Gefährliche Brennhaare

Lebensgefahr für Hunde! Vorsicht vor diesen Nestern

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Die Nester des Eichenprozessionsspinners sind auch im Winter noch giftig. 

Eine Raupe legte im vergangenen Sommer ganz Deutschland lahm. Noch immer ist die Gefahr nicht gebannt. Gerade Hundebesitzer sollten vorsichtig sein. 

  • Im Sommer verbreitete sich der Eichenprozessionsspinner in ganz Deutschland.
  • Auch die zurückgelassenen Nester sind höchst giftig.
  • Besonders Kinder und Hunde sind gefährdet.

Lebensgefahr für Hunde! Vorsicht vor diesen Nestern

Update: 23. Januar. Die deutschlandweite Raupen-Plage im vergangenen Sommer ist vielen Hundehaltern wohl nur noch vage in Erinnerung. Die Gefahr ist jedoch noch nicht abgewendet: Auch wenn die Nester der Eichenprozessionsspinner inzwischen leer sind, geht von ihnen immer noch eine Bedrohung aus. 

Schmerzlich erfahren musste das der Hundehalter Jan I.: Kurz vor Silvester war er draußen mit seiner Hündin Nuja unterwegs – als diese plötzlich auf etwas herumkaute. Auf das Kommando ihres Herrchens ließ das Tier den Gegenstand fallen, doch die fünf Sekunden reichten bereits aus. Nuja hatte auf ein Nest des Eichenprozessionsspinners gebissen. 

Auch wenn die Raupen inzwischen größtenteils tot sind, geht von ihren Nestern immer noch Gefahr aus. 

Nur 15 Minuten später musste Jan I. um das Leben seiner Hündin bangen. Ihre Zunge schwoll so sehr an, dass sie nicht mehr ins Maul passte, sie litt unter extremem Speichelfluss und konnte nicht mehr schlucken. Auf dem Weg zum Tierarzt erbrach sie sich mehrmals. Mit Spritzen wurde dem Fieber und den Vergiftungserscheinungen durch die Härchen des Eichenprozessionsspinners entgegengewirkt. 

Nester des Eichenprozessionsspinners immer noch giftig

Nuja hatte Glück: Sie hatte das Nest nicht verschluckt. Sie sprach auf die Medikamente an, die der Tierarzt verschrieben hatte. "Ohne eine sofortige Behandlung hätte sie nicht überlebt", schreib Jan I. bei Facebook. Mit seinem Post verfolgt er ein Ziel: Er will andere Hundehalter vor den Nestern des Eichenprozessionsspinners warnen. 

Denn obwohl die Prozessionsspinner inzwischen größtenteils gestorben sind, sind ihre Nester immer noch höchst gefährlich. Die feinen Brennhaare können noch bis zu zehn Jahre lang Gift absondern. Deshalb appelliert Jan I. an andere Hundebesitzer: "Bitte passt gut auf euer Hunde auf! Nehmt sie in der Nähe von Eichen an die kurze Leine und lasst sie dort nicht unkontrolliert im Gras schnüffeln. Es geht so schnell."

Die Brennhärchen der Raupe sind auch nach ihrem Tod noch giftig. 

Tut die Stadt Münster zu wenig zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners?

Update: 8. Juni. Die Beschwerden häufen sich derzeit in den sozialen Netzwerken: "Werden die denn entfernt, wenn man die Nester meldet? Ich hab gehört, die Stadt sei in dieser Hinsicht nicht so fleißig?! Oder ist das eh nicht so gedacht?", fragt Christina L. bei Facebook. 

Die klare Antwort: Doch, das ist so gedacht. Die Stadt Münster fordert ihre Bürger sogar aktiv dazu auf: Wenn ein Nest gesehen oder auch nur vermutet wird, sollte der Eigentümer oder Träger informieren. Dann nämlich ist die Beseitigung durch eine Baumpflege-Firma erforderlich. Das jedoch kostet: circa 150 Euro pro Nest." Ich denke, das sprengt jedes Budget. Zumindest bei mehreren Bäumen", schreibt Britta W. 

