Unfallfahrt im Kreis Steinfurt

Ins Auto gestiegen, um Menschen zu töten: Staatsanwaltschaft hält Fahrerin für schuldunfähig

Ein Fahrrad liegt nach einer tödlichen Autofahrt im Kreis Steinfurt auf der Straße.
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Ein Radfahrer kam bei dem Vorfall im September im Kreis Steinfurt ums Leben

Eine Frau setzte sich im September ins Auto und raste auf mehrere Menschen zu. Ein Radfahrer kam bei dem Vorfall im Kreis Steinfurt ums Leben. Jetzt hat sich die Staatsanwaltschaft Münster zu dem Fall geäußert.

Lienen/Lengerich/Münster – Am 27. September vergangenen Jahres wurde die Polizei im Kreis Steinfurt zu einem Einsatz gerufen. Die Beamten wurden über gleich fünf Unfälle informiert, die sich innerhalb von nur knapp 30 Minuten ereignet hatten. Wie sich kurz danach herausstellte, war eine einzige Frau für die Vorfälle verantwortlich.

Nach den ersten Ermittlungen wurde eine Mordkommission in Münster eingesetzt. Der Verdacht: Die 44-Jährige fuhr absichtlich in Menschenmengen hinein. Ein Radfahrer wurde bei dem Vorfall im Kreis Steinfurt getötet. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft eine Antragsschrift im Sicherungsverfahren erhoben – wegen des Verdachts des Mordes, des versuchten Mordes, des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, der gefährlichen Körperverletzung sowie des unerlaubten Entfernens vom Unfallort. 

KreisSteinfurt
Einwohner448.220
RegierungsbezirkMünster

Kreis Steinfurt: Frau fuhr Ehepaar gezielt an

In der Antragsschrift wird von einer knapp 20-minütigen und scheinbar ziellosen Autofahrt der Frau gesprochen, die sich am besagten Tag zwischen Lengerich und Lienen zugetragen hatte. Gegen 9.45 Uhr soll die Beschuldigte mit ihrem Auto auf einer Kreisstraße in Lengerich in Richtung Bad Iburg gefahren sein. Dort soll sie ein Ehepaar, das zu dem Zeitpunkt auf Pedelecs unterwegs war, gezielt angefahren haben, mit der Absicht, sie zu töten, so die Staatsanwaltschaft Münster.

„Die Beschuldigte soll zunächst den 63-jährigen männlichen Pedelecfahrer von hinten angefahren und gerammt haben“, heißt es in der Antragsschrift. Der Mann sei dabei auf die Motorhaube der Frau gefallen und von dort aus in einen Graben geschleudert worden. Auch die Ehefrau des Radfahrers sei daraufhin von der Beschuldigten angefahren worden – auch sie prallte bei der Kollision im Kreis Steinfurt auf die Motorhaube. Beide Personen erlitten schwere Prellungen, konnten das Krankenhaus jedoch am Tag darauf wieder verlassen.

Beschuldigte tötet Radfahrer in Lengerich (Kreis Steinfurt)

Die 44-Jährige setzte ihre Fahrt daraufhin in Lienen fort. Nachdem sie mit ihrem Wagen einen Bauzaun durchbrochen hatte und durch einen Garten sowie eine Obstplantage gefahren war, hielt sie auf einem Privatgrundstück in der Stadt im nördlichen Münsterland an und unterhielt sich kurz mit der Besitzerin des Anwesens. Anschließend sei sie mit hoher Geschwindigkeit auf die Frau zugefahren, um diese zu töten, berichtet die Staatsanwaltschaft Münster.

Mit einem beherzten Sprung ins Gebäude konnte sich die Anwohnerin jedoch rechtzeitig retten und blieb unverletzt. Anschließend fuhr die Beschuldigte wieder zurück nach Lengerich (Kreis Steinfurt). Als ihr auf der L591 drei Radfahrer entgegenkamen, fuhr sie mit einer Geschwindigkeit von 109 km/h auf die Gruppe zu. Ein 47-Jähriger wurde durch die Kollision getötet – die anderen beiden Rennradfahrer konnten sich retten.

Staatsanwaltschaft Münster: Frau während Fahrt im Kreis Steinfurt schuldunfähig

Nach der tödlichen Kollision fuhr die Beschuldigte mit ihrem Wagen gegen einen Baum und verletzte sich dabei schwer. Im Rahmen des Ermittlungsverfahrens hatte die Frau ausgesagt, „dass sie niemanden habe verletzen oder gar töten wollen“, so die Staatsanwaltschaft Münster. Aufgrund der Ermittlungen sowie der sachverständigen Einschätzung gehen die Ermittler davon aus, dass sich die 44-Jährige zum Zeitpunkt der Fahrt in Lienen und Lengerich (Kreis Steinfurt) „in einer akuten Phase einer bereits seit Jahren bestehenden psychischen Erkrankung befand und daher schuldunfähig gewesen ist“.

Die Frau aus dem Kreis Steinfurt, die wenige Wochen nach dem Vorfall in einer forensische Klinik untergebracht wurde, gelte aufgrund ihrer Erkrankung als eine Gefahr für die Allgemeinheit. Die Staatsanwaltschaft Münster empfiehlt daher eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik.

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