Dreharbeiten

4 Frauen, 4 Morde: Geschichte des Münsterlandmörders wird verfilmt

In den 70er Jahren wurden vier Frauen im Münsterland ermordet. Der Täter konnte nie gefasst werden. Jetzt wird der Fall zum Münsterlandmörder verfilmt. Wir sprachen mit dem Regisseur.

Münsterland – Mord verjährt nie – auch nicht nach einem halben Jahrhundert. Zwischen 1971 und 1974 wurden in der Region vier junge Frauen vermutlich von einem Täter ermordet. Der Unbekannte, der bislang noch nicht gefasst werden konnte, wurde damals der „Münsterlandmörder“ getauft. Seine Geschichte soll bald in die Kinos kommen.

Verantwortlich dafür zeichnet sich Detlef Muckel – Regisseur aus dem Münsterland. Er verfilmt den Fall, der Ermittler auch 50 Jahre danach noch immer beschäftigt. „Als ich gemerkt habe, wie wenig diese Geschichte bekannt ist, habe ich mich dazu entschlossen, darüber einen Film zu machen. Alleine schon, um den Opfern ein würdiges Denkmal zu setzen“, erzählt der 50-Jährige. Denn die Angehörigen der Toten wissen bis heute nicht, wer der Münsterlandmörder ist.

FallMünsterlandmörder
Zeitraum1971 bis 1974
OpferEdeltraud van Boxel, Barbara Storm, Marlies Hemmers, Erika Kunze

„Akte 916 – Der Münsterlandmörder“ begibt sich an die Originalschauplätze

Seit November 2020 laufen die Dreharbeiten zu „Akte 916 – Der Münsterlandmörder“, der eine Mischung aus Dokumentation und Spielfilm werden soll. Gedreht wird an verschiedenen Orten in der Region, teilweise an den Originalschauplätzen. So begab sich Muckel für den Dreh an die Fundorte der vier Leichen.

Das erste Opfer des Münsterlandmörders war die Prostituierte Edeltraud van Boxel. Sie wurde am Abend des 21. November 1971 von ihrem späteren Mörder im Auto mitgenommen. Wenige Stunden später fand man die junge Frau aus Münster, die im siebten Monat schwanger war, im Kreis Steinfurt tot auf. Von ihrem Peiniger wurde sie erwürgt.

Dokufilm zum Münsterlandmörder: Regisseur gewinnt neue Erkentnisse

Für Menschen, die ein Faible für True-Crime*-Geschichten haben, ist der Fall vom Münsterlandmörder ein gefundenes Fressen. Vier brutale Morde an jungen Frauen und bis heute gibt es keine Spur, die zum Täter führt. „Oberflächlich betrachtet wirkt jeder Fall für sich wie ein nicht zusammengehöriges Puzzle. Oftmals stellt man sich die Frage, ob es sich wirklich nur um einen Täter handeln könnte“, erklärt Detlef Muckel, der für seinen Dokumentarfilm „Amok“ im Jahr 2008 mit dem GINGKO Ehren-Award ausgezeichnet wurde, seine Faszination für die Geschichte.

Im Laufe der Jahre konnte der gebürtige Bochumer neue Erkenntnisse zum Münsterlandmörder sammeln und sich ein „klares Bild“ vom Täter machen, wie er es sagt. „Jeder Mord scheint plötzlich nachvollziehbar zu sein.“ Diese Erkenntnisse habe er teilweise während seiner Zusammenarbeit mit IT-Forensikern gesammelt. Aber auch durch die Facebook-Seite zum Dokumentarfilm „Akte 916“.

„Akte 916“: Film zum Münsterlandmörder soll 2022 erscheinen

Mit der Zeit hätten sich viele Menschen, vor allem Frauen, bei ihm gemeldet, die ihm gegenüber ihre persönlichen Erlebnisse aus der Zeit, in der die vier Morde begangen wurden, schilderten. „Oftmals haben sie aus Angst oder Schamgefühl sich damals nie bei der Polizei gemeldet“, erklärt Muckel im Gespräch. Jeder noch so kleine Hinweis könnte von Bedeutung sein, um den Münsterlandmörder zu finden. Natürlich erhofft er sich auch, dass sein Film, der 2022 in die Kinos kommen soll, seinen Beitrag dazu leisten wird, den Täter zu schnappen.

„Nichts ist unmöglich“, sagt Detlef Muckel auf die Frage, ob er daran glaubt, dass der Mörder irgendwann gefunden wird. Der Fall schlug damals bundesweit hohe Wellen. Sogar die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“* berichtete über den Münsterlandmörder, der ein Jahr nach seinem ersten Mord die 20-jährige Barbara Storm aus Schüttorf erwürgt hatte, nachdem sie die Diskothek „Tenne“ in Rheine verlassen hatte. Auch die aus Nordhorn stammenden Marlies Hemmers und Erika Kunze fielen dem Unbekannten zum Opfer.

Mit diesem Phantombild wurde nach dem "Münsterlandmörder" gefahndet.

Spielfilm zum Münsterlandmörder geplant

Ende 2016 keimte bei den Ermittlern noch einmal kurzzeitige Hoffnung auf, den Täter identifizieren zu können. In der Spurenakte 916, nach der der Dokumentarfilm von Detlef Muckel benannt ist, ging es um einen Mann, der nach dem Mord an Erika Kunze von der Polizei verhört worden war. Er hatte damals zugegeben, für die Morde kein Alibi zu haben. Eine Exhumierung des mittlerweile Toten brachte jedoch nicht das erwünschte Ergebnis. Der Münsterlandmörder ist weiter unerkannt. 

Mit dem Dokufilm „Akte 916 – Der Münsterlandmörder“ soll es jedoch nicht getan sein. Detlef Muckel plant im Anschluss, einen Spielfilm über den Fall zu drehen. Ob der Täter bis dahin gefunden wird? Für die Angehörigen der Opfer wäre es wohl eine Genugtuung. (*owl24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.)

Rubriklistenbild: © Daniel Karmann

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