Bund-Länder-Treffen

Nach heftiger Kritik: Spontaner Corona-Gipfel zwischen Merkel und Ministerpräsidenten

Bei der neusten Ministerpräsidenten-Konferenz wurde nicht nur der Lockdown verlängert. Über die Osterfeiertage gelten verschärfte Maßnahmen und ein Ansammlungsverbot.

+++ Newsticker zum Corona-Gipfel aktualisieren +++

Update: 24. März, 11.38 Uhr. Laut Medienberichten kommt nun doch alles anders als geplant: Angeblich hat die Kanzlerin die beschlossene Oster-Ruhe nun zurückgenommen. Die Maßnahme sei ein „Fehler“ gewesen. Alle aktuellen Entwicklungen finden Sie in unserem Newsticker zum neuen Coronagipfel zur Oster-Ruhe mit Angela Merkel.

Update: 24. März, 10.20 Uhr. Nachdem Bund und Länder beim Corona-Gipfel am Montag neue Maßnahmen für Ostern und die kommenden Wochen beschlossen hatten, hagelte es von vielen Seiten teils heftige Kritik. Nicht nur Wirtschaftsverbände waren mit den Beschlüssen unzufrieden, sondern auch viele Politiker. Vor allem in der CDU übten Minister Kritik an der Lockdown-Verlängerung. Auch der möglicherweise arbeitsfreie Gründonnerstag sorgte für Unsicherheit bei Arbeitnehmern und -gebern. Nun kommt es wohl zu einem neuen, spontanen Corona-Gipfel am heutigen Mittwoch.

Einem Bericht der Deutschen Presseagentur (dpa) zufolge werde sich Kanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder bei einer Videoschalte um 11 Uhr erneut beraten. Dabei werde es um den Umgang mit der anhaltenden und drastischen Kritik an den Beschlüssen gehen. Wir berichten weiter.

Corona-Gipfel: Lockdown verlängert – schärfere Maßnahmen an Ostern

Update: 23. März, 8.05 Uhr. Erst um kurz vor 3 Uhr morgens traten Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Bayerns Ministerpräsident Söder (CSU) und Berlins erster Bürgermeister Michael Müller (SPD) vor die Kameras. Nachdem bei der letzten MinisterpräsidentInnen-Konferenz Lockerungen beschlossen worden waren, mussten diese nun angesichts der steigenden Infektionszahlen zurückgenommen werden. Der Lockdown wurde vorerst bis zum 18. April verlängert.

Damit greift die sogenannte Notbremse, die in Landkreisen mit einer Inzidenz über 100 nun konsequent umgesetzt werden soll. Auch spätere Öffnungen bei sinkender Inzidenz werden derzeit ausgeschlossen, solange sich die Infektionszahlen im exponentiellen Wachstum befinden. Gleichzeitig wurden weitere Verschärfungen beschlossen, wie Merkel erläuterte. In Landkreisen mit einer Inzidenz über 100 sollen weitere Maßnahmen ergriffen werden, zum Beispiel Ausgangsbeschränkungen oder verschärfte Kontaktbeschränkungen. In NRW wird nun auch die Coronavirus-Notbremse gezogen, wie Landes-Chef Armin Laschet bereits ankündigte.

Zudem werden an den Oster-Feiertagen verschärfte Regeln gelten. Familienbesuche durch gelockerte Kontaktbeschränkungen werden nicht ermöglicht – an den Feiertagen sind nur Treffen von maximal fünf Personen aus maximal zwei Haushalten gestattet. Kinder unter 14 Jahren werden dabei nicht mitgezählt. Zusätzlich werden der 1. und 3. April als „Ruhetage“ definiert, der Zeitraum vom 1. bis 5. April wird zur „Erweiterten Ruhezeit zu Ostern“ erklärt. In dieser Zeit gilt ein generelles Ansammlungsverbot, außerdem darf nur der Lebensmittelhandel „im engeren Sinne“ öffnen – allerdings nur am Samstag, Donnerstag bleiben auch die Supermärkte geschlossen. Tankstellen sollen aber weiterhin geöffnet bleiben. Es gelte eine Regelung wie an Sonn- und Feiertagen. Religionsgemeinschaften werden Ostermessen zwar nicht untersagt, diese sollen aber möglichst nur virtuell stattfinden.

