Pressekonferenz

RKI warnt vor gefährlichen Coronavirus-Mutationen – Jens Spahn kündigt Impfplan-Änderung an

Das Robert Koch-Institut warnt vor den Gefahren durch die neuen Corona-Mutationen. Derweil will Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Impfplan abändern.

Berlin – „Sars-CoV-2 ist insgesamt gefährlicher geworden.“ Mit eindringlichen Worten warnte Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), am Freitag vor den Gefahren durch die Coronavirus-Mutationen*, die sich derzeit auch in Deutschland immer weiter ausbreiten. Wieler äußerte dies im Rahmen einer Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage im Lockdown, wie msl24.de* berichtet. Mit dabei waren außerdem der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)* sowie Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts.

Der Trend bei den Corona-Neuinfektionen sei weiterhin positiv, betonte Jens Spahn zu Beginn. Deutschland sei bereits „auf dem Weg raus aus der Pandemie“, auch, wenn noch „harte Wochen“ bevorstünden. Kurz zuvor hatte Jens Spahn bereits angekündigt, noch im Winter den Lockdown zu beenden.* Auch Lother Wieler berichtete, dass die Fallzahlen in den meisten Regionen in Deutschland heruntergehen würden. „Das sind sehr gute Nachrichten“, so Wieler. Dennoch gebe es noch immer viele Infektionen in Pflegeheimen und viele Todesfälle.

Corona-Pressekonferenz mit Jens Spahn: Mutante B.1.1.7 auch gefährlicher

Besonders vor der Variante B.1.1.7, die im Dezember 2020 in Großbritannien entdeckt worden war, warnte der RKI-Chef. Diese Mutation sei bereits in 13 Bundesländern nachgewiesen worden und sei damit für etwas weniger als sechs Prozent aller Coronavirus-Neuinfektionen in Deutschland verantwortlich. Sie sei damit zwar noch nicht vorherrschend, aber mit der weiteren Verbreitung, die auch in anderen europäischen Ländern zu beobachten sei, sei zu rechnen. Vor allem die Auswirkungen der Mutanten würden dem RKI Sorgen bereiten, so Wieler weiter. „Die Varianten haben dem Virus einen Boost gegeben.“

Die Situation ist noch lange nicht unter Kontrolle. Was uns im Robert-Koch-Institut große Sorgen macht, sind die besorgniserregenden, noch ansteckenderen Varianten des Virus. Aktuell sind es drei besorgniserregende Varianten, die wir im Blick haben. Die Variante B.1.1.7, B.1.351 und B.1.1.28. Alle drei Varianten wurden in Deutschland bereits nachgewiesen.

Lother Wieler, Chef

So liege die Reproduktionszahl „R“ bei der Mutante B.1.1.7 um 0,5 Prozentpunkte höher als bei der Variante von Sars-CoV-2, die sich zuvor in Europa und dem Rest der Welt dominant verbreitet hatte. Dass die Mutation ansteckender ist, ist bereits seit längerem bekannt – gefährlicher soll sie aber auch sein, wie Wieler berichtet: „Es gibt erste Hinweise, dass B.1.1.7 vermehrt auch zu schwereren Krankheitsverläufen führt.“ Da auch in Zukunft von weiteren Mutationen auszugehen sei, müssten auch neue PCR-Tests entwickelt werden.

Jens Spahn irritiert mit Äußerung zu Corona-Mutation

Derweil sorgte eine Äußerung von Jens Spahn für Verwirrung auf Twitter. Laut Spahn würden die auftauchenden Mutationen des Coronavirus* zeigen, „dass wir dem Virus auf den Fersen sind.“ Kurz gesagt: Das Virus habe es schwerer, sich zu verbreiten, und deswegen mutiere es. Nachdem „WDR Aktuell“ diese Äußerung Spahns auf Twitter umschreibend veröffentlicht hatte, folgten unter anderem diese Reaktion, die die Schlussfolgerung des Ministers in Zweifel zogen:

  • „Ähm... das Virus verändert sich nicht, weil wir es dezimieren, sondern weil es sich so weit ausgebreitet hat, dass eine Evolution statt fand, oder irre ich da? Wenn es so wäre wie es Jens Spahn sagt.. trifft dies dann nur auf Covid19 zu? Oder wie haben wir Pocken besiegt?“
  • „Sogar ich weiß inzwischen, dass das einfach völliger Schwachsinn ist. Es verändert sich, weil wir ihm ordentlich Zeit zur Anpassung gegeben haben und nur hinterherrennen statt vorausschauend zu handeln.“
  • „Ich hab Bio nach der 10. Klasse abgewählt, aber das klingt... falsch?“
Eine Äußerung von Jens Spahn sorgte für kritische Reaktionen auf Twitter. (Fotomontage: msl24.de)

Astrazeneca-Zulassung: Jens Spahn kündigt Änderung des Impfplans an

Ein weiteres Thema der Pressekonferenz war die Impfung. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn räumte ein, dass es durch den holprigen Start zu Enttäuschungen gekommen sei (deswegen hatte vor Kurzem auch ein Impfgipfel* stattgefunden). Unter anderem war auch der Start der Impftermin-Vergabe in NRW chaotisch verlaufen. Dennoch versicherte der CDU-Politiker, dass bis zum Ende des 1. Quartals allen Menschen der ersten Priorisierungsgruppe ein Impfangebot gemacht werden solle.

Zudem kam der Minister auf das Corona-Vakzin von Astrazeneca zu sprechen und kündigte eine Änderung des Impfplans an. Dies war bereits zuvor im Gespräch gewesen, nachdem es Verwirrung um die Wirksamkeit des Astrazeneca-Impfstoffes* gegeben hatte. „Wir ändern die Impfverordnung“, sagte Spahn nun. Die Unterzeichnung erfolge am Montag. Während die Priorisierungsgruppen weiter bestehen bleiben würden, könnten ab Februar auch Menschen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren gegen das Coronavirus mit dem Vakzin von Astrazeneca geimpft werden.

Alle Impfstoff-Produkte, die in der EU geprüft wurden und von der Kommission zugelassen wurden, haben ein günstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis. Sie sind für den Schutz vor Covid-19 zu empfehlen.

Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts

„Das ermöglicht uns eine Verdopplung der Impfungen im Februar“, sagte der Minister weiter. Dennoch warnt der Bundesgesundheitsminister: „Es bleiben harte Wochen der Knappheit bei den Impfstofflieferungen.“ Derweil appellierte Klaus Cichutek an die Menschen, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen – auch aus solidarischen Gründen: „Jeder Einzelne von uns sollte den Schutz von Impfstoffen annehmen“, sagte Cichutek mit Verweis auf die höhere Wirksamkeit des Impfstoffes von Astrazeneca bei jüngeren Menschen. Alle drei verfügbaren Vakzine – der mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer* sowie sie beiden Wirkstoffe von Moderna und Astrazeneca, – seien alle wirkungsvoll und werden dabei helfen, „die Pandemie zu bekämpfen“, so der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts weiter. (*Msl24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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