Coronavirus

„Sind in Deutschland noch ein Stückchen weg“: Impfungen beim Hausarzt erst ab Mai?

Erst hieß es Ende März, dann Anfang April – jetzt doch erst im Mai? Der Chef der Kassenärzte glaubt noch nicht an eine baldige Impfung bei Hausärzten.

Fast täglich wird das schwache Impftempo, das Deutschland seit Ende Dezember hinlegt, zum Thema. Erst knapp über drei Prozent der Bundesbürger haben bislang beide Verabreichungen bekommen. Im internationalen Vergleich liegt das bevölkerungsreichste Land der EU weit zurück. Ein Mittel dagegen sollen die künftigen Impfungen bei Hausärzten werden, die beim vergangenen Corona-Gipfel beschlossen worden waren.

Durch die Corona-Impfungen in den Hausarztpraxen soll das Tempo beim Impfen deutlich beschleunigt werden. Im Münsterland sollen laut dem WDR 25 Praxen die Vakzine künftig spritzen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) rechnete zuletzt mit bis zu fünf Millionen Impfungen, die ab Mitte April durchgeführt werden können. Doch auch dieser Zeitpunkt scheint fraglich.

Geimpfte Bürger in Deutschland5.756.572
Mindestens einmal geimpft6,9 Prozent
Vollständig geimpft3,2 Prozent

Impfung beim Hausarzt erst ab Mitte Mai?

Nachdem auf dem Corona-Gipfel zunächst Ende März angepeilt wurde, verzögerte sich der Impfstart in den Praxen auf April. Doch Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, bremst auch dahingehend die Erwartungen. Das Impfen beim Hausarzt werde sich seiner Ansicht nach noch verzögern. Schuld sei das bisherige Impftempo in Deutschland.

„Der Impfstoff geht jetzt prioritär weiter in die Impfzentren, sodass ich die Haus- und Fachärzte im April eher nicht im Impf-Geschehen sehe. Weil sie schlicht und ergreifend nicht genug Coronavirus-Impfstoff bekommen werden, sodass wir auf diese Ressourcen wohl dann erst im Mai zurückgreifen können und es bei dem bisherigen Impftempo bleiben dürfte“, sagte Gassen im ZDF-Morgenmagazin. Er sei zudem davon ausgegangen, dass die Hausärzte in Sachen Corona-Impfung schon viel früher eingebunden würden.

Hausärzte warten auf den Impfstoff

Problematisch sieht der Chef der Kassenärzte auch die derzeitige Coronavirus-Lage im Land. Am Donnerstag (11. März) wurden über 14.000 Neuinfektionen gemeldet. Laut RKI-Chef Lothar Weiler befindet sich Deutschland bereits in der dritten Welle. Das einzig wirksame Mittel gegen die steigenden Infektionen, so Andreas Gassen im Gespräch mit ZDF-Moderatorin Dunja Hayali, sei ein erhöhtes Tempo beim Verabreichen der Vakzine. „Und von zügiger Impfung sind wir ja in Deutschland schon noch ein Stückchen weg“, so der Kassenärzte-Chef.

Mancherorts werden in Hausarztpraxen bereits Corona-Impfungen verabreicht, wie hier im bayerischen Landkreis Hof.

Andreas Gassen hält fünf Millionen Impfungen pro Woche in den Arztpraxen für möglich – wenn mehr Impfstoff zur Verfügung stünde. „Die Kollegen stehen bereit und würden sofort impfen, aber sie brauchen halt Impfstoff“, betont er. Für den Impfstart in Deutschland wurde vor allem der Bundesgesundheitsminister scharf kritisiert. Zuletzt hatte Jens Spahn die Hoffnungen auf ein rascheres Impftempo im April bereits gedämpft.

Rubriklistenbild: © Nicolas Armer/dpa

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