Nach Ostern setzen Bund und Länder verstärkt auf Corona-Tests. In Schulen und Kitas sollen zweimal pro Wochen Schnelltests erfolgen, so das definierte Ziel der MinisterpräsidentInnen-Konferenz. Zu konkreten Bedingungen für die Offenhaltung oder Schließungen für Schulen und Kitas gab es keine Beschlüsse, dies wird wohl Ländersache bleiben. Landkreise dürfen mit Teststrategien in „zeitlich befristeten Modellprojekten“ Öffnungen durchführen, wie jüngst in der Philharmonie in Berlin geschehen.

Angela Merkel verkündet die Pläne zur Verlängerung des Lockdowns.

Bund und Länder fordern zudem die Unternehmen auf, vermehrt auf Tests für ihre Angestellten zu setzen – ein bis zwei Tests die Woche sollten angeboten werden, sollte das Arbeiten aus dem Homeoffice nicht möglich sein. Diese Maßnahme beruht jedoch auf Freiwilligkeit der Unternehmen. „Anfang April werden die Wirtschaftsverbände einen ersten Umsetzungsbericht vorlegen, wie viele Unternehmen sich beteiligen“, heißt es dazu im Beschlusspapier von Bund und Ländern. Auf Grundlage des Berichts könnten dann Änderungen in der Arbeitsschutzverordnung folgen. Unternehmen, die besonders schwer von der Corona-Pandemie getroffen wurden, sollen zudem weitere Hilfen bekommen. Wie diese genau aussehen werden, ist noch nicht bekannt.

Auch für Urlauber dürfte sich nun bald etwas ändern: Bund und Länder werden „eine generelle Testpflicht vor Abflug zur Einreisevoraussetzung bei Flügen nach Deutschland“ für Passagiere und die Flugzeug-Crew einführen. Zudem wird dazu aufgerufen, möglichst auf Reisen zu verzichten: „Das Auftreten von verschiedenen Covid-19-Varianten und deren weltweite Verbreitung haben gezeigt, dass der grenzüberschreitende Reiseverkehr auch weiterhin auf das absolut erforderliche Mindestmaß begrenzt werden muss.“ Flugreisen sollen während der Osterferien nicht ausgeweitet werden. Die nächste MinisterpräsidentInnen-Konferenz findet am 12. April statt.

Die Regelungen für touristische Reisen bleiben also vorerst weiter bestehen – somit wäre dies das Aus für den Osterurlaub in Deutschland. Jedoch folgt nach dem Corona-Gipfel die Beschäftigung der Länderparlamente mit den beschlossenen Maßnahmen. Es bleibt also abzuwarten, ob nicht vielleicht die Küstenländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern den Einwohnern im eigenen Bundesland kontaktfreien Urlaub ermöglichen werden. NRW-Chef Armin Laschet (CDU) hatte sich bereits dagegen ausgesprochen. Bei msl24.de finden Sie eine ausführliche Übersicht über die Corona-Regeln von Bund und Ländern.

Entscheidung beim Corona-Gipfel: Familientreffen an Ostern wohl untersagt

Update: 22. März, 19.28 Uhr. Nach dem Beschluss, den bestehenden Lockdown bis mindestens zum 18. April zu verlängern, hat es beim Corona-Gipfel mit Angela Merkel und den Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen wohl eine weitere Entscheidung gegeben. So bleiben die strengen Kontaktbeschränkungen wohl auch an Ostern bestehen – eine Lockerung wird es nicht geben. Dies melden mehrere Agenturen und berufen sich auf Teilnehmerkreise des Bund-Länder-Treffens.

Das Thema Ostern war im Vorfeld des Corona-Gipfels in zweierlei Hinsicht zum Streitthema geworden: Einerseits ging es um größere Treffen im familiären Kreis, die nun wohl untersagt bleiben, andererseits erhitzt das Thema Urlaub die Gemüter. Ob und in welchem Maße Reisen zum Fest erlaubt sein werden, steht noch offen.

