Die Umwelt-Kolumne

Stoppt den Verpackungswahn! Tipps für Geschenke in der Weihnachtszeit

+
Buntes Papier und schöne Schleifen: Geschenkverpackungen sehen toll aus, sorgen aber für viel Müll. 

Müll im Ozean, Müll im Darm, Müll unter dem Weihnachtsbaum: Mit diesen sechs Tipps können Sie dem Verpackungswahn der Weihnachtszeit den Kampf ansagen. Ein Kommentar von Lisa Fraszewski. 

Münsterland – Am Ende des Tages sind Altpapier und Gelber Sack genauso voll wie der Magen: Am Heiligen Abend wird mit den Geschenken auch jede Menge Verpackungsmüll ausgetauscht. Unmengen an buntem Papier, durchsichtiger Folie, kleinen Schleifen und Bändern, Tüten, Kisten und Boxen wandern von ihrem Platz unter dem Weihnachtsbaum direkt in die Tonne.

Das ist schlecht für die Umwelt, die Tiere, den Menschen – und noch dazu völlig unnötig. Natürlich sehen die schön verpackten Geschenke unter dem schön geschmückten Weihnachtsbaum einfach schön aus. Aber angesichts übermüllter Ozeane und Mikroplastik im Verdauungstrakt sollten wir uns fragen: Ist es das wert? 

Um die Welt ein kleines Stück zu verändern, muss jeder Einzelne von uns eine neuen Weg gehen. Das fordert ein mühseliges Umdenken, das Adaptieren neuer Verhaltensmuster und schließlich die lästige Auseinandersetzung mit Familienmitgliedern und Mitmenschen, die jede Form das "Anders-Denkens" kategorisch verspötteln. 

Mit diesen sechs Tipps zur Vermeidung des Verpackungswahns in der Adventszeit und dem Heiligen Abend wird der Weg hoffentlich ein bisschen weniger anstrengend – und die Weihnachtszeit scheint doch der richtige Zeitpunkt, um Gutes zu tun. 

Buntes Papier und schöne Schleifen: Geschenkverpackungen sehen toll aus, sorgen aber für viel Müll. 

Tipp #1: Aufbrauchen, was da ist

Sie müssen nicht gleich radikal umsteigen und alles wegschmeißen, wenn Sie dem Verpackungsmüll den Kampf ansagen wollen. Denn damit landet es ja auch nur im Müll. Verschaffen Sie sich also erstmal einen Überblick, was Sie an Geschenkpapierrollen, Schleifen und Bänder noch im Haus haben. 

Brauchen Sie Ihren Vorrat möglichst sinnvoll auf. Überlegen Sie sich beispielsweise schon vorher, wie viel Papier dieses Geschenk wirklich braucht – denn eine Umwicklung reicht meistens. So können Sie in diesem Jahr vielleicht die Hälfte ihrer Geschenke noch auf die alte und die andere Hälfte nach der verpackungsärmeren Methode schmücken. 

Tipp #2: Zeitungen und Magazine statt Geschenkpapier

Zugegeben: Das weiße Geschenkpapier mit den goldenen Sternen und der bunten Aufschrift, dazu die rote Schleife und die kleine Karte – das sieht super aus! Und das sollen wir jetzt durch braun-gelbe Zeitungen mit schwarzer Tinte ersetzen? Ja, sollten wir. 

Die Alternative zum Geschenkpapier: alte Zeitungen.

Denn Zeitungen sind ein Wegwerfprodukt wie Geschenkpapier: einmal genutzt und ab in den Müll! So bekommen die Nachrichten von gestern wenigstens noch einen zweiten Sinn. Eine Alternative sind alte Magazine: Die bestehen aus hochwertigem Papier und sind meist schön bunt. 

Aber auch Menschen, die keine Zeitungsabo haben oder es nur digital lesen, können mitmachen: Nutzen Sie Gratiszeitungen oder alte Ausgaben, die schon in der Papiertonne gelandet sind. Fragen Sie zur Not einfach den netten Nachbarn, der täglich die Zeitung bekommt, ob er ihnen eine abgibt. 

