Gesundheitsminister warnt

„Zehn harte Wochen“: Jens Spahn dämpft Hoffnungen vor Impfgipfel

Die Bundesregierung und die Länderchefs treffen sich zu einem Impfgipfel. Doch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dämpft allzu hohe Erwartungen.

Berlin – Der Druck kam, wie so oft, vonseiten des Koalitionspartners SPD. Es müsse eine Zusammenkunft der Ministerpräsidenten der Länder und der Bundesregierung zur aktuell prekären Impfsituation geben. Regierungssprecher Steffen Seibert gab bekannt, dass man die Idee befürworte. Der Impfgipfel soll bereits am Montag (1. Februar) stattfinden. Teilnehmen sollen neben den Ministerpräsidenten und den verantwortlichen Bundesministern auch Vertreter der Impfstoffhersteller. Doch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dämpft die Erwartungen an das Treffen.

NameJens Spahn
Geboren16. Mai 1980 (Alter 40 Jahre), Ahaus
Größe1,92 Meter
EhepartnerDaniel Funke (verheiratet sei 2017)
ParteiChristlich Demokratische Union Deutschlands
AusbildungFernUniversität in Hagen Regionalzentrum Hagen (2003 bis 2017)

„Zehn harte Wochen“: Jens Spahn erwartet keine Wunder

Die mitunter undurchsichtige Impfsituation, überforderte Hotlines, zu wenig Impfstoff, Zoff mit Astrazeneca. In Sachen Impfstrategie in Deutschland gibt es Klärungsbedarf. Jens Spahn, der gebürtig aus Ahaus im Münsterland stammt, gab dem Druck nach und stimmte dem Impfgipfel zu. Gesprochen werden soll laut dem Gesundheitsminister über „die Lage, die Ziele, das weitere Vorgehen, auch damit Europa seinen fairen Anteil erhält.“

An dem digitalen Impfgipfel werden auch Vertreter der Impfstoffhersteller sowie der EU-Kommission teilnehmen. So soll unter anderem darüber beraten werden, wie die Kapazitäten zur Herstellung und Lieferung des Impfstoffs erhöht werden können. Doch Jens Spahn (CDU) warnt: Ein Gipfel löse noch nicht das Problem. Solch ein Treffen sorge noch nicht dafür, „dass etwas so Komplexes wie Impfstoffproduktion auf einmal binnen zwei Wochen zu Hunderten oder zig Millionen stattfindet. Das ist einfach die Wahrheit.“ In einem Tweet spricht der Bundesgesundheitsminister von mindestens noch zehn harten Wochen, die vor uns lägen:

Denn wir gehen bei der Knappheit des Impfstoffes noch durch mindestens zehn harte Wochen. Die sollten wir mit gemeinsamem Arbeiten in der Sache verbringen. Das dürfen die Bürger von uns in dieser schweren Zeit erwarten.

Jens Spahn auf Twitter

Jens Spahn unter Druck: Probleme bei Impfstoffmenge und Organisation

Starke Kritik an der Impfstrategie des Gesundheitsministeriums unter Jens Spahn, der sich vor einem Jahr noch relativ unbesorgt zu einer drohenden Corona-Pandemie äußerte, kam zuletzt von Generalsekretär Lars Klingbeil (SPD) und dem parlamentarischen Geschäftsführer der SPD, Carsten Schneider. Thema der Kritik war vor allem die nur sehr schleppend anlaufende Impfkampagne.

Jens Spahn, dem die aktuellen Probleme bei der Coronavirus-Impfung durchaus bewusst seien, sieht die Schwierigkeiten nicht nur beim mangelnden Impfstoff, sondern auch bei der Organisation der Impfungen, die jedoch den Bundesländern obliegt. Diese wurde auch in NRW bereits drastisch kritisiert und der Impftermin-Start als„Vollkatastrophe“ bezeichnet.

Jens Spahn (CDU,l), Bundesminister für Gesundheit, und Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie, Charité Berlin.

Ärger mit Astra Zeneca: Jens Spahn warnt vor zu frühen Zweifeln

Der Ärger mit dem Impfstoff-Hersteller Astrazeneca, in dem es unter anderem darum geht, dass der Hersteller die vereinbarte LMenge für die EU nicht ausliefern kann, erschwert die ohnehin angespannte Situation für Jens Spahn zusätzlich. Doch damit nicht genug: Wie die SZ berichtet, gilt es als wahrscheinlich, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) davon abraten wird, den Impfstoff bei Patienten über 64 Jahren einzusetzen. Grund seien fehlende Daten zur Wirksamkeit in der Altersgruppe 64+:

Zur Beurteilung der Impfeffektivität ab 65 Jahren liegen aktuell keine ausreichenden Daten vor.

Ständige Impfkommission zum Mittel von Astrazeneca

Die endgültige Entscheidung der Stiko wird am Freitag (29. Januar) erwartet. Dann nämlich berät die Europäische Medizin-Behörde (EMA) über die Zulassung des Astrazeneca-Impfstoffs in der EU. Jens Spahn warnt ausdrücklich davor, den Impfstoff des Herstellers voreilig zu verteufeln: Es gehe hier „nicht um schlechte Daten, sondern um weniger Daten.“ Außerdem sei ein Wirkstoff, sobald er für eine jeweilige Altersgruppe zugelassen werde, auch wirksam. Die Zweifel an der Wirksamkeit des Astrazeneca-Impfstoffs könnten nun jedoch zu einer Änderung des Impfplans in Deutschland führen.

Auch die Coronavirus-Mutationen bereiten den Experten Kopfzerbrechen. Virologe Christian Drosten hat in den ARD-“Tagesthemen“ eine Prognose zur aktuellen Corona-Lage in Deutschland abgegeben und vor Turbulenzen nach Ostern gewarnt.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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