Prozess am Landgericht Münster

Sie hatte Todesangst: Opfer sagt im Prozess zum Tankstellen-Überfall aus

Es waren Momente, die sie nie vergessen wird: "Hatten Sie Todesangst?", fragte der Richter die Frau. Sie nickte und brach in Tränen aus. 

Ascheberg/Münster – Es ist der 2. Mai 2018, ein Mittwoch. An der Westfalen-Tankstelle (Steinfurter Straße 24) hält gegen 21 Uhr ein Motorradfahrer. Er fährt eine weiß-rote Geländemaschine. Er hält, tankt und geht dann zur Kasse. Weder seinen Helm noch seine Sonnenbrille nimmt er ab, als er den Verkaufsraum betritt. Dann zieht er eine Waffe aus seiner Tasche, wie die WN damals berichtete.

Die braun-silberne Pistole richtet er auf die Kassiererin. Er macht ihr klar, dass die Waffe geladen ist, indem er ihr das Magazin zeigt. Der Mann verlangt von ihr, dass sie ihm das Bargeld aus der Kasse überreichen solle. Die Frau folgt seinen Anweisungen: Rund 500 Euro gab sie ihm. Danach flüchtete der Räuber auf seinem Motorrad über die Steinfurter Straße in Richtung A1. 

Mit einer Waffe bedrohte der Räuber der Kassiererin.

Nach Überfall auf Tankstelle: Zeugen geben wichtige Hinweise

Die Kassiererin verständigt die Polizei. Doch die Suche nach dem Mann bleibt zunächst erfolglos. Die Frau beschreibt den Mann so: 1,75 Meter groß, 25 bis 30 Jahre alt, normale Figur. 

Lesen Sie auch diese Nachricht aus dem Münsterland: "Skandal an Grundschule: Lehrerin soll Drittklässler gewürgt haben".

Erst eine Woche später am 9. Mai (Mittwoch) wird der Täter geschnappt – dank eines Zeugen, wie die WA berichtet. Denn nach der Berichterstattung zu dem Vorfall in den lokalen Medien waren bei der Polizei mehrere Hinweise eingegangen. So beispielsweise von einigen Aschebergern, die dem Mann kurz zuvor geholfen hatten: Er war mit seinem Motorrad in den Graben gerutscht. Auch seine Vermieterin meldete sich bei der Polizei. Sie hatte ihn um die Tatzeit wegfahren und mit einer Tüte wiederkommen sehen.

Tatmotiv: Geldnot – Hintergründe zum Täter

Der Mann ist 24 Jahre alt. Erst zwei Monate vorher, im März, war der Verdächtige von Münster nach Ascheberg gezogen. Dort lebte er mit zwei Freunden in einer Wohnung (Am Holthoff) zusammen: Alle drei waren auf staatliche Leistungen angewiesen. Zudem war der Mann seit Jahren von Drogen und Alkohol abhängig. Sein Motiv ist eindeutig: Geldnot.

Nach dem Überfall auf die Westfalen-Tankstelle an der Steinfurter Straße flüchtete der Täter über die A1, wurde später aber in seiner Wohnung am Holthoff aufgegriffen.

In seiner Wohnung wurde der Mann vom SEK festgenommen. Sein Versuch, aus dem Fenster zu flüchten, war erfolglos. Die Polizei durchsuchte die Wohnung des Mannes und entdeckte dabei das Cross-Motorrad, welches dem Täter als Fluchtfahrzeug diente. Auch die braun-silberne Pistole, mit der die Tankstellen-Kassiererin bedroht worden war, wurde entdeckt. Der Mann wurde einem Haftrichter vorgeführt und gestand. 

Es habe nichts mit ihr zu tun: Täter entschuldigt sich bei Opfer

Seitdem saß der 24-Jährige in Untersuchungshaft. Erst am Mittwoch (10. Oktober) hat der Strafprozess gegen ihn am Landgericht Münster begonnen. Vor Gericht wiederholte der Mann sein Geständnis – und entschuldigte sich bei der Kassiererin, die er damals bedroht hatte: "Er hat gesagt, das habe nichts mit mir zu tun. Ich soll ihm das nicht übel nehmen", gibt die Frau laut der AZ wieder. 

Lesen Sie auch diese Meldung aus Ascheberg: "Schwerer Verkehrsunfall bei Ascheberg: 19-Jähriger tot aufgefunden".

Doch die Frau hatte nach dem Überfall eine schwere Zeit: Sie konnte nachts nur schlecht schlafen. Auch den Spätdienst an der Tankstelle wollte sie vorerst nicht mehr übernehmen. Zwar bleibt ungeklärt, ob sich in der Waffe eine Patrone oder lediglich eine leere Hülse befand. Doch die Bedrohung war für die Frau real. Als der Richter sie fragte, ob sie während des Überfalls Todesangst gehabt hätte, antwortete sie mit "Ja!" und fing an zu weinen. 

Der nächste Prozesstag findet noch im Oktober statt. Wir berichten weiter. 

Rubriklistenbild: © Fotolia/denisismagilov

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare