Coronavirus

CDU-nahe Firma aus dem Münsterland verdient Millionen an Masken: Jens Spahn verteidigt sich

Das CDU-nahe Unternehmen Fiege aus dem Münsterland soll durch den Verkauf von Schutzmasken Millionen verdient haben. Das Ministerium von Jens Spahn verteidigte das umstrittene Vorgehen.

Berlin/Greven – Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) steht dieser Tage im Kreuzfeuer der Kritik: So wurde jüngst der Maskendeal des Unternehmens kritisiert, bei dem der Ehemann von Jens Spahn arbeitet. Wie die „Zeit“ nun berichtet, soll ein anderes Unternehmen, dem der gebürtige Ahauser nahe stehen soll, am Geschäft mit den Corona-Masken ein Vermögen verdient haben.

Es geht um die Firma Fiege aus Greven im Münsterland – unweit des Geburtsorts von Jens Spahn im Kreis Brken. Das Unternehmen soll durch den Verkauf von Corona-Schutzmasken 34 Millionen Euro verdient haben, wie aus einem Schreiben des Ministeriums an den Gesundheits- sowie den Haushaltsausschuss des Bundestages hervorgeht. 249 Millionen FFP2-Masken sowie 315 Millionen OP-Masken sollen über den Tisch gegangen sein. Diese hat Fiege aus China eingeliefert und in Deutschland gelagert.

PersonJens Spahn
AmtGesundheitsminister
GeburtsortAhaus (Kreis Borken)

Unternehmen Fiege aus Greven bekam Zuschlag: Jens Spahn verteidigt Deal

859 Millionen Euro soll das Bundesgesundheitsministerium von Jens Spahn an das Unternehmen aus dem Münsterland für die Schutzmasken gezahlt haben. Vor Steuern und Gemeinkosten sei ein Rohertrag von 3,955 Prozent verbucht worden, heißt es Seitens des Ministeriums, das sich nun für den Maskendeal mit Fiege aus dem Kreis Steinfurt, dessen Seniorchef Dr. Hugo Fiege 2019 ins Präsidium des Wirtschaftsrates der CDU gewählt wurde, gerechtfertigt hat.

„Viele öffentliche Vergaben zu Beginn der Pandemie wurden aufgrund von Dringlichkeit im Wege von Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb vergeben“, erklärt das Bundesgesundheitsministerium von Jens Spahn auf die Frage, wieso der Auftrag an das Grevener Unternehmen ohne Ausschreibung erfolgte. Das Vorgehen sei zudem von der EU-Kommission anerkannt worden, heißt es gegenüber der „Zeit“.

Jens Spahn ist dem Hauptstandort von Fiege verbunden

Das Logistikunternehmen habe schon vor Beginn der Coronavirus-Pandemie ein „speziell auf kritische Konsumgüter zugeschnittenes Logistikkonzept“, präsentiert. Die Erfahrung von Fiege in Sachen Lagerung medizinischer Artikel sei ebenfalls ein Grund gewesen, den Deal mit dem Unternehmen aus dem Münsterland einzugehen, teilt Jens Spahns Ministerium mit. Der 40-Jährige hatte im vergangenen Jahr nach der Vergabe an Fiege betont, dass auch andere Unternehmen wie DHL und die Deutsche Bahn in Betracht gezogen worden waren.

Der Minister entschied sich jedoch für das Unternehmen mit Sitz in Greven, in dem der CDU-Bezirksverband Münsterland liegt. Dort ist Jens Spahn Vize-Vorstandsvorsitzender. Vorstandschef ist Karl Josef Laumann, seines Zeichens ebenfalls Unionspolitiker und NRW Gesundheitsminister. Branchenexperten bezweifeln, dass die Lagerung der Masken nicht auch hätte bei Unternehmen wie DHL oder DB funktioniert hätte. In mehreren Oppositionsparteien wird mittlerweile der Rücktritt von Jens Spahn gefordert.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld / dpa

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