Urteil am Landgericht Münster

Bluttat an Ostern: Familienvater wegen Mitschuld vor Gericht

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Der Hauptangeklagte hatte das Opfer mit zwei  Schüssen lebensgefährlich verletzt. Die Waffe stammte von seinem Vater (Symbolbild). 

Sie wollten ihr Opfer töten, sogar mehrfach: Drei Jugendliche hatten im April auf einen 23-Jährigen geschossen. Vor der Tat hatten sie ihm bereits ein Grab geschaufelt – auf einem Spielplatz. Nachdem sie verurteilt wurden, steht nun der Vater des Hauptangeklagten vor Gericht.

  • Bluttat in Westerkappeln im April 2018
  • Prozess und Urteil am Landgericht Münster
  • Vater des Täters trägt Mitschuld

Update: 12. September. Es ist anderthalbe Jahre her, dass drei junge Männer im Alter von 16 und 18 Jahren in Westerkappeln ein Grab schaufelten und dann auf einen 23-Jährigen schossen, den sie lebensgefährlich verletzten. Die Täter wurden bereits im Dezember 2018 verurteilt, nun muss sich aber auch der Vater des Hauptangeklagten vor Gericht verantworten, wie die Westfälischen Nachrichten berichten. 

Er könnte eine Mitschuld an dem versuchten Mord in Westerkappeln tragen, da der damals 16-jährige Haupttäter sich die Waffe – eine halbautomatische 9-Millimeter Heckler & Koch – aus seinem Waffenschrank ausgeliehen hatte. Der Vater war in Besitz zahlreicher Waffen, da er als Jäger tätig ist. 

Zwar habe er den Schlüssel zum Waffenschrank stets versteckt, doch trotzdem hatte der Sohn ihn am Osterwochenende 2018 gefunden. Dem Mann aus Westerkappeln wird deshalb ein Verstoß gegen das Waffengesetz sowie fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen, er sollte 180 Tagessätze von 300 Euro (insgesamt 54.000 Euro) zahlen.

Da der Familienvater aus Westerkappeln aber Einspruch einlegte, wurde der Prozess am Mittwoch (11. September) vor dem Amtsgericht in Tecklenburg fortgesetzt. Die Anwesenden einigten sich auf einen Deal, eine Verständigung zwischen dem Gericht und den Verfahrensbeteiligten.

Der Familienvater aus Westerkappeln zieht seinen Einspruch zurück und zahlt dem damals 23-jährigen Opfer alsbald eine Summe von mindestens 10.000 Euro aus – dann lässt sich der Richter auf eine Geldstrafe von nicht mehr als 140 Tagessätzen ein. Die endgültige Entscheidung fällt am 25. September. Wir berichten weiter. 

Lange Haftstrafen für versuchten Mord in Westerkappeln

Update: 17. Dezember. Fast drei Monate lang wurde am Landgericht in Münster verhandelt: Ein Jugendlicher (mittlerweile 17) und zwei Mitangeklagte (beide 18) waren wegen gemeinschaftlichen versuchten Totschlags und gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung in Westerkappeln angeklagt. 

Sie hatten im April versucht, einen damals 23-Jährigen in Westerkappeln zu töten. Nachdem der Hauptangeklagte das Opfer mit drei Schüssen lebensgefährlich verletzt hatte, hebelten die drei Jugendlichen auf einem Spielplatz eine Grube aus, um sein Opfer dort zu begraben. 

Nun wurde das Urteil in dem Prozess gesprochen: Der 17-jährige Hauptangeklagte muss

für sechs Jahre und drei Monate ins Gefängnis

. Die beiden 18-Jährigen wurden zu Haftstrafen von vier beziehungsweise drei Jahren verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die

Bluttat in Westerkappeln

keine "Spontanaktion" war –  sondern von den drei Verurteilten geplant worden ist, wie die WN berichten.

"Wollte ihn kalt machen": Angeklagter aus Westerkappeln gesteht 

Update: 8. November. Der Prozess gegen drei Jugendliche, die einen 23-Jährigen in Westerkappeln ermorden wollten, läuft weiterhin. Der 16-jährige Hauptbeschuldigte könnte die Verhandlung nun beschleunigt haben: Zu Beginn des vierten Prozesstages gab er zu, dass er das Opfer habe "kaltmachen" wollen. 

