis Warendorf) gebracht werden. Die Aufnahme nach Deutschland des ehemaligen SS-Mitglieds sei für die Bundesregierung ein "klares Zeichen der moralischen Verantwortung Deutschlands", wie das Auswärtige Amt in Berlin mitteilt.

Ins Münsterland ausgelieferter KZ-Wächter: Er hinderte Gefangene an der Flucht

Weiter hieß es vom Auswärtigen Amt: "US-Administration, Senatoren, Kongressabgeordnete und Vertreter der jüdischen Gemeinden in den USA betonen, dass Personen, die dem NS-Unrechtsregime gedient haben sollen, ihren Lebensabend nicht unbehelligt in dem Land ihrer Wahl, den USA, verbringen sollen."

Die US-Regierung hatte in den vergangenen Jahren immer wieder die Auslieferung Palijs gefordert. Er war in seiner Zeit als KZ-Wächter damit beauftragt, Gefangene an der Flucht zu hindern. Er habe durch seine Arbeit zu den "unmenschlichen Lebensbedingungen" im Lager beigetragen, erklärte die US-Botschaft weiter.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare