Raupenbefall in Greven

"Man ist nirgends mehr sicher": Schwere Plage versetzt Anwohner in Angst

+
Die Härchen des Eichenprozessionsspinners sind für Menschen giftig – für Hunde können sie sogar tödlich sein. (Symbolbild)

Die Raupen-Plage in Greven hat längst Überhand genommen: Viele Bewohner leiden unter dem Eichenprozessionsspinner. Die Stadt ist mit der Situation überfordert. 

  • Eichenprozessionsspinner in Greven
  • Bewohner in Sorge um ihre Gesundheit 
  • Stadt kommt nicht gegen Plage an 

Greven – Der Eichenprozessionsspinner ist bereits zum zweiten Jahr infolge ein Problem in vielen Städten Deutschlands. In Greven jedoch scheint die Plage extreme Ausmaße anzunehmen: Bäume sind teilweise bis zu einem Meter hoch von der giftigen Raupe befallen, pro Stamm sind mindestens drei Nester zu finden. Einige Bewohner äußern ihre Sorge – und ihre Hilflosigkeit – in den sozialen Medien. 

Patricia H. hat einen kleinen Sohn. Die zwei Grevener leiden unter der Raupenplage. Beide haben starken Ausschlag – aus Sorge fuhr die Mutter noch am Donnerstagabend (20. Juni) zum Notdienst. Dort sind die Folgen des Eichenprozessionsspinners schon bekannt: "Wir waren schon die 40. mit diesen Symptomen an dem Tag." 

Eichenprozessionsspinner breitet sich in Greven aus 

Nicht nur für Menschen, sondern auch für Hunde ist die Raupe extrem gefährlich – wenn ein Vierbeiner in ein Nest des Eichenprozessionsspinners beißt, kann das sogar tödlich enden. Die Anwohner in Greven sind deshalb in Sorge um ihre Tiere: "Unsere Hunde dürfen nur noch unter Aufsicht in den Garten", schreibt Gunni T.  

Viele Grevener fühlen sich in ihrer Not alleine gelassen, doch "die Mitarbeiter der Stadt Greven tun zur Bekämpfung der Raupen alles, was möglich ist", heißt es in einer Mitteilung der Verantwortlichen. Die Technischen Betriebe (TGB) sind im Dauereinsatz, zusätzlich werden Fachfirmen beauftragt. Trotzdem hat der Eichenprozessionsspinner in Greven längst Überhand genommen: "Täglich erreichen uns unzählige Anrufe, Mails und Facebook-Nachrichten", berichtet Dr. Andrea Rauße-Rüther, Pressesprecherin der Stadt. 

Greven: Gibt es Schutz vor dem Eichenprozessionsspinner? 

Können die Bürger in Greven etwas tun, um sich gegen den Eichenprozessionsspinner zu schützen? Nele H. berichtet davon, dass sie sich in einer E-Mail mit genau dieser Frage an die Stadt gewandt hat. Darin bat sie um "ein bisschen mehr Einsatz". In der Antwort wurde ihr geraten, täglich zu duschen und sich entsprechend bedeckt zu kleiden – was bei den Temperaturen, die in der kommenden Woche im Münsterland erwartet werden, schwierig werden dürfte. 

Darüberhinaus sollte bei einem Befall im Garten draußen keine Wäsche getrocknet oder Spielgeräte benutzt werden. Wenn es zum Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner gekommen ist, sollte geduscht werden, Kleidung bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. 

Raupen-Befall: Das tut die Stadt Greven gegen den Eichenprozessionsspinner

Inzwischen wurde ein Online-Formular der Stadt Greven eingerichtet. Das soll es den Bürgern leichter machen, gesichtete Nester zu melden. Wenn der Befall jedoch auf dem eigenen Grundstück ist, müssen die Bewohner selbst aktiv werden.

Fachfirmen der Baumpflege können sich um die Entfernung der Eichenprozessionsspinner in Greven kümmern. Weiterhin gilt jedoch: Auf keinen Fall selbst tätig werden – die Entfernung der Nester muss doch einen Profi erfolgen. Sonst besteht erhöhte Gesundheitsgefahr. 

Greven im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner

Im Stadtgebiet hat die Bekämpfung von Nestern an bestimmten Orten Priorität: Schulen, Spielplätze und Kitas sind zuerst dran. In den "weniger sensiblen Bereichen", womit die Stadt Greven etwa von Bäumen gesäumte Straßen meint, könne der Eichenprozessionsspinner nicht beseitigt werden.

"Einfach, weil dafür ausreichend Manpower, Zeit und technische Mittel gar nicht zur Verfügung stehen würden", heißt es in einer Mitteilung. Darüberhinaus wird um das Verständnis der Bürger gebeten – die Fläche der Stadt sei einfach zu groß. 

Stellen, die unter starkem Befall leiden, sollen Bürger meiden oder zügig passieren. Kurzzeitig mussten schon Schulhöfe gesperrt werden, bis die Raupe bekämpft war. In Münster wurde vor Kurzem bereits eine Großveranstaltung wegen des Eichenprozessionsspinners abgesagt: Das 24-Stunden-Rennen findet normalerweise jedes zweite Jahr statt. 

Dieses Nest wurde durch das Unwetter am Mittwoch (19. Juni) vom Baum geweht – es stellt eine Gefahr für Hunde und Kinder dar. 

Eichenprozessionsspinner-Plage in Greven: Das sind die Symptome 

Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners können durch Wind bis zu 200 Meter weit getragen werden. Diese Härchen sind auch noch Jahre, nachdem die Nester leer sind, giftig. In den unsichtbaren Fäden ist das Gift Thaumetopoein enthalten, das beim Menschen zu rotem, juckendem Ausschlag führt. 

Die Stärke der Symptome hängt davon ab, wie empfindlich eine Person auf Allergene reagiert – im schlimmsten Fall führt das Gift zu Quaddeln, Atemwegsreizungen und Schwindel. Zudem treten – wenn auch selten – Schüttelfrost, Fieber und allergische Schockreaktionen auf. Solche Fälle sind in Greven jedoch bislang noch nicht vorgekommen. 

Einige Bewohner kennen zwar die Symptome, jedoch deren Quelle nicht. "Seit drei Tagen werden mein Freund und ich von diesem juckenden Ausschlag gequält. Endlich weiß ich, woher das kommt!", bedankt sich Jenny K.

Patricia H. haben von der Ärztin derweil den Rat erhalten, vorerst nicht mehr in der Kroner Heide spazieren zu gehen. Da ihr Sohn noch keine zwei Jahre alt ist, kann er nur sehr leichte Medikamente gegen den schmerzenden Ausschlag nehmen. Cortison ist für die Kleinen schädlich. Bewohner in Greven sollten zwar weiterhin aufmerksam sein, jedoch nicht in Panik geraten – denn die Härchen des Eichenprozessionsspinners sind für den Menschen nicht tödlich.  

Und nicht nur der Eichenprozessionsspinner kann in diesem Sommer für Menschen gefährlich werden: Auch der Riesenbärenklau breitet sich rasant aus. Die Stadt Münster warnt vor der Pflanze. Die Raupe ist auch anderswo ein Problem – in Münster greift der Eichenprozessionsspinner sogar die Augen beim Radfahren an. Doch die Stadt hat einen Tipp. 

Inzwischen ist auch die Landesregierung in Sorge um die Bürger im Münsterland – deshalb haben sie einige Tipps für den Umgang mit dem Eichenprozessionsspinner veröffentlicht. 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare