Mord in Neuenkirchen

Eigene Mutter im Brunnen ertränkt: 14-stündiges letztes Wort bringt Angeklagtem nichts

Ein Buch über die Strafgesetzordnung steht auf einem Tisch am Gericht.
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Ein 56-Jähriger wurde vom Landgericht Münster wegen Mordes verurteilt. (Symbolbild)

Einen grausamen Fund gab es 2019 in Neuenkirchen: Dort wurde eine Frauenleiche in einem Brunnen entdeckt. Der Sohn der Toten wurde nun verurteilt.

Neuenkirchen/Münster – Für jedes Strafverfahren ist in § 258, Absatz 2 der Strafprozessordnung festgelegt, dass der Angeklagte eines Prozesses das letzte Wort haben darf, bevor das Urteil gegen ihn verkündet wird. Dass die Richter am Landgericht Münster im jüngsten Fall 14 Stunden warten mussten, bis das Urteil gefällt werden kann, war für sie auch sicher neu.

Angeklagt war ein 56-Jähriger, der beschuldigt wurde, im Juni 2019 seine eigene Mutter in Neuenkirchen aus Habgier getötet zu haben, indem er die Frau in einem Brunnen auf ihrem Grundstück ertränkte. Er habe die 79-Jährige „an einem zuvor angebrachten Hebegurt über eine im Brunnenschacht stehenden Leiter herabgelassen“, teilte die Staatsanwaltschaft Münster in ihrer Anklageschrift damals mit.

OrtNeuenkirchen
Einwohner14.121
KreisSteinfurt

Neuenkirchen: Angeklagter hält 14 Stunden lang letztes Wort

Der Mann wurde wegen Mordes angeklagt. Er soll um sein Erbe gefürchtet haben, nachdem seine Mutter Immobilienvermögen verkauft hatte, die zuvor dem Angeklagten zugestanden hatten. Schon länger soll der Arbeitslose aus Neuenkirchen im Münsterland im Streit um das rechtliche Erbe mit der Getöteten gestanden haben.

27 Prozesstage dauerte die Verhandlung am Landgericht in Münster gegen Ulrich F., der stets seine Unschuld beteuert hatte. Bevor ihm das letzte Wort erteilt worden war, kündigte er an, 700 Seiten vorbereitet zu haben, die er vor Gericht vorlesen wolle. Ganze vier Prozesstage dauerte sein letztes Wort, in dem er Staatsanwaltschaft, Gutachter und Zeugen kritisierte und sich als unschuldig darstellte.

Das Grundstück, auf dem der damals 54-Jährige seine Mutter ertränkt haben soll, wurde nach dem Leichenfund abgeriegelt.

Urteil in Münster: 56-Jähriger aus Neuenkirchen muss lebenslang in Haft

Irgendwann wurde es der Vorsitzenden Richterin am Landgericht Münster jedoch zu bunt. Nachdem sich der Angeklagte aus Neuenkirchen (Kreis Steinfurt) mehrmals wiederholt hatte, unterbrach sie ihn schließlich. Kurz darauf fällte sie dann das Urteil: Ulrich F. muss wegen des Mordes an seiner Mutter lebenslang ins Gefängnis.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Verurteilte die 79-Jährige aus Habgier getötet hatte. „Sie haben Ihre Mutter ertränkt. Daran haben wir keinen Zweifel“, betonte die Richterin. Der Anwalt des 56-Jährigen aus Neuenkirchen kündigte nach dem Urteil in Münster bereits an, dieses anfechten zu wollen.

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