Coronavirus-Pandemie

Kreis Coesfeld: Coronavirus bei Westfleisch – Über 260 Infizierte

Im Kreis Coesfeld in NRW breitet sich das Coronavirus aus. Über 260 Mitarbeiter der Firma Westfleisch sind an Covid-19 erkrankt. Die Kritik reißt nicht ab.

  • Im Kreis Coesfeld breitet sich das Coronavirus aus. 
  • 268 Mitarbeiter der Firma Westfleisch mit Sitz in Münster sind bisher an Covid-19 erkrankt.
  • Eine zweite Testreihe soll zeitnah beginnen. 

Update: 15. Mai, 10.08 Uhr. Der Kreis Coesfeld erklärte am Donnerstagabend (14. Mai), dass die erste Testreihe bei der Firma Westfleisch abgeschlossen sei. 1033 Abstriche wurden insgesamt gemacht. 268 Angestellte wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Bei 662 Mitarbeitern war das Ergebnis hingegen negativ. 

Doch noch liegen nicht alle Testergebnisse vor. Die Zahl der Coronavirus-Infektionen könnte also noch steigen. Außerdem müssen noch die Kontaktpersonen der Covid-19-Patienten ermittelt und untersucht werden. Eine zweite Testreihe der Angestellten, die beim ersten Mal negativ getestet wurden, folgt zeitnah. Die Neuinfektionen im Kreis Coesfeld befinden sich weiterhin in einem kritischen Bereich. Die Obergrenze von 50 Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Kreis-Einwohner wird noch überschritten. 

Coronavirus bei Westfleisch in Coesfeld: Unternehmen aus Münster soll Hygienekonzept vorlegen 

Update: 14. Mai, 8.53 Uhr. Nachdem bei der Firma Westfleisch im Kreis Coesfeld über 200 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet wurden, soll das Unternehmen nun umgehend ein Hygienekonzept vorlegen. Wie genau das aussieht, wird im Laufe des Tages bekannt gegeben. Die Kreisverwaltung Coesfeld erntete für ihr Handeln Lob aber auch Kritik. Außerdem fordert die FDP eine Strafe für den Schlachtkonzern. 

Coronavirus im Kreis Coesfeld: Über 200 Mitarbeiter positiv gestest 

Erstmeldung: 13. Mai. Erneut musste die Zahl der Westfleisch-Mitarbeiter, die sich mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert haben, nach oben korrigiert werden. 261 Beschäftigte sind mittlerweile an Covid-19 erkrankt. Über 1000 Tests wurden bei den Arbeitern durchgeführt, nachdem die Pandemie den fleischverarbeitenden Betrieb mit voller Wucht getroffen hatte.

Bei 573 Mitarbeitern fiel der Test negativ aus – dennoch muss sich die Branche harscher Kritik entgegenstellen. Nachdem bereits das Verwaltungsgericht Münster von "unzureichenden Vorsichtsmaßnahmen" gegen das Coronavirus sprach, die bei Westfleisch in Coesfeld getroffen wurden und der Betrieb vorerst eingestellt wurde, gab es jetzt auch deutliche Worte von Mohamed Boudih, Chef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Coronavirus bei Westfleisch in Coesfeld: Gewerkschaftschef spricht von "Elend"

In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" sagte er, dass ihn der Ausbruch des Coronavirus bei Westfleisch nicht überrasche. "Wer die Branche kennt, konnte das Problem kommen sehen", merkt  Boudih an. Seit Jahren würden osteuropäische Arbeiter von den großen Schlachtbetrieben ausgebeutet, ohne dass die Politik dagegen etwas unternehme. Zudem sei es ein großes Problem, dass die Mitarbeiter auf engem Raum in Massenunterkünften wohnen. Dort könnten die Hygieneregeln gar nicht erst eingehalten werden.

Auch der Verbraucher habe eine Mitschuld an den Zuständen bei Unternehmen wie Westfleisch. "Ausbeutung und Elend sind der wirkliche Preis für billiges Supermarktfleisch", stellt der NGG-Chef klar. Coesfelds Landrat Christian Schulze Pellengahr meldete sich nun ebenfalls zu Wort. "Es wäre falsch zu sagen, dass sich Westfleisch keine Gedanken gemacht hätte", betonte er in Hinblick auf das Hygienekonzept des Schlachtunternehmens hinsichtlich der Coronavirus-Pandemie.

Westfleisch in Coesfeld musste seinen Betrieb voerst einstellen.

Kreis Coesfeld will Westfleisch-Mitarbeiter erneut auf Coronavirus testen

Doch dieses Konzept nütze nichts, wenn es nicht konsequent umgesetzt werde, so Pellengahr, der betont, dass man es mit einem "hochinfektiösen Virus" zu tun habe. In einer Pressemitteilung des Kreises Coesfeld, der ebenfalls hunderte Coronavirus-Patienten zu vermelden hat, heißt es, dass noch 50 Corona-Tests bei den Westfleisch-Mitarbeitern ausstünden. Zudem sei eine zweite Testreihe vorgesehen. "Damit tragen wir zum Schutz der Beschäftigten und der Bevölkerung bei – mit vielen effektiven Schritten engagierter Mitarbeiter vor Ort", unterstreicht der Landrat. Die Krise bei Westfleisch ist damit jedoch noch lange nicht beendet.  

Im Kreis Gütersloh spitzt sich die Lage unterdessen zu: Nachdem bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück 730 Angestellte positiv auf das Coronavirus getestet wurden, stellte die Bundestagsabgeordnete Britta Haßelmann aus Bielefeld Strafanzeige gegen Clemens Tönnies und sein Neffe fordert sogar seinen Rücktritt.

Rubriklistenbild: © pic ture alliance/dpa

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