Handelt es sich jedoch um einen städtischen Baum, sollte das für Grünflächen und Umweltschutz informiert werden. Die Ansprechpartnerin Karola Weißbrich ist unter 0251/4 92 67 41 zu erreichen. Es werden jedoch immer mehr Klagen laut, dass die Stadtverwaltung sich nicht genug kümmern würde. Doch die kommt mit der Arbeit einfach nicht hinterher. 

Bereits seit Pfingsten sind Mitarbeiter des Grünflächenamtes und beauftragte Firmen im Einsatz, um die Nester zu entfernen. Vorrangig stehen aber Kindergärten und Schulen auf dem Programm. "In den nächsten Wochen werden wir nach einer Prioritätenliste viele weitere Nester beseitigen", sagt Franz-Josef Gövert vom Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit. "Aber nicht in jedem Fall ist es notwendig, das Nest zu entfernen." Die Gesamtzahl der Gespinste gehe mittlerweile in die Tausende. Allein an Münsters Straßen stehen rund 13.000 Eichen.

Allwetterzoo vom Eichenprozessionsspinner betroffen

Update: 7. Juni. Auch der Allwetterzoo in Münster ist betroffen. Direkt am Eingang steht ein Schild, dass vor dem Eichenprozessionsspinnern warnt. Doch den Tieren geht es gut: "Wir können mittlerweile vermelden, dass wir die Lage im Griff haben und nur noch wenige Nester an den Bäumen sind", sagt der kaufmännischer Leiter des Allwetterzoos Frank Röttger am Donnerstag gegenüber der msl24-Redaktion.

 "Wir haben uns zunächst auf die Bäume am Spielplatz rund um den Restaurantbereich gekümmert, wo sich viele Menschen aufhalten", führt er weiter aus. Spätestens Anfang kommender Woche sei man mit der Beseitigung endgültig fertig.

So erfolgreich sieht es an anderen Orten nicht aus. In Ladbergen wurde der für Freitag (8. Juni) organisierte Jedermannslauf abgesagt. Die geplante Laufstrecke führt an Bäumen vorbei, die von der Raupe befallen sind. Das Risiko sei den Veranstaltern zu hoch und eine andere Strecke konnte so kurzfristig nicht erschlossen werden. Die Gesundheit und Sicherheit der Läufer, darunter viele Kinder, gehe vor. 

Gefährliche Plage: Eichenprozessionsspinner legt das Münsterland lahm

Münsterland – Die Baumexperten haben dieser Tage viel zu tun. Überall werden Nester des Eichenprozessionsspinners gesichtet. Und es reißt nicht ab. Die Menschen in der Region wurden durch die Berichte in den Medien mobilisiert und sind aufmerksam unterwegs. Sie warnen sich gegenseitig in Foren im Internet und geben sich Tipps, wo man die Nester melden kann. 

Erstmeldung vom 1. Juni: Massenplage überschwemmt das Münsterland

In Münster hat sich die gefährliche Raupe im kompletten Stadtgebiet ausgebreitet. Sogar von Massenplage ist bei den haarigen Plagegeistern die Rede. „Überall sitzen die Nester“, sagt eine Sprecherin des Amts für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit. „Wir kommen kaum hinterher. Sie breiten sich aus wie die Pest.“

Aufgrund des heißen Sommerwetters sind die Raupen des Nachtfalters in diesem Jahr besonders früh dran. Sie verspinnen sich in flächigen Nestern. Während die haarige Raupe in der Vergangenheit vorzugsweise an Eichen und Hainbuchen klebte, kommt der Schädling jetzt vermehrt auch in lichten Wäldern auf.

Haare des Eichenprozessionsspinners können allergischen Schock auslösen 

Für Menschen und Tiere sind die Härchen der Prozessionsspinner gefährlich! Die feinen Brennhaare setzen das Nesselgift Thaumetopeitin frei, das Überempfindlichkeitsreaktionen des Immunsystems auslöst. Diese reichen von einem stark juckenden Hautausschlag über Niesen, Husten, Augenreizungen bis hin zu Asthma. In sehr seltenen Fällen kann dieser Stoff bei überempfindlichen Menschen einen allergischen Schock verursachen. 

