Private Vermisstensuche im Kreis Steinfurt

Mann seit Wochen verschwunden: Seine Ex-Frau nimmt Suche selbst in die Hand

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Michaela* ist auf der Suche nach ihrem Ex-Mann, den sie auch bei der Polizei als vermisst gemeldet hat. 

"Seine Familie vermisst ihn schmerzlich", erklärt Michaela: Weil ihr Ex-Mann seit Wochen als vermisst gilt, hat sie Fotos und Daten von Guido im Internet veröffentlicht – doch ist das überhaupt erlaubt?

Kreis Steinfurt/Münster – "Er hat mir noch gesagt: "Bis später!', berichtet Michaela*. Wenige Stunden, bevor ihr Ex-Mann am 2. August (Freitag) verschwand, telefonierten die beiden noch miteinander: Guido* sollte am Abend vorbeikommen, den gemeinsamen Sohn übers Wochenende besuchen. 

Als er sich verspätete dachte Michaela, dass ihr Ex-Mann – der als Lkw-Fahrer arbeitet – vielleicht noch einen Auftrag hat und im Stau steht. Als sie ihn über sein Handy nicht erreichen konnte, glaubte sie an ein Funkloch. Tatsächlich soll Guido gegen 16.15 Uhr sein Büro bei einer Speditionsfirma in Nordwalde (Kreis Steinfurt) verlassen haben. "Von dort aus wollte er mit Zug vom Nordwalder Bahnhof nach Münster zum Hauptbahnhof fahren und von dort aus weiter nach Sprakel", schreibt Michaela, die in diesem Stadtteil lebt. 

Vermisstenanzeige bei Polizei im Kreis Steinfurt gemeldet

Doch danach verliert sich seine Spur, er kam nie bei Michaela an. Am Samstag meldete sie sich bei der Polizei und gab eine Vermisstenanzeige auf. Zuerst kümmerte sich die Polizei in Münster, doch seit dem 14. August ist die Kriminalpolizei in Greven (Kreis Steinfurt) zuständig. "Die verfolgen derzeit eine Spur", berichtet Michaela.

Eine offizielle Suche nach dem Vermissten hat es bislang allerdings nicht gegeben: ein Anzeichen, dass keine Spuren auf ein Gewaltverbrechen vorliegen. Denn eine Öffentlichkeitsfahndung nach einer vermissten Person ruft die Polizei nur aus, wenn eine Gefahr für den Menschen besteht – wie bei diesem Mann aus Greven, der "dringend auf Medikamente angewiesen" war. Doch selbst in solch einem Fall ist eine richterliche Anordnung nötig. Grundsätzlich gilt: "Ein erwachsener Mann darf hingegen, wo er will", erklärt ein Sprecher der Polizei im Kreis Steinfurt.

Private Suche nach Vermisstem in Münster und Kreis Steinfurt

Deshalb hat Michaela die Dinge selbst in die Hand genommen: Seit dem 3. August (Samstag) verbreitet sie Bilder von Guido in den sozialen Netzwerken, inklusiver seiner Daten wie Größe, Gewicht, Alter, Augen- und Haarfarbe, Kleidung und Arbeitsort. Detailliert beschreibt die Frau, wie seine Arbeitskleidung inklusive Rucksack aussieht – und "für den Fall, dass er sich umgezogen hat," auch seine gewöhnliche Alltagskleidung. "Gegebenenfalls kann er sich einen Bart gewachsen lassen haben, um die optische Erscheinung zu verändern", schreibt sie ebenfalls.

Keiner im Freundeskreis der beiden ehemaligen Ehepartner kann begreifen, was mit Guido passiert ist. "Seine Familie vermisst ihn schmerzlich", schreibt Michaela auf Facebook. Doch es gibt auch kritische Stimmen, die an ihren Motiven zweifeln. Sie wurde als Stalkerin bezeichnet und aufgefordert, ihren Ex-Mann einfach in Ruhe zu lassen. Doch das ist Michaela egal, schließlich handelt es sich um den Vater ihres Sohnes. 

Private Suche im Kreis Steinfurt: Ist das erlaubt?

Trotzdem sind private Fahndungsaufrufe wie der von Michaela kritisch zu betrachten. Zwar macht sie sich mit ihrem Aufruf nicht strafbar, aber sie verhält sich auch nicht eindeutig rechtmäßig. Grundsätzlich gilt das Recht am eigenen Bild und somit kann die Verbreitung von persönlichen Fotos und Daten teuer werden. Einwände kann allerdings nur der Geschädigte – also Guido – erheben, erklärt Rechtsanwalt Dr. Christoph Buchmüller aus Münster. Doch das hält Michaela für ausgeschlossen. 

Trotzdem sollten die Nutzer der sozialen Netzwerke vorsichtig sein, wenn sie die Vermisstenmeldung von Guido aus dem Kreis Steinfurt teilen. Auch sie könnten im schlimmsten Fall vom Betroffenen belangt werden: "Dies kann für Sie teuer werden, und Sie lernen den vermeintlich Vermissten mit Regressforderungen unter Umständen vor Gericht persönlich kennen", erklärt das Portal "Mimikama"

Suche im Kreis Steinfurt geht weiter

Tatsächlich dürfen nur Strafverfolgungsbehörden in Deutschland öffentlich nach Personen fahnden und deren Foto ohne Erlaubnis publik machen. Deswegen löschen die Beamten auch sämtliche Bilder, sobald der Fall gelöst ist. Auch unsere Redaktion stellt die Bilder nur noch verpixelt dar, wenn die Suche eingestellt wird – beispielsweise als ein Mann aus Telgte tagelang als vermisst galt und dann wohlbehalten aufgefunden wurde. 

Michaela wird die Bilder von Guido vermutlich erst löschen, wenn sie wieder von ihm hört – doch bis dahin sucht seine Familie weiter. 

Ebenfalls vermisst wird derzeit ein 18-Jähriger aus Beckum. Die Polizei sucht mit einem Foto nach ihm – und bittet um Hinweise.

*Namen von der Redaktion geändert 

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