Prozess wegen versuchten Mordes

"Ich wollte ihn kalt machen": Angeklagter (16) gesteht alles

Sie wollten ihr Opfer töten, sogar mehrfach: Drei Jugendliche hatten im April auf einen 23-Jährigen geschossen. Vor der Tat hatten sie ihm bereits ein Grab geschaufelt – auf einem Spielplatz. Nun wurden sie angeklagt: wegen versuchten Mordes.

  • 2. April 2018: Bluttat in Westerkappeln. 
  • Drei Jugendliche planen Mord an 23-Jährigem. 
  • Prozess am Landgericht Münster beginnt am 26. September. 

Update 8. November: Angeklagter gibt Tötungsabsicht zu 

Der Prozess gegen drei Jugendliche, die einen 23-Jährigen in Westerkappeln ermorden wollten, läuft weiterhin. Der 16-jährige Hauptbeschuldigte könnte den Prozess nun beschleunigt haben. Zu Beginn des vierten Prozesstages gab er zu, dass er das Opfer habe "kaltmachen" wollen. Bislang hatte er die Absicht verneint. 

Diesen Umstand hatte er bislang abgestritten. Auch das zuvor vorbereitete Loch sei nicht als Grab gedacht gewesen. Umfangreiche Chat-Protokolle, die der Polizei vorliegen, sprechen jedoch eine andere Sprache. Möglicherweise aufgrund der erdrückenden Beweise änderte der 16-Jährige nun seine Aussage. 

Erstmeldung vom 14. September

Münster/Westerkappeln – Am 2. April (Montag) kam es in Westerkappeln zu einer schrecklichen Bluttat. Drei Jugendliche, zwei davon im Alter von 18 und einer im Alter von 16 Jahren, hatten es auf einen 23-Jährigen abgesehen. Der Streitpunkt: eine Frau – und Drogen. 

Nach rund drei Monaten in Untersuchungshaft wurden die Täter nun angeklagt: wegen gemeinschaftlich versuchten Mords, versuchtem schweren Raub und gefährlicher Körperverletzung. In dem Prozess soll geklärt werden, was der genaue Hintergrund der Tat war – und welchen Anteil die einzelnen Angeklagten an der Tat haben. 

Geplanter Mord: Jugendliche hoben Grab für Opfer aus

Sicher ist, dass die Tat nicht im Affekt passiert, sondern geplant war. Denn bereits am späten Vorabend (1. April) der Tat hat der Jüngster der Band, der von der Staatsanwaltschaft Münster als Drahtzieher eingeschätzt wird, die halbautomatische Selbstladepistole samt Munition seines Vaters gestohlen. Danach haben die drei Teenager sich auf einem Spielplatz in Westerkappeln getroffen – und ihrem zukünftigen Opfer ein Grab ausgehoben. Sie gruben sie ein 1,20 Meter langes und 80 Zentimeter tiefes Loch. 

Streit eskaliert: 16-Jähriger schießt auf sein Opfer

Nach Mitternach sind die drei Jugendlichen dann zur Wohnung ihres Opfers gelaufen. Dort wollten sie einbrechen, ihr Opfer töten und sein Handy stehlen. Doch der versuchte Einbruch durch ein Fenster schlug fehl. "Der Geschädigte soll dies bemerkt und das bereits von dem 16-jährigen Angeschuldigten geöffnete Fenster zugeschlagen haben", heißt es in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft

In diesem Bereich wurden die Schüsse auf den 23-Jährigen am 2. April abgefeuert.

Daraufhin griff die Bande zu drastischen Maßnahmen: Der 16-Jährige zielte mit der Waffe auf ein Fenster der Wohnung, in dem der 23-Jährige sich befand. Drei Schüsse wurden abgefeuert – zwei davon trafen das Opfer im Oberkörper und verletzten ihn schwer. Er schwebte längere Zeit in Lebensgefahr. 

Täter flüchten – und stiften zu weiterem Mordversuch an

Die drei Täter flüchteten nach der Tat und versteckten sich in einem Osnabrücker Hotel. Als bekannt wurde, dass ihr Opfer den Anschlag überlebt hat, stifte der 16-jährige Anführer seinen 19-jährigen Bekannten zu einem weiteren Mordversuch an. Dazu ist es allerdings nie gekommen. 

Die drei Jungs wurden am 4. April von der Polizei verhaftet und waren seitdem in Untersuchungshaft. Die beiden 18-Jährigen haben laut Staatsanwaltschaft eine Tatbeteiligung eingeräumt. Sie hätten zwar von der Waffe gewusst, das ganze Vorhaben aber nicht ernst genommen. Der 16-Jährige hingegen schweigt zu den Vorwürfen.

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In einem gesondertes Ermittlungsverfahren wird die Schuld von fünf möglichen Mitwissern verhandelt, die über den Tatvorgang informiert waren. "Gegenstand weiterer Ermittlungen ist auch die Frage, ob dem Vater des 16- jährigen Angeschuldigten ein strafrechtlicher Vorwurf anzulasten ist, sollte er seine Schusswaffe nicht ausreichend gesichert aufbewahrt haben", heißt es abschließend in der Pressemitteilung.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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