Corona-Gipfel zieht sich wohl erneut hin

Update: 22. März, 18.36 Uhr. Erneut deutet sich ein langer Abend für die Vertreter von Bund und Ländern an: Wie die „Bild“ berichtet, bat Kanzlerin Angela Merkel um eine Unterbrechung des Corona-Gipfels. Ihr seien die laufenden Verhandlungen wohl zu lasch, heißt es. Besonders das Thema Oster-Urlaub sorgt in der Konferenz wohl für hitzige Debatten. Zudem scheint es noch unsicher zu sein, ob nicht doch noch einmal über die Ausgangssperre diskutiert wird. Diese sollen ursprünglich kurz vor dem Gipfel wieder vom Tisch gewesen sein. Wir berichten weiter.

Update: 22. März, 16.52 Uhr. Bereits früh haben sich die Stellvertreter von Bund und Länder beim Corona-Gipfel darauf geeinigt: Der Lockdown wird bis zum 18. April verlängert. In dieser Frage konnte ein Konsens schnell erzielt werden. Viel Diskussionsbedarf wird hingegen beim Thema Urlaub an Ostern erwartet – dort gibt es vor allem bei einigen Ministerpräsidenten unterschiedliche Ansätze.

Corona-Gipfel: Ausgangssperre wohl vom Tisch

Update: 22. März, 16.15 Uhr. Angela Merkel ging in den, etwas verspätet gestarteten, Corona-Gipfel mit der Forderung nach einer Ausgangssperre für Kreise mit einer Inzidenz von über 100. Doch noch vor dem Auftakt des Bund-Länder-Treffens scheint das Vorhaben der Kanzlerin gekippt.

Nach Informationen von „Business Insider“ sei in einer letzten Besprechung vor dem Corona-Gipfel beschlossen worden, dass die geplanten Ausgangssperren vom Tisch seien. Gegen die Pläne der Kanzlerin hatten sich zuvor bereits SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz sowie Generalsekretär Lars Klingbeil ausgesprochen.

Vor Corona-Gipfel: Gericht kippt Regeln für Einzelhandel in NRW

Update: 22. März, 14.30 Uhr. Wenige Stunden vor dem mit Spannung erwarteten Corona-Gipfel hat es bereits eine weitreichende Entscheidung gegeben – doch die kam nicht aus der Politik. Das OVG in Münster hat die Corona-Beschränkungen für den Einzelhandeln in NRW aufgehoben. Geschäfte dürfen im bevölkerungsreichsten Bundesland wieder öffnen, ohne auf die Anzahl ihrer Kunden zu achten, auch das eingeführte Prinzip von „Click and Meet“ ist somit hinällig.

Das Gericht begründete die Entscheidung damit, dass die bislang geltenden Regeln gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz verstoßen hatten. Lediglich Schreibwarengeschäfte, Buchläden und Gartenmärkte durften ihre Geschäfte ohne Beschränkungen öffnen. Das Urteil des OVG Münster ist unanfechtbar.

Beim Corona-Gipfel wird auch über eine mögliche Ausgangssperre verhandelt, die ab einer regionalen Inzidenz von 100 greifen soll. Da die 7-Tage-Inzidenz in der Stadt Münster momentan bei 84 liegt, drohen die Beschränkungen auch in der Fahrradstadt.

Corona-Gipfel: Lockdown wird wohl verlängert

Update: 22. März, 7.24 Uhr. Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigen in Deutschland weiter an. Am Sonntag (21. März) meldet das RKI 13.733 neue Fälle. Das sind 2943 mehr als eine Woche zuvor. Am Montag kommen weitere 7709 Infektionsmeldungen dazu, 1105 mehr als am vergangenen Montag. Die 7-Tages-Inzidenz in Deutschland liegt bei 107,3.