Tipp #3: Verpackungsstationen nutzen

Viele Großkonzerne – beispielsweise DM und Karstadt – haben in ihren Kaufhäusern und Läden kleine Verpackungsstationen eingerichtet, auf die jeder Kunde kostenlos zugreifen kann. Dort gibt es Geschenkpapier, Schleifen, Scheren und Klebeband. 

Damit sparen Sie natürlich keine Verpackung, sondern schonen nur den Geldbeutel. Aber wenn ein Geschenk wirklich "altmodisch" einpackt werden muss – beispielsweise für die Großmutter – dann bedienen Sie sich lieber dort als gleich eine ganze Rolle an Geschenkpapier zu kaufen. 

Tipp #4: Kreativ werden

Es gibt viele Möglichkeiten, um die klassischen Verpackungmaterialien zu umgehen und den Geschenken damit auch eine persönliche Note zu geben. Sie könnten beispielsweise Pizzaflyer als Geschenkpapier nutzen, oder alte Schuhkartons und Pakete – und diese bemalten. Wenn Sie Kinder im Haus haben, freuen auch die sich über solche Aufgaben. 

Für manche Situationen lässt sich die "altmodische" Verpackungsvariante aber nicht vermeiden, beispielsweise unter Kollegen oder der Schwiegermutter. Idee: Setzen Sie sich mit Freunden oder Nachbarn zusammen und nutzen die gleiche Rolle für alle Geschenke. Machen Sie sich vorher immer einen Plan, wie viel Geschenkpapier Sie wirklich brauchen und nutzen Sie dann wirklich nur so viel. 

Übrigens: Auch Klebefilm lässt sich einsparen und das Geschenk sogar noch schneller einpacken.

Tipp #5: Geschenkpapier und Schleifen aufbewahren 

Sie können sich auf den Kopf stellen und den Mund fusselig reden: An Weihnachten werden Verwandte, Freunde und Kollegen Ihnen trotzdem Geschenke in aufwendiger Verpackung zukommen lassen – weil sie es gut meinen. Das können Sie nutzen: Heben Sie das Geschenkpapier, die Schleifen und Boxen auf (in der DDR wurden sie sogar gebügelt). Die können Sie dann im nächsten Jahr bedenkenlos weiter verschenken.

Tipp #6: Zeit statt Zeug 

Der beste Tipp aber ist dieser: Denken Sie gut darüber nach, was Sie verschenken und geschenkt bekommen wollen. Wenn Sie anderen eine Freude machen möchten, dann schenken Sie lieber Zeit – statt Zeug. Organisieren Sie einen Ausflug, einen Theaterabend, einen Restaurantbesuch und schreiben Sie dem Empfänger einen herzlichen Brief mit der Einladung. 

Das fordert kaum Verpackung und fördert schöne Momente. Sollten Sie der Person nicht so nahe stehen, dass Sie ihn gut kennen oder eine gemeinsame Unternehmung für Freude sorgt, dann verschenken Sie Geld. Damit kann jeder selbst entscheiden, was er sich gönnen möchte.

Auch Sie selbst können überlegen, worüber Sie sich freuen würden: Fordern Sie doch Freunde und Verwandte auf, Ihnen Zeit zu schenken und eine Unternehmung zu planen. Denn wenn Sie Ihre Wunschliste überprüfen, werden Sie vielleicht bei einigen Sachen merken, dass Sie die gar nicht wirklich brauchen. 

Für das Jahr 2018 hat die AWM ihre Zahlen vorgelegt: Demnach wurden in Münster pro Kopf 421 Kilo Müll produziert – ein neuer Tiefstwert. Übrigens hat die Autorin dieses Artikel nun eine wöchentliche Kolumne zum Klimawandel. Der erste Text: Seid ruhig genervt – aber hört auf, diesen Planeten zu ruinieren. Alle weiteren Texte der "Klima-Kolumne" gibt's in der Übersicht

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare