Bauern-Protest

Landwirte in Rage wegen Werbung: Edeka lenkt nach Bauern-Protest ein

Zum 100-jährigen Jubiläum überlegte sich Edeka etwas Besonderes: Auf einem Plakat warb Otto Waalkes mit einem Spruch – doch der erzürnte viele Landwirte. Jetzt reagierte der Konzern.

  • Edeka veröffentlicht zum Jubiläum Werbung mit Otto Waalkes
  • Die Plakate stoßen auf Unverständnis und Kritik
  • Landwirte in Ibbenbüren blockieren Zentrallager des Supermarktes

Update: 28. Januar. Der Ärger war groß bei den Landwirten: Eine Edeka-Werbung mit dem Slogan "Essen hat einen Preis verdient: den niedrigsten" sorgte für Unmut bei den Bauern. Der Vorwurf: Nahrungsmittel würden vom Konzern keine Wertschätzung erhalten. Mit mehreren Traktoren blockierten sie das Zentrallager in Ibbenbüren. 

Nun lenkte der Lebensmittelkonzern ein und versprach mit den Bauern in den Dialog zu gehen. "Die Edeka Minden-Hannover wird kurzfristig ein persönliches Gespräch mit Vertretern der Bewegung 'Land schafft Verbindung, Niedersachsen', dem Landvolk Niedersachsen/Landes-Bauernverband e.V., den Landfrauen Niedersachsen und dem Bremischen Landwirtschaftsverband e.V. führen", heißt es seitens Edeka.

Die Landwirte aus Ibbenbüren und Niedersachsen hatten zuvor vom Konzern gefordert, die Plakate mit dem Werbeslogan zu entfernen. "Wir hören uns jetzt an, was Edeka zu sagen hat", sagte ein Sprecher, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet.

Ibbenbüren: Landwirte blockieren Edeka-Lager

Erstmeldung: 27. Januar. Ibbenbüren – Weil die Supermarkt-Kette ihr 100-Jähriges feiert, überlegte sich die Edeka-Regionalgesellschaft Minden-Hannover in Niedersachsen etwas Besonderes: Auf einem großen Plakat wurde der Fernseh-Star Otto Waalkes mit einem Werbespruch abgedruckt. Der Slogan kam jedoch nicht bei allen gut an. 

Edeka-Werbung erzürnt Bauern in Ibbenbüren und dem Kreis Steinfurt

Auf dem Plakat war neben dem Niedersachsen Otto Waalkes der Satz abgedruckt: "Essen hat einen Preis verdient: den niedrigsten." Viele Landwirte machte diese Werbung wütend: Der Nahrung, die sie produzieren, werde keine Wertschätzung entgegengebracht. Gleichzeitig kritisierten sie Dumpingpreise für Lebensmittel. Als Folge kam es in der Nacht zu Montag (26. Januar) zu Protesten vor einem Edeka-Lager in Ibbenbüren.

Organisiert wurden die Aktion von dem Landwirte-Netzwerk "Land schafft Verbindung", das unter anderem die große Bauern-Demo in Berlin organisierten, zu der auch Landwirte aus Münster angereist waren.

Ibbenbüren: Landwirte blockieren Edeka-Lager wegen Otto-Werbung

Etwa 20 Landwirte aus dem nördlichen Kreis Steinfurt zogen mit acht Traktoren vor das Zentrallager von Edeka in Ibbenbüren, wie die Polizei Steinfurt auf Nachfrage von msl24.de mitteilt. Etwa kurz nach Mitternacht begannen sie mit ihrer Blockade. Die Polizei wertete den Protest als "Spontan-Demonstration". 

Dort blockierten sie rund drei Stunden lang die Zufahrt des Edeka-Lagers in Ibbenbüren. Als der Zulieferungs-Verkehr jedoch stark zugenommen hatte, beendeten die Demonstranten gegen 3.10 Uhr freiwillig ihre Blockade, wie die Polizei Steinfurt weiter bestätigt. Es sei dabei zu keinen nennenswerten Störungen gekommen. Mit rund 200 Treckern stellten zur gleichen Zeit Landwirte in Niedersachsen das Edeka-Zentrallager in Neuenkruge im Ammerland zu, wie die dpa berichtet.

Proteste in Ibbenbüren und Niedersachsen: Edeka fühlt sich missverstanden

Auch Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner erfuhr von den Protesten in Ibbenbüren und Niedersachsen. In einem Statement sagte sie, dass sie Verständnis für die Wut der Landwirte habe: "Es ist wie David gegen Goliath, wenn Bauern mit dem Handel verhandeln", schrieb die CDU-Politikerin. Zudem sei die Niedrigpreis-Kultur der Supermärkte das Gegenteil von Nachhaltigkeit. Klöckner kündigte an, dies beim Treffen im Kanzleramt in Berlin am 3. Februar zu thematisieren.

Mittlerweile äußerte sich auch Edeka nach den Protesten in Ibbenbüren und Neuenkruge zu der Plakatwerbung mit Otto Waalkes. In einer Presseerklärung erklärte der Lebensmittelkonzern, die Werbung sei missverstanden worden. Die Supermarkt-Kette habe mit "Essen" nicht Lebensmittel gemeint, sondern die Gemeinde Essen bei Oldenburg. Die Plakate wurden trotzdem mittlerweile entfernt.

In den vergangenen Monaten kam es immer wieder zu Protesten von Landwirten wie am frühen Montagmorgen in Ibbenbüren. Im April 2019 sammelten sich zum Beispiel auf dem Domplatz in Münster rund 6000 Bauern zu einer Demo. Sie protestierten gegen strengere Düngeverordnungen durch die EU. Die Demos laufen jedoch nicht immer problemlos ab: Bei einer weiteren Bauern-Demo wurde nahe Warendorf ein Traktor von einem Zug erfasst. Die Zugführerin erlitt bei dem Unfall einen Schock.

Ein Bewohner der Stadt hat es nun ins Fernsehen geschafft: Bei der ProSieben-Sendung "Das Ding des Jahres" steht der Kandidat aus Ibbenbüren im Finale.

Rubriklistenbild: © Nord-West-Media TV/dpa

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