Anzeige in Greven erstattet

Jagdhund beißt "Nelly" tot: Halter lässt 16-Jährige mit blutendem Familienhund zurück

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Der Jagdhund biss zu und ließ auch nicht los, obwohl sein Herrchen mehrfach "Aus!" schrie (Symbolbild).

Mit Blutflecken auf dem Pullover kam eine Jugendliche in Greven nach Hause, den toten Familienhund in den Armen. Er wurde totgebissen – von einem anderen Vierbeiner. Dessen Besitzer entfernte sich einfach vom Tatort. 

Greven – "Das lässt mich total fassungslos, sehr traurig und auch wütend werden", berichtet Rabea. Sie kann nicht glauben, was ihrer Tochter widerfahren ist – und wie ein erwachsener Mann darauf reagiert hat. 

Eigentlich sei sie nicht dafür, solche Geschehnisse in der Öffentlichkeit zu thematisieren, erklärt die 47-Jährige aus Greven. Es ginge ihr auch nicht um Schuldzuweisungen. "Aber wie herzlos und geradezu unmenschlich grausam kann man sein?", fragt sie in einem Facebookpost. 

Spaziergang durch Greven am Abend 

Es war Sonntagabend (7. Juli) gegen 19 Uhr, als Tochter Aoife (16) mit dem Familienhund Nelly auf einem Wirtschaftsweg in Greven-Gimbte unterwegs war. Die beiden gehen öfter zusammen spazieren, sind einander vertraut – kein Wunder, denn der Jack Russell Terrier hat sein ganzes Leben bei den Krainskis verbracht. 

Nelly war 14, schon "eine alte Dame", erklärt Rabea mit einem Lachen. Sie sei ein ruhiger, lieber Hund gewesen. Früher sei sie noch mal einem Kaninchen in Greven hinterher gerannt, aber das habe Nelly schon vor langer Zeit aufgegeben. Dafür war sie zu alt. 

Nelly in Greven von Jagdhund getötet

Aoife läuft also den Wirtschaftsweg in Greven entlang, der Jack Russell Terrier watschelt ihr hinterher und hält auf dem Grünstreifen plötzlich an – um sein Geschäft zu verrichten. Die 16-Jährige merkt, wie sich ein Fahrradfahrer von hinten nähert, einen Hund an der Leine. 

Als die beiden an Aoife vorbeifahren, springt die taube Nelly plötzlich auf. Bei dem anderen Vierbeiner – einem Jagdhund der Rasse Deutsch Kurzhaar – löst das ebenfalls eine Reaktion aus. Er wechselt die Richtung, zieht seinen Besitzer vom Fahrrad und rennt auf den Jack Russell Terrier zu. Dann beißt er zu. 

Hündin Nelly war 14 Jahre alt, als sie von einem Jagdhund zu Tode gebissen wurde. 

Sein Besitzer habe ihn angeschrien: "Aus! Aus!", doch der Hund reagiert nicht. Erst nach einer Weile lässt er los, doch da ist es für Nelly bereits zu spät: Sie ist tot. Der Mann dreht sich zu Aoife um und sagt, dass man da eh nichts mehr machen könne. Sowas würde halt passieren, wenn man Hunde frei laufen ließe. Dann steigt er aufs Fahrrad und fährt weiter durch Greven. Die 16-Jährige lässt er einfach stehen – neben ihrem toten Hund. 

Anzeige bei Polizei in Greven erstattet

Aoife steht unter Schock. Sie nimmt den blutenden Hund auf den Arm, läuft nach Hause zurück. Das liegt nur wenige Meter entfernt. "Ihr Pullover war voller Blut", berichtet ihre Mutter aus Greven. Die Jugendliche gibt sich selbst die Schuld an dem Vorfall. Schließlich war Nelly nicht angeleint. 

Bekannte der Familie sind ebenfalls vor Ort und reagieren geistesgegenwärtig: Sie nehmen die Verfolgung durch Greven auf und treffen den Mann nur wenig später in der Nähe an. Mit seinem Namen und der Anschrift gehen Rabea und ihr Mann, Norbert Albertmann, zur Polizei. Denn er war Nellys offizieller Besitzer. Das Paar erstattet Anzeige – wegen Sachbeschädigung. So will es das deutsche Gesetz.  

Bei einem ganz ähnlichen Fall – als ein Jagdhund einen Mischlingsrüden in Ascheberg tot gebissen hatte – klagten die Besitzer sogar wegen Verstoßes gegen das Landeshundegesetz. Doch die Bemühungen werden kaum Konsequenzen haben, das hat Rabea schon recherchiert. Eventuell muss der Jagdhund demnächst einen Maulkorb tragen, vielleicht droht sogar eine Geldstrafe. "Aber das bringt uns den Hund auch nicht wieder", sagt sie. 

Beerdigung von Nelly in Greven 

Rabea weiß, dass solche Unglücke passieren können – aber die Reaktion des Mannes macht sie wütend. "Da ist ein Kind, vor dessen Augen gerade sein bester Freund getötet wurde und das lässt man nicht allein. Egal wo, wie und warum", ließ sie ihren Gefühlen auf Facebook freien Lauf. 

Am Montag (8. Juli) hat die Familie den geliebten Hund gemeinsam in Greven beerdigt. Sie hofft, dass die Familie die Geschehnisse nun endlich verarbeiten kann. "Nelly wird für immer ein Teil von unserer Familie bleiben", schreibt sie später auf Facebook und dankt allen Menschen für die Anteilnahme an ihrem Leid. 

Immer wieder kommt es zu Vorfällen, bei denen Menschen rücksichtslos mit Tieren umgehen und kaum Anteil zeigen. So machten Vereinsmitglieder einen grausamer Fund: Kinder hatten einen Kater in Gronau tot geprügelt und auf den Müll geschmissen. Absurd schien auch der sogenannte "Mops-Streit", als die Stadt Ahlen ein solche Tier pfändete und es bei Ebay verkaufen wollte. Doch der Bürgermeister verteidigte den Vorgang.

Immer wieder kommt es zu solch ähnlichen Vorfällen: So wurde in Wadersloh (Kreis Warendorf) ein Mann von einem Hund gebissen. Die Halterin ging danach einfach weiter. Zu einem ungewöhnlichen Vorfall kam es kürzlich: Ein Mann gab in Bocholt an, von einem Hund gebissen worden zu sein – doch der Halter erzählte eine andere Geschichte. 

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