Totschlagprozess in Ochtrup

"Du hast eine Familie zerstört": Mutter des getöteten Jose schreibt offenen Brief an Angeklagten

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Ein Fall, der die Gemüter erhitzt: Eine Mutter eines getöteten Jungen schrieb im Netz einen Brief an den Angeklagten.

Er sei ein "Soziopath" ohne Reue: Bei einem Streit wurde Jose M. (20) aus Ochtrup vergangenes Jahr von einem jungen Mann erstochen. Nun rechnet die Mutter des Getöteten in einem offenen Brief mit dem Angeklagten ab.

Ochtrup – "An den Mörder meines Sohnes" – mit diesen Worten beginnt ein offener Brief, der zurzeit in den sozialen Medien kursiert. Er stammt von einer Frau, die ihren Sohn verloren hat – und die in diesem Beitrag ihrer Trauer darüber freien Lauf lässt. Doch ebenso ihrer Wut auf den mutmaßlichen Totschläger M., der nun während des laufenden Prozesses aus der Untersuchungshaft entlassen wurde.

Jose im Ochtruper Stadtpark erstochen – Totschlagprozess gegen 18-Jährigen

Zwischen dem getöteten Jose (20) und dem Angeklagten gab es schon lange vor der Tat Streit: Der Angeklagte sei an einer Freundin von Jose interessiert gewesen – er soll sie sogar begrapscht haben, wie die WN berichten. Infolgedessen schaukelte sich der Streit zwischen den beiden jungen Männern aus Ochtrup immer weiter hoch: Von Beschimpfungen, Gewaltandrohungen und einer blutigen Auseinandersetzung an Rosenmontag ist vor Gericht die Rede – M. sei dabei der Kiefer gebrochen worden.

Der Streit fand schließlich am 20. Mai ein trauriges Ende: Im Ochtruper Stadtpark soll M. sechs Mal unkontrolliert auf Joses Brust eingestochen haben – so schildert die Staatsanwaltschaft die Geschehnisse der Tatnacht. Der Angeklagte beteuert dagegen Notwehr. Bis zum Eintreffen der Rettungskräfte habe er außerdem versucht, die Blutungen zu stoppen und sei auch nicht vor der Polizei geflohen, so die Verteidigung.

Am fünften Verhandlungstag (21. Dezember) dann der Schock für die Familie des Getöteten: Der Angeklagte wird aus der Untersuchungshaft entlassen. Joses Mutter sei fassungslos gewesen und habe sich vor Gericht kaum beruhigen können. Kurz darauf veröffentlicht die Ochtruperin auf Facebook einen emotionalen Brief an den Tatverdächtigen – mit drastischen Äußerungen.

Im Ochtruper Stadtpark kam es im Mai vergangenen Jahres zu der schrecklichen Tat.

"Ein Soziopath bist du..." – Offener Brief von Mutter aus Ochtrup an Angeklagten

Joses Mutter richtet in ihrem offenen Brief auf Facebook harte Worte an den mutmaßlichen Totschläger ihres Sohnes: "Ein Soziopath bist du ... ein Mensch ohne Gefühle, ohne Regung, ohne Reue..." Gegrinst habe er während der Verhandlung, beschreibt die Frau aus Ochtrup weiter.

Sie macht in ihrem Brief auch deutlich, dass sie von den Erklärungen der Verteidigung nichts hält – und ist sich sicher, dass Jose im Ochtruper Stadtpark nicht aus Notwehr erstochen wurde: "Du wolltest ihn umbringen... Du wolltest (deine Wörter) ihn ficken..." Sie schreibt, dass der Angeklagte die Familie aus Ochtrup zerstört habe.

"Ich bin sehr gläubig ... Der Glauben hilft mir, die Tage zu überstehen... Aber ich kann dir nicht verzeihen, kann auch keiner von mir verlangen... Ich will, dass du so leidest wie mein Sohn gelitten hat, und wie wir leiden... Jeden Tag... Du hast nicht nur einen Menschen umgebracht... Du hast eine ganze Familie auf dem Gewissen... Du hast uns lebenslänglich gegeben, eine Familie zerstört... und warum?"

Der Fall wird vor dem Landgericht Münster verhandelt.

Reaktion auf Totschlag in Ochtrup: Zwischen Mitgefühl und Flüchtlingshetze

Viele User haben die Worte von Joses Mutter gelesen – und den Brief bei Facebook auch kommentiert. Es ist vor allem Mitgefühl mit der trauernden Familie aus Ochtrup, das die Leser ausdrücken. Doch oft ist es ein schmaler Grat zwischen Fassungslosigkeit über die Tat – und ungezügelter Wut: Auf den Täter, auf das Justizsystem, und auch auf Flüchtlinge, wie der Angeklagte M. selbst einer ist.

Von "Danke Merkel" und "Die sollen doch alle abgeschoben werden" ist die Rede. Man sei "nicht auf die Monster vorbereitet" gewesen, die man in unser Land gelassen habe. Es finden sich noch viele weitere Kommentare zur Tat in Ochtrup, die ähnlich drastisch formuliert sind.

Am Ende des Beitrags fügte Joses Mutter noch ein Foto an: Es soll den Angeklagten zeigen, im Fokus das klar erkennbare Gesicht eines jungen Mannes. Über viele Stunden war das Bild unzensiert zu sehen. Am Donnerstagmittag (10. Januar) wurde es dann unkenntlich gemacht.

Am 21. Januar (Montag) soll vor dem Landgericht Münster das Urteil im Ochtruper Totschlagprozess fallen. 

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