Reitturniere abgesagt

Herpes-Virus tötet Pferde – wie groß ist die Gefahr in Deutschland?

Seit etwa einem Jahr kämpfen die Menschen in Deutschland gegen das Coronavirus an, das die tödliche Krankheit Covid-19 auslösen kann. Nun bedroht auch noch ein Herpes-Virus das Leben vieler Pferde.

Berlin/Münsterland – Als wäre der Kampf gegen das Coronavirus* nicht schon mühsam genug. Nun sorgt ein weiterer Erreger für Besorgnis. Eine Variante des Herpes-Virus aus Spanien trifft den Reitsport mit voller Wucht. Nach Angaben des Weltverbandes FEI sei dieser besonders aggressiv. Mehrere Pferde seien durch eine Infektion bereits getötet worden. Sämtliche Turniere wurden daher in Deutschland vorsorglich abgesagt.

WeltpferdesportverbandFédération Équestre Internationale (FEI)
SitzLausanne, Schweiz
Gründung1921

Herpes-Virus: Tödliche Gefahr für Pferde – Turniere in Deutschland bis Ende März abgesagt

Die Reiterinnen und Reiter sind tief betroffen. „Ein Alptraum, den niemand erleben sollte“, sagte die Springreit-Weltmeisterin Simone Blum (31), als sie den Tod von vier Pferden aus deutschen Turnierställen in einem Interview kommentierte, die an dem Herpes-Virus verendeten. In Deutschland und neun weiteren Staaten reagierten die Verantwortlichen des Weltverbandes FEI bereits, indem sämtliche Reitturniere bis zum 28. März vorsorglich abgesagt wurden

Im spanischen Valencia war das Herpes-Virus im Zuge einer Turnierserie ausgebrochen. Teilnehmer des Pferdesports berichteten von dramatischen Szenen. „Wir kämpfen hier Schulter an Schulter um unsere Pferde“, äußerte sich Hilmar Meyer, der im niedersächsischen Thedinghausen einen Handels- und Ausbildungsstall betreibt. Nach eigenen Angabe habe er bereits zwei Pferde verloren, die sich mit dem Erreger infizierten, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). „Sehr, sehr schlimm“, sei die Situation vor Ort. Auch im Münsterland und Ostwestfalen* wächst die Angst vor der Ausbreitung des Virus.

Herpes-Virus: Wie infizieren sich Pferde mit dem Erreger EHV-1?

Über den Nasen- oder Augenausfluss infizierter Tiere sowie über infiziertes fetales Material ist eine direkte Übertragung von EHV-1 möglich. Aber auch durch Tröpfcheninfektion können die Herpesviren direkt von einem Pferd auf ein anderes übertragen werden. Folgende Symptome können nach einer Infektion mit Pferdeherpes* bei dem Tier auftreten:

  • Plötzlicher Beginn, ähnlich Schlaganfall, mit rascher Verschlechterung binnen 48 Stunden
  • Respiratorische Symptome nicht zwingend, Fieber möglicherweise vorhanden
  • Kopfschiefhaltung
  • Zehenschleifen
  • Ataxie (Gestörte Bewegungskoordination), besonders Hinterhand
  • Inkontinenz und/oder Kotabsatzprobleme
  • (Quelle: zoetis.de)

Besteht der Verdacht einer Herpes-Virus-Infektion sollte unbedingt ein Tierarzt benachrichtigt werden. Das Pferd muss dann umgehend untersucht werden. Atemwegserkrankungen infolge einer Infektion mit EHV-1 werden durch Nachweis des Virus‘ in Nasentupferproben oder durch Blutuntersuchungen (Antikörper) diagnostiziert.