Diesen Umstand hatte er bislang abgestritten. Auch das zuvor vorbereitete Loch sei nicht als Grab gedacht gewesen. Umfangreiche Chat-Protokolle, die der Polizei vorliegen, sprechen jedoch eine andere Sprache. Möglicherweise aufgrund der erdrückenden Beweise änderte der 16-Jährige nun seine Aussage. 

Geplanter Mord in Emsdetten: Jugendliche hoben Grab für Opfer aus

Erstmeldung: 14. September. Am 2. April (Montag) kam es in Westerkappeln zu einer schrecklichen Bluttat. Drei Jugendliche, zwei davon im Alter von 18 und einer im Alter von 16 Jahren, hatten es auf einen 23-Jährigen abgesehen. Der Streitpunkt: eine Frau – und Drogen. 

Nach rund drei Monaten in Untersuchungshaft wurden die Täter nun angeklagt: wegen gemeinschaftlich versuchten Mords, versuchtem schweren Raub und gefährlicher Körperverletzung. In dem Prozess soll geklärt werden, was der genaue Hintergrund der Tat war – und welchen Anteil die einzelnen Angeklagten an der Tat haben. 

Sicher ist, dass die Tat nicht im Affekt passiert, sondern geplant war. Denn bereits am späten Vorabend (1. April) der Tat hat der Jüngster der Band, der von der Staatsanwaltschaft Münster als Drahtzieher eingeschätzt wird, die halbautomatische Selbstladepistole samt Munition seines Vaters gestohlen. 

Danach haben die drei Teenager sich auf einem Spielplatz in Westerkappeln getroffen – und ihrem zukünftigen Opfer ein Grab ausgehoben. Sie gruben sie ein 1,20 Meter langes und 80 Zentimeter tiefes Loch. 

Nach Mitternacht sind die drei Jugendlichen dann zur Wohnung ihres Opfers gelaufen. Dort wollten sie einbrechen, ihr Opfer töten und sein Handy stehlen. Doch der versuchte Einbruch durch ein Fenster schlug fehl. "Der Geschädigte soll dies bemerkt und das bereits von dem 16-jährigen Angeschuldigten geöffnete Fenster zugeschlagen haben", heißt es in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft. 

In diesem Bereich wurden die Schüsse auf den 23-Jährigen am 2. April abgefeuert.

Daraufhin griff die Bande zu drastischen Maßnahmen: Der 16-Jährige zielte mit der Waffe auf ein Fenster der Wohnung, in dem der 23-Jährige sich befand. Drei Schüsse wurden abgefeuert – zwei davon trafen das Opfer im Oberkörper und verletzten ihn schwer. Er schwebte längere Zeit in Lebensgefahr. 

Die drei Täter flüchteten nach der Tat und versteckten sich in einem Osnabrücker Hotel. Als bekannt wurde, dass ihr Opfer den Anschlag überlebt hat, stifte der 16-jährige Anführer seinen 19-jährigen Bekannten zu einem weiteren Mordversuch an. Dazu ist es allerdings nie gekommen. 

Die drei Jungs wurden am 4. April von der Polizei verhaftet und waren seitdem in Untersuchungshaft. Die beiden 18-Jährigen haben laut Staatsanwaltschaft eine Tatbeteiligung eingeräumt. Sie hätten zwar von der Waffe gewusst, das ganze Vorhaben aber nicht ernst genommen. Der 16-Jährige hingegen schweigt zu den Vorwürfen.

In einem gesondertes Ermittlungsverfahren wird die Schuld von fünf möglichen Mitwissern verhandelt, die über den Tatvorgang informiert waren. "Gegenstand weiterer Ermittlungen ist auch die Frage, ob dem Vater des 16- jährigen Angeschuldigten ein strafrechtlicher Vorwurf anzulasten ist, sollte er seine Schusswaffe nicht ausreichend gesichert aufbewahrt haben", heißt es abschließend in der Pressemitteilung.

In Westerkappeln ereignete sich im Mai ein schwerer Unfall. Dabei rammte ein 80-Jähriger einen Fahrradfahrer – dieser wurde verletzt. Einen immensen Schaden hatte zudem kürzlich ein Feuer in einer Scheune in Westerkappeln angerichtet: Die Polizei beschlagnahmte die Brandstelle – und konnte die Ursache ermitteln.

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