Prozess vor dem Jugendschöffengericht

250.000 Euro Schaden: Junge Männer zerstören 74 Autos – aus diesem Grund

Sie schlugen Scheiben ein, verkratzten das Blech und traten Seitenspiegel ab. Zwei junge Männer wurden am Montag (10. September) vom Jugendschöffengericht Rheine für ihren Vandalismus verurteilt. 

Rheine – 74 Autos beschädigten ein 20- und ein 21-Jähriger in einem Zeitraum von fünf Wochen. Dabei schlugen sie die Scheiben ein, zerkratzten die Fahrzeuge oder traten gegen den Seitenspiegel. Außerdem zertrümmerten sie die Glaswände von vier Bushaltestellen mit einem Hammer. 

Die Taten fanden zwischen Februar und März 2017 in Altenberge, Borghorst, Burgsteinfurt und Horstmar statt. Die jungen Männer waren geschnappt worden, weil einer der geschädigten Autobesitzer einen Knall hörte und die Polizei rief. Am Montag (10. September) mussten sie sich vor dem Jugendschöffengericht Rheine verantworten. 

74 zerstörte Autos: Mobbing als Auslöser

Auf die Frage, wieso sie die Taten begangen hatten, gab es eine klare Antwort: Mobbing. Die jungen Männer aus Ochtrup und Steinfurt sollen an ihren Schulen massiv schikaniert worden sein. Lehrer und Schulleitung waren nicht aktiv geworden, nachdem sie davon erfahren hatten. 

Als die zwei im Radio von Vandalismus hörten, planten sie eine ähnliche Tat – und fingen an, Autoscheiben einzuschlagen. "Ich habe mir dabei vorgestellt, dass es die Gegenstände von den Leuten sind, die mich über Jahre gemobbt haben", sagte der Ältere der beiden Jungen. 

Zerstörungswut: Angeklagte werden nach dem Jugendstrafrecht verurteilt

Der Schaden, den die beiden angerichtet hatten, beläuft sich auf schätzungsweise 250.000 Euro. Der Staatsanwalt forderte in seinem Plädoyer ein Jahr auf Bewährung als Strafe. Verurteilt wurden die Männer am Schluss aber wegen Sachbeschädigung in 78 Fällen zu zwei Jahren unter Bewährung ohne festes Strafmaß

Sie werden einem Bewährungshelfer zugeteilt, müssen eine Schuldnerberatung in Anspruch nehmen und 50 Sozialstunden leisten. Diese Form der Strafe gibt es nur im Jugendstrafrecht und soll die Angeklagten vor der Zerstörung der beruflichen Laufbahn schützen.

Nach Vandalismus im Kreis Steinfurt: Geringe Strafe

Die Strafe ist relativ gering, wie der Richter zugab. Er hoffe, dass die Gerichtsverhandlung und die Schulden, die die Täter von nun an abbezahlen müssen, Strafe genug sind. Zuvor waren sie strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten. 

"Wenn Sie sich an die Auflagen halten, erlischt der Schuldspruch nach zwei Jahren", erklärte der Richter den jungen Männern. Er warnte allerdings auch vor den Konsequenzen, sollten sie das nicht tun. Die Angeklagten hatten in ihrem Schlusswort versprochen, nicht mehr straffällig zu werden. 

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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