Stellungnahme für Laschet und Co.

Lockerungen in NRW: Corona-Expertenrat empfiehlt Laschet drei wichtige Maßnahmen

Kurz vor den Gesprächen von Bund und Ländern über weitere Corona-Maßnahmen hat ein Expertenrat der NRW-Regierung eine Stellungnahme mit drei konkreten Empfehlungen vorgelegt.

Düsseldorf - Ganz Deutschland wartet gebannt auf die Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch (3. März). Dann wollen Angela Merkel, Armin Laschet und Co. darüber debattieren, welche neuen Corona-Maßnahmen in Deutschland ergriffen werden. Die NRW-Landesregierung hat nun, wenige Tage vor der Konferenz, vom „Expertenrat Corona“ drei konkrete Empfehlungen bekommen. Sie sollen die weitere Strategie im Kampf gegen das Coronavirus und den vorsichtigen Weg aus dem Lockdown festigen. RUHR24.de* fasst die Empfehlungen zusammen.

NameExpertenrat Corona
Einberufung3. April 2020
Einberufen durchNRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU)

Corona in NRW: Landesregierung erhält von Expertenrat drei Empfehlungen für Lockerungen

Alle Zeichen stehen in Sachen Corona auf Lockerungen. Die NRW-Landesregierung scheint inzwischen zu der Erkenntnis gekommen zu sein, dass eine ständige Lockdown-Verlängerung auf Dauer nicht mehr tragbar ist.

Dieser Ansicht ist offenbar auch der „Expertenrat Corona“, der der NRW-Landesregierung seit dem 3. April 2020 zur Seite steht. Er besteht aus zwölf Experten aus verschiedenen Fachgebieten:

  • Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio, Professor für öffentliches Recht an der Universität Bonn und früherer langjähriger Richter am Bundesverfassungsgericht
  • Stephan Grünewald, Diplom-Psychologe und Gründer des Markt- und Medienforschungsinstituts „rheingold“
  • Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Otfried Höffe, emeritierter Philosophie-Professor an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen
  • Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln
    Monika Kleine, Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Frauen in Köln
  • Prof. Dr. Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach
  • Dr. Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsführung beim Maschinenbauer Trumpf
  • Prof. Dr. Armin Nassehi, Professor für Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie an der Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Claudia Nemat, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom AG
  • Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph M. Schmidt, Präsident des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung
  • Prof. Dr. Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn
  • Prof. Dr. Christiane Woopen, Humanmedizinerin und Vorsitzende des Europäischen Ethikrates

Diese Experten haben Armin Laschet und Co. nun für die Verhandlungen am Mittwoch (3. März) drei konkrete Maßnahmen vorgeschlagen, die den Weg aus dem Lockdown ebnen sollen:

  • Öffnungsschritte aus dem Lockdown an individuell angepasste Schutz- und Hygienekonzepte knüpfen,
  • Lokale, pandemische Lage anhand einer Kombination mehrerer Indikationen bewerten,
  • Impfangebot über priorisierte Gruppen hinaus von Bund und Ländern erweitern.

Anhand dieser drei Maßnahmen soll die NRW-Regierung Lockerungen prüfen und dann einführen, verwerfen oder rückgängig machen. Bislang sind Lockerungen im Prinzip von den Inzidenz-Werten abhängig. NRW-Ministerpräsident Laschet* und auch Virologe Hendrik Streeck hatten das zuletzt stark kritisiert*.

Corona-Experten gegeben NRW-Landesregierung Tipps für Weg aus dem Lockdown

Der „Expertenrat Corona“ empfiehlt der NRW-Regierung zudem, den Lockdown nicht anhand zeitlicher Vorgaben abzugrenzen. Auch solle nicht nach Branchen gelockert werden, sondern eher nach verfügbaren Schutzkonzepten. Heißt: Wo bestimmte Corona-Konzepte greifen, soll geöffnet werden können. Das könnte künftig die Ungleichbehandlung mancher Branchen vergessen machen - wie zuletzt bei den Friseur-Öffnungen.

Wie inzwischen bereits Konsens ist, empfehlen die Experten eine Ausweitung der Testkapazitäten. Schnelltests für daheim sind bereits so gut wie flächendeckend auf dem Markt, nun wird seitens in der Politik darüber nachgedacht, zwei Gratis-Schnelltests pro Woche für jeden Bundesbürger zur Verfügung zu stellen.

Laut dem Expertenrat sollen Gesundheitsämter technologische Plattformen nutzen, die „eine umfassenden und tagesgleichen Nachverfolgung der Infektionsketten gewährleistet.“ Auch dafür ist der Weg bereits geebnet, arbeiten die allermeisten Ämter in NRW bereits mit „Sormas“, die Software des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (Hier mehr Corona-News aus NRW* auf RUHR24.de lesen).

Corona-Warn-App: Lockerungen in NRW sollen an Erweiterung der Software gekoppelt werden

Zudem empfehlen die Experten die Erweiterung der Corona-Warn-App. Armin Laschet ließ zuletzt durchblicken, dass auch er diese Maßnahme für sinnvoll hält. Die Erweiterung solle die Nachverfolgung von sogenannten Clusterinfektionsherden ermöglichen, also einer Anhäufung von Infektionsfällen, an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit.

Der Virologe Hendrik Streeck aus NRW ist Teil des „Expertenrats Corona“

Statt den nahezu einseitigen Fokus auf Inzidenz-Grenzwerte empfehlen die Experten die Betrachtung weiterer Faktoren. Etwa:

  • den Anteil intensivmedizinisch behandelter Covid-19-Fälle an der Gesamtzahl der betreibbaren Bettenkapazitäten,
  • die wöchentlich hospitalisierten Fälle unter den über 60-Jährigen.

Und dann gibt es da noch eine Empfehlung, die sich an Bund und Länder insgesamt orientiert. So fordert das zwölfköpfige Gremium dazu auf, das Impfangebot über die priorisierten Gruppen hinaus rasch zu erweitern. Auch das ist inzwischen geschehen. Ärzten, Polizisten, Lehrern und Erziehern sollen laut neuem NRW-Impfplan nun früher geimpft werden dürfen - dem derzeit unbeliebten AstraZeneca-Impfstoff sei Dank. *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

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