CDU-Gesundheitsminister

„Größte Impfkampagne unserer Geschichte“: Jens Spahn rechtfertigt Strategie

Mit dem Start der Corona-Impfkampagne in Deutschland begann auch die Kritik am Vorgehen von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Nun liefert er in einem langen Brief Antworten.

Berlin – Von allen Seiten schwappen Wellen der Kritik gegen das Gesundheitsministerium, wenn es um die Impfstrategie gegen das Coronavirus in Deutschland geht. Doch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der in Ahaus im Münsterland geboren wurde, verteidigt sein Vorgehen vehement und gibt sich Mühe, die Wellen abprallen zu lassen.

Besonders scharfe Kritik an der Impfstrategie kommt dabei von der Opposition. Die SPD-Politiker Kevin Kühnert und Olaf Scholz haben viele Fragen. Letzterer schickte nun eben diese in einem vierseitigen Katalog an das Gesundheitsministerium – die Reaktion darauf ließ nicht lange auf sich warten. Der sechsseitige Brief von CDU-Politiker Jens Spahn liegt tagesschau.de vor und liefert Antworten zu den wichtigsten Punkten der Coronavirus-Impfung. Kevin Kühnert befürchtete zuletzt ein „Schweigekartell“ zu den Versäumnissen der Bundesregierung und Jens Spahn.

NameJens Spahn
AmtGesundheitsminister
ParteiCDU
GerburtsortAhaus

Corona-Pandemie in Deutschland: Jens Spahn zur Impf-Strategie

In dem Schreiben an den Bundestag rechtfertigt Jens Spahn zuerst den europäischen Weg bei der Impfstoffbeschaffung, da es niemandem nützen würde, wenn einige Staaten umfangreich geimpft würden und andere weiterhin unter der Corona-Pandemie litten. Um die gerechte Verteilung zu gewährleisten, brauchen alle EU-Staaten Impfstoffe – auch wenn es dadurch in einigen Ländern kurzzeitig zu Engpässen kommt.

Darüber hinaus betont Jens Spahn, der laut Medienberichten auch als Bundeskanzler kandidieren könnte, dass Deutschland bereits im Frühjahr besonnen reagiert habe: „So hat Deutschland zum Beispiel in den Verhandlungen die Abnahme von bis zu 100 Millionen Impfdosen von Biontech/Pfizer garantiert, lange bevor klar war, wie wirksam dieser Impfstoff sein würde.“ Nur so sei der aktuelle EU-Vertrag mit den Herstellern zustande gekommen.

Trotz Kritik: Jens Spahn (CDU) verteidigt das Vorgehen bei der Impf-Strategie für Deutschland.

Wie ist der aktuelle Stand der Impfstoff-Lieferungen? jens Spahn antwortet

Laut Jens Spahn seien bis Ende Januar über vier Millionen Corona-Impfdosen von Biontech/Pfizer in Deutschland verfügbar. Bis Ende März seien es bereits etwa 10,1 Millionen. Da nun auch sechs anstatt der ursprünglich fünf Impfdosen aus einer Ampulle entnommen werden können, erhöhe sich die Anzahl weiter. Erst kürzlich sicherte Spahn auf einer Pressekonferenz in Berlin jedem ein Impfangebot bis zum Sommer zu (siehe Video oben).

Vom mittlerweile ebenfalls in der EU zugelassenen Impfstoff-Hersteller Moderna erwartet Deutschland bis Ende März noch einmal 1,8 Millionen Dosen, so Jens Spahn. Im ersten Quartal sollten somit alle Impfwilligen der ersten Priorisierungsgruppe die Möglichkeit der Corona-Impfung bekommen. Insgesamt habe sich Deutschland 140 Millionen Impfdosen gesichert. Zusätzlich rechnet Spahn mit weiteren Zulassungen anderer Stoffe. (Alle News zur Corona-Impfung im Newsticker.)

Jens Spahn: Organisation der Impfungen ist Ländersache

In vielen Bundesländern läuft der Impfstart alles andere als rund. An vielen Stellen lässt die Organisation zu wünschen übrig. Jens Spahn sieht sich in diesen Belangen jedoch nicht in der Verantwortung. Um die Finanzierung und Beschaffung der Corona-Impfstoffe kümmere sich der Bund, die Organisation läge jedoch bei den Bundesländern, dies schließe auch die Terminvergabe mit ein. Sollte es zu Überlastungen der Telefonleitungen kommen (Schwierigkeiten gab es zuletzt auch bei der 116117-Hotline), bot er Hilfe seitens des Bundes in Form von „Auffanglösungen an“.

Auch zur Kritik an der Geschwindigkeit der Corona-Impfungen in Deutschland rechtfertigte sich Jens Spahn. Bis zum 11. Januar seien bereits über eine halbe Million Menschen geimpft worden. Die Vorgänge der mobilen Teams in den Pflegeheimen seien jedoch aufwändiger und langsamer als die normale Impfung. Nach dem Durchgang werde es schneller gehen.

Jens Spahn ruft trotz Startschwierigkeiten zum gemeinsamen Handeln auf

Gegenüber den Abgeordneten des Bundestags, an die das sechsseitige Schreiben gerichtet ist, wirbt Jens Spahn um Geschlossenheit. Es gäbe berechtigte Hinweise auf verbesserungswürdige Abläufe im Impfverfahren. Doch die flächendeckende Immunisierung aller EU-Staaten, Bundesländer und Kommunen sei ein komplexer Prozess. Nur wenn alle Abgeordneten geschlossen zusammenarbeiten, würden „Bürgerinnen und Bürger diesen Weg gemeinsam mit uns gehen und sich in großer Zahl impfen lassen.“

Es geht um die größte Impfkampagne unserer Geschichte

Jens Spahn (CDU)

Das Vorgehen bei der Corona-Impfstrategie bringt dem Gesundheitsminister jedoch nicht nur Kritik der Opposition ein. Auch bei der Bevölkerung sinken die Beliebtheitswerte von Jens Spahn seit dem holprigen Impfstart in Deutschland.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

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