Die 100er Inzidenz wurde laut RKI bereits am Samstag erreicht. Nach des zuletzt gefassten Beschlusses von Bund und Ländern müsste nun bald die sogenannte Notbremse folgen. Laut einer angeblichen Beschlussvorlage des Bundes, das in den Medien kursiert, fordert Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Verlängerung des Lockdowns bis zum 18. April, also weit über Ostern hinaus. Zudem seien Ausgangssperren im Gespräch.

Laut der Beschlussvorlage, die merkur.de* vorliegt, fordert offenbar der Bund, dass die Notbremse nun „konsequent umgesetzt“ werde. Als Vorschlag stehen offenbar nächtliche Ausgangssperren im Raum „sofern dem nicht gewichtige Gründe entgegenstehen“. Diese sollen in Landkreisen eingesetzt werden, wenn dort die Inzidenz über 100 steigt. Somit wäre derzeit etwa die Hälfte aller Landkreise in Deutschland von dieser möglichen Regelung betroffen. Schulen sollen laut Beschlussvorlage bis zu einer Inzidenz von 200 nur öffnen dürfen, wenn sowohl Lehrer als auch Schüler zweimal die Woche auf das Coronavirus getestet werden. Liegt die Inzidenz über 200, müssen Schulen und auch Kitas schließen.

Auch das Thema Urlaub über Ostern findet sich in dem Beschlusspapier des Bundes: So laute der Appell an die Bevölkerung zwar weiterhin, möglichst auf touristische Reisen zu verzichten. Doch offenbar soll der Weg freigemacht werden für „kontaktarmes Reisen“, das in eckigen Klammern notiert ist. Für Auslandsreisen könnte es jedoch zu einer Verschärfung der Regelungen kommen (als „unter Prüfvorbehalt“ notiert): „Reisen, insbesondere Urlaubsreisen ins Ausland müssen daher unabhängig von Inzidenzen im Zielland mit einer epidemiologisch gebotenen Quarantäne und einer Testpflicht vor Rückreise und bei Einreise in die Bundesrepublik Deutschland verbunden sein.“

Manuela Schwesig (SPD) und Reiner Haseloff (CDU), Länderchefs von Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, sprachen sich bereits für die Möglichkeit von Urlaub im eigenen Bundesland aus. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte dagegen der Hoffnung auf Osterurlaub bereits einen Dämpfer verpasst.

Die Corona-WarnApp ist in dem Papier ebenfalls Thema: Diese soll um die Funktion „einer anonymen Eventregistrierung zur Berücksichtigung von Infektionsclustern“ erweitert werden. So würden die Teilnehmer von beispielsweise Konzerten direkt über die Infektion anderer Teilnehmer anonym informiert. Ob die geforderten Maßnahmen nun wirklich umgesetzt werden, ist noch völlig offen. Am Montag beraten die Kanzlerin und die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder beim neusten Corona-Gipfel über das weitere Vorgehen in der Pandemie.

Corona-Zahlen steigen immer weiter – Lockdown bis Ostern verlängert?

Update: 19. März, 7.08 Uhr. In Deutschland sind die Corona-Zahlen auch am Freitag noch einmal deutlich gestiegen. In den vergangenen 24 Stunden sind dem Robert Koch-Institut 17.482 neue positive Fälle übermittelt worden. Im Vergleich zur vergangenen Woche bedeutet dies ein Anstieg von etwa 36 Prozent. Die 7-Tage-Inzidenz erreichte damit einen Wert, der bereits knapp unter 100 liegt (95,6). Die kritische Marke wird wahrscheinlich am kommenden Wochenende überschritten.

Am Donnerstag (18. März) war es beim RKI zu einer Datenpanne gekommen. Die Fallzahlen wurden erst einige Stunden später veröffentlicht. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen lag bei 17.540. Allerdings fehlen in dieser Statistik die Daten aus Hamburg. Damit dürfte der gemeldete Wert noch etwas höher liegen. Nichtsdestotrotz wurde auch hier ein starker Anstieg von rund 22 Prozent registriert. Das Wachstum betrug zuletzt im Wochendurchschnitt sogar 32 Prozent. (Inzidenzwert am Donnerstag: 90,4.) Wegen des Infektionsgeschen, hat ein Kreis in NRW nun sämtliche Schulen wieder geschlossen und die Notbremse gezogen.

