Ermittlungsverfahren

Mehrere Kinder missbraucht? Kita-Leiterin erneut suspendiert

Spielzeug liegt in einer Kindertagesstätte auf dem Boden.
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In einer Kita soll sich Schreckliches zugetragen haben: Kinder berichteten davon, missbraucht worden zu sein. (Symbolbild)

Sie soll mehrere Kinder unter Drogen gesetzt und missbraucht haben: Die Ermittlung gegen eine Erzieherin in Dülmen werden wieder aufgenommen – obwohl das Verfahren bereits eingestellt war.

  • Eine Erzieherin aus Dülmen wurde von ihrem Dienst suspendiert
  • Der Grund sind erneute Ermittlungen gegen die Frau
  • Ihr wurde bereits 2012 Missbrauch von Schutzbefohlenen vorgeworfen

Update: 20. Oktober. Wieder werden Missbrauchsvorwürfe gegen eine Kita-Leiterin aus Dülmen laut. Die Vorsteherin des Martin-Luther-Kindergartens war schon zu Anfang des Jahres in den Fokus von Ermittlungen geraten. Sie soll Kinder in der Einrichtung sexuell missbraucht haben.

Erst im Juni war das Verfahren gegen die Frau aus Dülmen eingestellt worden. Zwar hatte ein Jugendlicher, der damals als Kind in der Kita war, eine Aussage zu den damaligen Geschehnissen gemacht. Seine Aussage war nach einer Begutachtung jedoch nicht als belastbar eingeschätzt worden.

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hatte die Ermittlung Anfang des Jahres 2020 von der Staatsanwaltschaft in Münster übernommen. Laut Informationen des WDR wird das Verfahren jetzt wiederum neu aufgerollt. Zudem sei die Leiterin der Kita erneut wegen des Vorwurfs der schweren sexuellen Kindesmissbrauchs vom Dienst suspendiert worden. Da ihr eine solche Tat nie nachgewiesen werden konnte, durfte sie ihren Job bislang wie gewohnt ausführen.

Mindestens sieben Mal war die Frau von Eltern angezeigt worden, nachdem die Kinder von den Erlebnissen in der Kita berichtet hatten. Dafür gab es jedoch nie Beweise. Das neue Ermittlungsverfahren gegen die Kita-Leiterin aus Dülmen soll das nun jedoch ändern. Damals soll die 44-Jährige die Kinder unter anderem mit Drogen und Videos von Enthauptungen gefügig gemacht haben.

Dülmen: Kinder in Kita vergewaltigt? Erzieherin erneut unter Verdacht

Erstmeldung: 20. Januar. Dülmen – Es sind schwerwiegende Vorwürfe: Eine Erzieherin soll 2012 mehrere Kinder sexuell missbraucht und misshandelt haben. Das Verfahren gegen die heute 44-Jährige wurde damals eingestellt – die Aussagen der Kinder wurden als nicht glaubhaft eingestuft. 

Dülmen (NRW): Missbrauch in Kita? Ermittlungen aufgenommen

Jetzt wird die Ermittlung in Dülmen jedoch wieder aufgenommen, nachdem eines der frühern Opfer sich erneut zu den Vorfällen äußerte. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat das Verfahren bereits im Oktober 2019 aufgenommen, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht.

Vorausgegangen war ein Prozess, der mit dem Missbrauch in Dülmen eng verknüpft ist: Ein Jugendlicher, der angibt, vor acht Jahren zu den Opfern der Erzieherin gezählt zu haben, wurde mehrmals vom Ehemann der Frau bedroht. Der Mann, der bei den Vergewaltigungen mitgemacht haben soll, habe dem Jungen am Bahnhof aufgelauert und habe ihn so scheinbar zum Schweigen bringen wollen. 