Herpes-Virus: Reiter trauern um ihre Pferde und üben Kritik

Die Herpes-Variante aus Spanien gilt als äußert aggressiv. Die Reiterinnen und Reiter beklagen, dass die Informationen aus Valencia, wo bereits am Sonntag (21. Februar) mehrere Pferde starke Symptome gezeigt haben sollen, viel zu spät an sie herangetragen wurden. In Valencia seien bisher insgesamt mindestens zehn Tiere gestorben. Derzeit sei noch unklar, in welchen Ländern sich der Erreger weiter ausgebreitet hat.

Dem Weltverband FEI sind bisher drei europäische Länder bekannt, in denen bereits Fälle auftraten. Dazu zählt auch Deutschland. Wie sich die Lage hierzulande weiter entwickelt, sei noch völlig offen. Der Weltverband FEI geht davon aus, „dass eine große Anzahl von Pferden den Veranstaltungsort in Valencia ohne ein offizielles Gesundheitszeugnis verlassen hat“. Des Weiteren hieß es in einer Mitteilung „Einige Pferde waren bereits krank und das Risiko einer Übertragung von diesen Pferden ist ein großes Problem.“

Axel Milkau, Direktor des Reitturniers in Braunschweig, klagt unter anderem den Weltverband FEI an. Milkau schrieb in Versalien von einem „TOTALVERSAGEN“ beim Krisenmanagement und setzte fünf Ausrufezeichen dahinter, berichtet der NDR. Um zu verhindern, dass nun auch Hunderte Pferde auf einmal die laufenden Turniere im Süden Europas verlassen, dürfen die Veranstaltungen in Vilamoura (Portugal), Vejer de la Frontera (Spanien) sowie San Giovanni und Gorla Minore (Italien) in sogenannten „Bubbles“ weiterlaufen, solange es keine EHV-1-Fälle gibt. Neue Pferde dürfen aber nicht anreisen und ohne Genehmigung darf kein Tier den Turnierplatz verlassen.

Herpes-Virus: Keine Gefahr für Menschen – Reiter haben Angst um ihre Pferde

Nach Angaben der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) sind Infektionen mit dem Herpes-Virus nicht anzeige- oder meldepflichtig. Menschen seien zudem nicht in Gefahr. Der Erreger könne keine Krankheiten auf den menschlichen Körper übertragen. Dennoch sind viele die Reiterinnen und Reiter, die an den Turnieren in Spanien teilgenommen haben sehr besorgt. „Der Virus-Ausbruch macht natürlich auch uns Angst“, berichtete Weltmeisterin Simone Blum. Sie hatte vor ein paar Wochen bei einer Turnierserie im spanischen Vejer de la Frontera ihre Vorbereitung auf die Olympia-Saison gestartet.

Hilmar Meyer beklagt bereits zwei tote Pferde, die sich mit dem Herpes-Virus infizierten.

Der „Ausbruch ist wahrscheinlich der schlimmste seit vielen Jahrzehnten in Europa“, sagte FEI-Generalsekretärin Sabrina Ibáñez. Die ansteckende Pferdekrankheit, das Equine Herpesvirus (EHV-1), das zuletzt beim spanischen Reitturnier CES Valencia aufgetreten war, sei für die Reiter schlimmer als das Coronavirus, sagte Axel Milkau dem NDR. Die Reiter aus dem benachbarten NRW hatten zuletzt trotz des Coronavirus zumindest ein paar Möglichkeiten, an Turnieren teilzunehmen. Doch in Deutschland wurden nun alle nationalen Pferdesport-Veranstaltungen bis einschließlich 28. März abgesagt. Darüber hinaus schließt das DOKR den Bundesstützpunkt in Warendorf für externe Pferde, berichtet die Münsterland Zeitung. Über das weitere Vorgehen wird nun beraten. In der Coronavirus-Pandemie werden Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder beim Corona-Gipfel am Mittwoch (3. März) über weitere Lockerungsschritte beraten. (*Msl24.de ist ein Angebot von IPPEN MEDIA.)

Rubriklistenbild: © Daniel Reinhardt/dpa (Fotomontage: Msl24.de)

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