LandDeutschland
Einwohner83,02 Millionen (2019)
HauptstadtBerlin

Update: 18. März, 7.26 Uhr. Am Donnerstag steigen die Corona-Zahlen in Deutschland weiter. Im Vergleich zur Vorwoche soll es laut dem Pandemie-Projekt Risklayer rund 30 Prozent mehr positive Fälle geben. Das RKI hat am Donnerstagmorgen bisher noch keine neuen Zahlen veröffentlicht. Zuletzt näherte sich die Bundesrepublik jedoch der kritischen 7-Tage-Inzidenz von 100. Ab diesem Wert soll die „Notbremse“ in Kraft treten und sämtliche Lockerungen müssten dann zurückgenommen werden.

Deutschland droht ein erneuter harter Lockdown. Die Gespräche zwischen Bund und Länder laufen auf Hochtouren. „Es funktioniert nicht“, äußerte sich Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) zu dem jüngst beschlossenen Öffnungsschritten. Der CDU-Politiker sieht den Fünf-Stufen-Plan für Corona-Lockerungen als gescheitert an. Man bewege sich derzeit auf einem sehr dünnen Eis und könne bei jedem Schritt einbrechen. Dies sei bislang aber noch nicht passiert, da man sich noch weit genug am Rand befinde. Dennoch sieht Kretschmann dringenden Handlungsbedarf.

Im Verlauf des Tages wird die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) ihre Ergebnisse zum Impfstoff von Astrazeneca veröffentlichen. Als möglich gilt, dass die EMA die Impfung mit dem umstrittenen Wirkstoff weiterempfehlen wird, dafür aber Auflagen fordert und ein gesonderter Warnhinweis im Beipackzettel auftaucht. Der Bundesgesundheitsminister war wegen der Impf-Aussetzung stark kritisiert worden. Am Mittwochabend (17. März) erhielt er nun aber Rückendeckung. Bei „maischberger. die woche“ (ARD) nahm Partei-Chef Laschet Jens Spahn in Schutz und sagte: „Der Gesundheitsminister hat den schwersten Job überhaupt.“

Lockdown-Verlängerung: Vorentscheidung um weitere Öffnungsschritte schon gefallen?

Update: 17. März, 11.03 Uhr. Immer mehr Ministerpräsidenten sprechen sich angesichts der steigenden Corona-Zahlen in Deutschland gegen die geplanten Lockerungen am Montag (22. März) aus. Winfried Kretschmann von den Grünen, der weiterhin das Amt des Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg innehat, äußerte sich in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ zu den aktuellen Entwicklungen. Eine Verlängerung des Lockdown kam dabei indirekt zur Sprache:

„Natürlich jetzt bei der Situation werde ich mir gut überlegen, ob ich am Montag weitere Öffnungen mache“, so Kretschmann. Auch in Berlin wird über den Lockdown diskutiert. Weitere Lockerungen, wie beispielsweise die Öffnung der Außengastronomie ist aber offenbar auch hier vorerst kein Thema. Des Weiteren bleiben die Schulen in den Jahrgangsstufen sieben bis neun wohl geschlossen. Auch Brandenburg nimmt Abstand von weiteren Öffnungsschritte.

Lockdown: Entscheidung über Verlängerung – Corona-Zahlen in Deutschland steigen stark

Erstmeldung: 17. März. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab am Mittwochmorgen (17. März) die aktuellen Corona-Zahlen für Deutschland bekannt. Der Institution wurden innerhalb eines Tages 13.435 Neuinfektionen gemeldet. Vor einer Woche waren es noch rund 50 Prozent weniger. Parallel dazu stieg die 7-Tage-Inzidenz auf 86,2, nach dem die Corona-Regeln zuletzt etwas gelockert wurden. Von der angestrebten 50 ist man derzeit weit entfernt.

Zuletzt verzeichnete das RKI einen so hohen Anstieg der Fallzahlen Anfang Januar. Es wächst die Sorge, dass sich das Coronavirus in Deutschland wieder exponentiell ausbreitet. Immer mehr Städte und Kreise überschreiten inzwischen sogar wieder eine Inzidenz von 100. Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder müssen über einer Verlängerung des Lockdowns entscheiden.