Opfer in Dülmen mit Pillen gefügig gemacht

"Timo" (14) – der Name wurde von der Redaktion geändert – erzählte im März 2019 in einem Bericht des WDR über den Missbrauch in Dülmen, dass "bestimmte Dinge unter der Gürtellinie" mit ihm angestellt worden seien. Erst mit acht Jahren, als die Ermittlungen bereits eingestellt worden waren, erzählte er seiner Mutter von den Vorfällen. Zuvor sei er bedroht worden: In einem Artikel der SZ heißt es, dass dem Kind Enthauptungsszenen auf einem Handy gezeigt worden seien. Die Erzieherin und ihr Ehemann hätten dem Jungen klargemacht, dass so etwas auch mit ihm und seiner Familie passiere, sollte er von den Vorfällen erzählen. 

Unter anderem sprach der Junge von "kleinen blaue Pillen", die ihm verabreicht worden seien – vermutlich, um ihn gefügig zu machen. Mehrere Eltern von betroffenen Kindern erstatteten 2012 Anzeige bei der Polizei. Doch befragt wurden die Familien zu dem Fall nicht, wie eine Mutter berichtet. Stattdessen wurde das Verfahren wegen des Missbrauchs in der Kita in Dülmen eingestellt: Die Aussagen der Jungen seien als nicht glaubwürdig eingestuft worden, wird die Staatsanwaltschaft Münster in dem WDR-Bericht zitiert. 

Zudem ging kürzlich ein dieser Prozess zu Ende: Ein Student aus Münster wurden wegen Kindesmissbrauchs verurteilt. Ihm wurden 120 Taten vorgeworfen.

Haarproben analysiert: Kinder in Dülmen wurden unter Drogen gesetzt

Die Erzieherin aus Dülmen hatte die Vorwürfe damals bestritten und konnte nach wenigen Wochen ihren Dienst wieder aufnehmen. Einige Eltern nahmen die Ermittlung jedoch in die eigene Hand: Sie ließen Haarproben ihrer Kinder analysieren. Das Ergebnis ist eindeutig: Spuren von Kokain, Ecstasy und eines Betäubungsmittels wurden gefunden. 

Doch auch dieses Indiz veranlasste keine weitere Untersuchung seitens der Staatsanwaltschaft. "Der Staatsanwaltschaft reichte es nicht für eine Durchsuchung des Kindergartens", heißt es in dem WDR-Bericht zum Missbrauch in Dülmen. Es ist nicht das erste Mal, dass ein TV-Bericht eine Ermittlung ins Rollen bringt: Eine RTL-Reportage hatte 2018 Missstände in einer Kita in Ibbenbüren aufgedeckt. Mit versteckter Kamera filmten die Journalisten, wie Kinder geschlagen und angeschrien wurden. 

Missbrauch in Dülmen: Bisherige Ermittlungen werden überprüft

Nun, rund acht Jahre nach dem mutmaßlichen Missbrauch in Dülmen, wurde die Erzieherin erneut suspendiert. In der Zwischenzeit seien jedoch keine neuen Vorwürfe bekannt geworden, heißt es in Medienberichten. Aufgrund neuer Erkenntnisse werden die Ermittlungen von damals erneut überprüft. Sollte sich herausstellen, dass den Ermittlern ein Fehler unterlaufen ist, könnte das weitreichende Folgen haben. 

Ein ähnlicher Fall wurde vor einigen Monaten in der Region bekannt: Nachdem eine Erzieherin in Nordwalde unangemessene Fotos von Kindern gemacht hatte, wurde sie suspendiert. Gegen sie wurde Anzeige erstattet. Vor Gericht musste sich zudem kürzlich eine Frau verantworten: Der Lehrerin einer Schule in Rheine wurde vorgeworfen, mehrere Kinder misshandelt zu haben. Die Anklage musste jedoch fallen gelassen werden. 

Wenn es um Kindesmissbrauch geht, wie zuletzt in Münster, solle das Strafmaß ausgeschöpft werden, wie Familienministerin Franziska Giffey nun fordert.

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