Die Experten raten dringend, Abstand zu halten. Der Wind kann die Brennhaare Hunderte Meter weit durch die Luft tragen.Bloß nicht eigenmächtig aktiv werden oder gar die Nester entfernen! Selbst wenn das Nest aus dem Vorjahr ist, können die verbliebenen Haare noch Allergien auslösen. Auch Hundebesitzer sollten genau hinsehen, an welchem Stamm der Vierbeiner sein Bein hebt. 

 „Wir tun, was wir können“, heißt es aus dem Amt für Grünflächen. Die Experten konzentrieren sich mit der Beseitigung des Eichenprozessionsspinners zunächst auf öffentliche Flächen, Kindergärten, Schulen und Spielplätze. 

Eltern und Erzieher sollten Kinder im Auge behalten 

Besonders Kinder sind gefährdet, da sie sich zum einen viel im Freien aufhalten, zum anderen unbedarft mit den Raupen spielen könnten. Eltern und Erzieher sollten dies im Auge behalten und den Nachwuchs sensibilisieren. Ist bei aller Vorsicht ein Kontakt passiert, solltensofort die Kleider ausgezogen werden und nicht mit ins Haus genommen werden. Sofort sollte geduscht oder gebadet werden und die Haare gewaschen werden. Augen und Mund sollten ausgespült werden. 

Tritt eine Reaktion auf, sofort einen Arzt aufsuchen, wo eine Behandlung mit entsprechenden Salben, die Antihistaminika oder auch Kortison enthalten, durchgeführt wird. Bei Schocksymptomen sollte umgehend der Notarzt verständigt werden. 

Betroffene Bäume sofort melden 

Auch bei Facebook wird eifrig über den nachtaktiven, gefährlichen Falter diskutiert. Die Menschen sind wachsam und halten sich gegenseitig auf dem Laufenden, wo die giftigen Raupen im Stadtgebiet gesichtet wurden: Am Aasee etwa, bei DJK Wacker in Mecklenbeck sei im Park beinahe jede Eiche betroffen. Auch in Roxel wurde der Schädling gesichtet sowie in Sprakel. 

Aber nicht nur in Münster breiten sich die Schädlinge aus. Im kompletten Münsterland haben die Gemeinden mit den Eichenprozessionsspinnern zu kämpfen: 

  • In Kattenvenne im Kreis Steinfurt wurde die Grundschule geschlossen.
  • In Rheine fiel am Dionysianum der Unterricht aus und der Schulhof musste gesperrt werden, damit die Experten die Nester entfernen konnten. 
  • Ebenfalls in Westbevern im Landkreis Telgte: Die Stadt sperrte die Spielplatzfläche rund um die ortsansässige Grundschule.
  • In Appelhülsen waren die Raupen auf einem Spielplatz „in Kinderhöhe“ gesichtet worden und Bürgermeisterin Manuela Mahnke bat die Bürgerinnen und Bürger um Mithilfe, die Eichenprozessionsspinner umgehend zu melden. 
  • In Lüdinghausen im Kreis Coesfeld wurden rund 30 Nester auf dem Gelände des Stadions und auf dem Parkplatz des Klutensee-Bades entdeckt. Außerdem in den Parks der Burg Lüdinghausen und Burg Vischering. 
  • Auch in Steinfurt gingen zahlreiche Meldungen ein. So sind unter anderem Nester neben der Schule am Bagno gefunden worden. 

Zur Info: 

Wer den Eichenprozsessionsspinner auf öffentlichem Grund entdeckt, sollte umgehend die Gemeinde informieren. Wer den Befall auf dem eigenen Grundstück hat, sollte einen Fachmann rufen. Er kann sich aber auch zunächst an seine Gemeinde wenden.

In Münster können die Eichenprozessionsspinner unter der Telefonnummer 0251/4926741 gemeldet werden. Weitere Infos gibt es beim Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit 

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