Spahn stoppt Impfungen mit Astrazeneca – Lockdown-Verlängerung wahrscheinlich

Für die Beratung können sich Bund und Länder nun noch etwas mehr Zeit nehmen, denn der Corona-Gipfel am Mittwoch (17. März) wurde verschoben, wie ein Regierungssprecher am Dienstagvormittag (16. März) mitteilte. Der außerplanmäßige Stopp bei der Corona-Schutzimpfung wurde als Grund genannt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ließ die Impfung mit dem Wirkstoff von Astrazeneca in Deutschland stoppen, nachdem in einzelnen Fällen starke Nebenwirkungen aufgetreten waren.

Das Vakzin gegen das Coronavirus wird mit Blutgerinnseln und einer Thrombose in den Hirnvenen in Verbindung gebracht. Ein Zusammenhang zwischen dem Astrazeneca-Impfstoff und den Begleiterscheinungen wird noch geprüft, sagte Jens Spahn (40). Der Impffahrplan in Deutschland verzögert sich dadurch. In Bielefeld müssen wegen des Impfstopps einige Corona-Impftermine verschoben werden*, berichtet owl24.de. Eine Verlängerung des Lockdowns wird wegen dieser Umstände immer wahrscheinlicher.

Coronavirus: Lockdown in Deutschland vor Verlängerung? Geplante Lockerungen vor dem Aus

Von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) wird am Donnerstag (18. März) eine Empfehlung zur Sicherheit des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca erwartet. Vor dem Corona-Gipfel, der voraussichtlich am Montag (22. März) stattfindet, haben Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder offenbar schon eine dringliche Entscheidung getroffen. Angesichts der aktuellen Corona-Lage in Deutschland dürfte der Lockdown verlängert werden* und auch die geplanten Öffnungsschritte könnten verschoben werden.

Die Bundesregierung hatte den Menschen in Deutschland ab dem 22. März weitreichende Lockerungen in Aussicht gestellt, wenn das Infektionsgeschehen diese zuließe. Ab einer stabilen Inzidenz unter 50 sollten beispielsweise Außengastronomie, Opern und Kinos wieder öffnen dürfen. Auch Kontaktsport im Freien sei möglich. Im nächsten Schritt hätten dann Fitnessstudios in NRW ihren Betrieb wieder aufnehmen sollen. Doch danach sieht es aktuell nicht mehr aus. Stattdessen droht die Lockdown-Verlängerung.

In der Grafik sind die geplanten Lockerungen der Bundesregierung enthalten.

Coronavirus in Deutschland: NRW-Ministerpräsident Laschet stellt deutliche Forderung

Der Astrazeneca-Impfstopp habe die Planungen durcheinander geworfen, räumte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Dienstagabend (16. März) in einem ARD-“Extra“ ein. Der frisch gebackene CDU-Vorsitzende möchte nach eigenen Angaben so schnell wie irgendwie möglich von der „Impfbürokratie“ herunterzukommen. Die Überprüfung des Vakzins verteidigte er jedoch. Wenn es Warnungen der Wissenschaft gebe, sollte die Politik Ratschläge übernehmen, so Laschet. Von den Politikern aus den Oppositionsparteien hagelte es hingegen viel Kritik.

„Die Leistungen von Herrn Spahn als Gesundheitsminister kann man nur mit einer Fünf oder Sechs bewerten. Spahn ist seiner Aufgabe nicht gewachsen“, sagte FDP-Vize Wolfgang Kubicki dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) und legte Merkel dessen Entlassung nahe. Während die Politiker über das weitere Vorgehen in der Pandemie beraten, nehmen die positiven Corona-Fälle in Deutschland* weiter zu, berichtet wa.de*. Da die Zahlen das Infektionsgeschehen von vor einigen Tagen abbildeten, würde selbst ein umgehender harter Lockdown erstmal keine Veränderung bringen. (*owl24.de, merkur.de und wa.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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