Variante B.1.1.7

„Mit zwei Pandemien konfrontiert“: Wieso die Corona-Mutation zur Gefahr wird

Die Infektionszahlen in Deutschland sinken stetig – dennoch ist die Gefahr des Coronavirus noch lange nicht gebannt. Experten befürchten erneut einen baldigen Anstieg der Fallzahlen.

Die derzeitige Lage in der Coronavirus-Pandemie ist etwas sonderbar: Auf der einen Seite machen den Menschen die sinkenden Zahlen an Neuinfektionen Hoffnung auf ein baldiges Ende des Lockdowns, auf der anderen Seite beobachten vor allem Experten die sich immer weiter verbreitenden Corona-Mutationen* mit großer Sorge, wie *msl24.de berichtet.

Gesundheitsminister Jens Spahn erklärte jüngst, dass die britische Mutation* jede fünfte Neuinfektion ausmache. Der CDU-Politiker geht davon aus, dass die Variante B.1.1.7 schon bald die dominierende in Deutschland sein werde. Auch Wissenschaftler zeigen sich besorgt.

besorgniserregende Coronavirus VarianteMutmaßliche Eigenschaft
Britische Variante B.1.1.7.Erhöhte Übertragbarkeit
Südafrika-Variante B.1.351\\tReduzierte Wirksamkeit der Immunantwort nach Infektion/Impfung
Manaus (Brasilien)-Variante B.1.1.28 P.1Hinweis auf mögliche Wiederansteckung

Corona-Mutationen: Experte warnt vor dritter Welle

Michael Meyer-Hermann, Leiter der Abteilung ‚System Immunologie‘ am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig und Berater von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei den regelmäßigen Corona-Gipfeln*, befürchtet, dass die Inzidenz von 35 nicht erreicht werden könne. Grund sei die derzeitige Verbreitung der britischen Corona-Mutante.

Aufgrund dessen hält der Wissenschaftler mögliche Lockerungen, die derzeit auch in NRW im Gespräch sind*, für einen Fehler. „Das macht deutlich, dass jede Form von Öffnungen zum jetzigen Zeitpunkt ein hohes Risiko birgt, die gesetzten Ziele nicht erreichen zu können“, mahnte Michael Meyer-Hermann. Deutschland sei momentan „mit mindestens zwei Pandemien konfrontiert“, warnte er. Lockerungen würden nur zu einer dritten Corona-Welle führen.

Bald jede dritte Neuinfektion mit britischer Corona-Mutation?

Wie lässt sich eine Verbreitung der britischen Mutante also eindämmen? Laut Michael Meyer-Hermann aktuell nur, indem die derzeitigen Corona-Regeln noch eine Weile beibehalten würden. Das heißt: Der Lockdown müsste weiter andauern, um das Land nicht in eine dritte Welle zu führen*. Aufgrund der bereits auftretenden Diskussionen um Lockerungen bleibt abzuwarten, wie lange die Politik den derzeitigen Kurs noch fahren wird.

Grund zur Sorge geben auch jüngste Modellierungen der Fallzahlen, die die Stadt Köln entwickelt hat. Diese besagen, dass ohne Veränderungen der derzeitigen Corona-Maßnahmen die Zahlen der Neuinfektionen mit dem Coronavirus* ab März steigen und die britische Corona-Mutation einen immer größeren Anteil einnehmen wird. Bis Mitte des kommenden Monats könnte die Variante B.1.1.7 etwa jede dritte Neuinfektion ausmachen.

Erste Lockerungen gibt es bereits in wenigen Tagen. In NRW öffnen Schulen und Kitas wieder. Es bleibt abzuwarten, was für Auswirkungen dies haben wird. (*msl24.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.)

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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