48-Jähriger am Landgericht Münster verurteilt

Autofahrer will sterben und rast in Gegenverkehr – jetzt muss er ins Gefängnis

Mit 120 km/h raste der Mann in den Gegenverkehr, um sich das Leben zu nehmen.
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Mit 120 km/h raste der Mann in den Gegenverkehr, um sich das Leben zu nehmen.

Dreifachen versuchten Mord wirft die Staatsanwaltschaft einem Mann aus Bocholt vor: Er war im April betrunken Auto gefahren – mit der Absicht, sich umzubringen.

  • Ein halbes Jahr nach einem Unfall auf der B67 in Bocholt wird der Fahrer angeklagt
  • Er fuhr betrunken und absichtlich in den Gegenverkehr
  • Sein Fall wird in den kommenden Monaten am Landgericht Münster verhandelt

Update: 16. Dezember. Er wollte seinem Leben ein Ende setzen und raste auf der B67 bei Bocholt gezielt in den Gegenverkehr. Dabei prallte er gegen zwei Autos. Alle Insassen überlebten den schlimmen Vorfall – gegen den Verantwortlichen kam es am Landgericht Münster zum Prozess.

Wegen dreifachen versuchten Mordes musste sich der 48-Jährige vor Gericht verantworten. Er hatte in Kauf genommen, dass bei seinem Suizidversuch andere Menschen ebenfalls sterben. Private Probleme sowie der Verlust des Arbeitsplatzes haben ihn, so die WN, dazu getrieben, seinem Leben in Bocholt ein Ende bereiten zu wollen.

Diesen Entschluss habe er in dem Moment auf der B67 in Bocholt spontan gefasst, hieß es vor dem Landgericht Münster. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren gegen den Mann, der bei dem schweren Unfall ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch – auch aufgrund einer verminderten Schuldfähigkeit, die das Gericht als erwiesen sah. 

Zum Tatzeitpunkt in Bocholt hatte der Angeklagte zwei Promille intus. Das Landgericht Münster verurteilte den Mann schließlich zu sieben Jahren Haft.

Bocholt: Mann wollte sich bei Unfall umbringen – und riskierte Leben

Erstmeldung: 30. Oktober. Bocholt – Ein 48-Jähriger muss sich vor dem Landgericht in Münster verantworten – er verursachte im April in Bocholt einen schweren Unfall. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem dreifachen versuchten Mord vor. Der Mann setzte sich an einem Montagabend anscheinend vorsätzlich betrunken hinters Steuer. 

Die Absicht des Mannes stellt die Staatsanwaltschaft in einer Mitteilung klar: Der 48-Jährige hatte sich am 29. April in Bocholt umbringen wollen. Dazu fuhr er mit 120 km/h auf der B67, auf der es vor wenigen Monaten bei Bocholt zu einem anderen schweren Unfall kam. Dann lenkte der Angeklagte seinen Wagen plötzlich nach links in den Gegenverkehr. Dort prallte er seitlich gegen ein entgegenkommendes Auto. 

Doch danach setzte der Mann aus Bocholt seine Fahrt auf der Gegenfahrbahn der B67 fort: Er wollte einen Zusammenstoß mit dem nächsten Fahrzeug provozieren, das ihm entgegenkam. Wieder kam es nur zu einem seitlichen Zusammenstoß, da der andere Fahrer im letzten Moment auswich. Dennoch wurde der 48-Jährige schwer verletzt.

48-Jähriger aus Bocholt wegen versuchten Mordes angeklagt

Die Fahrer der beiden anderen Autos sowie die Beifahrerin im zweiten Wagen wurden beide leicht verletzt. Die Staatsanwaltschaft geht allerdings davon aus, dass der Angeklagte "jeweils tödliche Verletzungen der Insassen in Kauf genommen hat", wie es in einer Mitteilung heißt. 

Nach dem Unfall in Bocholt wurde zudem bekannt, dass der Angeklagte betrunken war und zudem keinen Führerschein besaß. Sein Fall wird nun ab November vor dem Landgericht Münster verhandelt. 

Zu einem weiteren schweren Unfall in der Stadt kam es vor wenigen Monaten: Ein Mann kam mit seinem Auto in Bocholt von der Straße ab – zwei Menschen wurden dabei verletzt. Ein ähnlicher Unfall ereignete sich in der Region: Als ein Mann im Kreis Steinfurt betrunken in den Gegenverkehr fuhr, wurde ein Dreijähriger schwer verletzt.

Der Pressekodex sieht vor, dass über Suizide zurückhaltend berichtet wird.Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen und die Schilderung näherer Begleitumstände. Grund für die Zurückhaltung ist die hohe Nachahmerquote nach jeder Berichterstattung über Selbsttötungen. Daher werden wir nicht im Detail über den Vorfall berichten.

Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge . Unter der kostenlosen Hotline 0800/1110111 oder 0800/1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten. Ergänzend können Sie das Angebot der Krisenhilfe Münster (0251/519005) in Anspruch nehmen und dort bis zu zehn kostenlose persönliche Beratungstermine vereinbaren.

Ein anderer Prozess begann indes vor dem Landgericht Münster kürzlich: Eine Frau aus Steinfurt soll ihrem Kind täglich Methadon verabreicht haben. Vor dem Landgericht wird derzeit auch dieser Fall behandelt: Ein Paar aus Lüdinghausen soll die eigene Tochter schwer missbraucht haben.

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