„Ich gebe gar nichts zu!“

„Biden hat gewonnen, weil ...“: Trump vertwittert sich am Sonntag - sein Anwalt kündigt „Beweise“ an

 US-Präsident Donald Trump am 13. November 2020 bei einer Corona-Pressekonferenz im Rosengarten des Weißen Hauses
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Erster Auftritt seit Ausrufung Bidens zum Wahlsieger: US-Präsident Donald Trump schlingerte bei seiner Ansprache.

Donald Trump hat die US-Wahl gegen Joe Biden verloren. Zugeben will er das aber nicht - auch, wenn ein Tweet anderes nahelegt. Unterdessen gibt es Zusammenstöße in Washington.

  • Donald Trump bleibt dabei, keine Wahlniederlage gegen Joe Biden* einzuräumen.
  • Bei einer aktuellen Pressekonferenz stand keine Machtübergabe, sondern der Corona-Impfstoff auf der Agenda.
  • Dabei ließ der amtierende US-Präsident nach der Wahl vom 3. November aber gewisse Zweifel erkennen.

Update vom 15. November, 20.14 Uhr: Das letzte Pfeifen im Walde - oder tatsächlich eine substanzielle Ankündigung? Während Donald Trump am Sonntag mit einem freud‘schen Verschreiber fast schon seine Wahl-Niederlage eingestanden hat, kündigte sein Rechtsbestand Rudy Giuliani in markigen Worten baldige Enthüllungen zum oft postulierten „Wahlbetrug“ an.

„Es geht weit über das hinaus, was sich die Leute vorstellen“, sagte Giuliani laut einem Bericht der Webseite Forbes Trumps früherem Haussender Fox News. Die Vorwürfe sollten als „Angelegenheit der nationalen Sicherheit“ bearbeitet werden. Er verfüge über Beweise, die „noch nicht offenlegen“ könne.

Giulianis eher vagen Äußerungen nach zu urteilen handelt es sich aber zumindest in Teilen um bereits bekannte - und weiterhin unbelegte - Vorwürfe. Der frühere New Yorker Bürgermeister sprach unter anderem von „linken Gruppierungen“ mit Verbindungen nach Venezuela, die für die Herstellung von Wahlzettel-Auszählungsautomaten verantwortlich zeichneten. Die zuständige US-Behörde hat entsprechende Theorien bereits offiziell zurückgewiesen.

Trump vertwittert sich am Sonntag - und rudert heftig zurück

Update vom 15. November, 18.35 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat auf Twitter erstmals einen Sieg seines Herausforderers Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl angedeutet - und dann seine Aussage schnell wieder zurückgenommen. „Er hat gewonnen, weil die Wahl manipuliert war“, schrieb Trump am Sonntag. Kurz darauf verfasste er einen weiteren Tweet: „Er hat nur in den Augen der Lügenpresse gewonnen. Ich gebe gar nichts zu! Wir haben noch einen weiten Weg vor uns“, schrieb er.

Mehrere Medien hatten Trumps vorangegangene Nachricht als mögliches Eingeständnis seiner Niederlage verstanden. Am Freitag hatte Trump in einem Nebensatz bereits ein Einlenken im Streit um den Wahlausgang angedeutet. Die „Zukunft“ werde zeigen, wer das Land künftig regiere, sagte er vor Journalisten im Rosengarten des Weißen Hauses (siehe Erstmeldung). Der Präsident räumte damit zwar weiterhin nicht seine Wahlniederlage ein. Er nahm aber nicht wie mehrfach zuvor einen Wahlsieg für sich in Anspruch.

Am Samstag hatten sich zudem zehntausende Trump-Anhänger in der US-Hauptstadt Washington versammelt, um den Amtsinhaber zu stützen. Am Abend kam es dabei auch zu Zusammenstößen mit Gegendemonstranten. Berichten zufolge wurden mindestens 20 Menschen festgenommen, unter anderem wegen des Missbrauchs von Schusswaffen und des Angriffs auf einen Polizisten.

Trump verhaspelt sich bei Corona-Satz - und gesteht beinahe versehentlich Wahl-Pleite gegen Biden ein

Erstmeldung: Washington - Im Gezerre um die Machtübergabe im Weißen Haus wird auf jedes einzelne Wort geachtet. Ein Nebensatz von Amtsinhaber Donald Trump* hat nun groß aufhorchen lassen. Als Trump verkündete, dass die Politik keinen Corona*-Lockdown in den USA verhängen werde, schob er ein: „Wer weiß, welche Regierung es sein wird“. Ein Eingeständnis seiner Niederlage gegen den US-Demokraten* Joe Biden?

„Hoffentlich - was auch immer in der Zukunft passiert, wer weiß, welche Regierung es sein wird, ich denke, das wird die Zukunft zeigen - aber ich kann Ihnen sagen: Diese Regierung wird nicht in einen Lockdown gehen“, erklärte Trump am Freitag in Washington. Es scheint, als dachte Trump dabei eigentlich nicht an seine Regierung, sondern an die nächste - und fasste sich gerade noch. Hier ein Video-Clip der Szene:

US-Wahl 2020: Lenkt Trump ein? Auffälliges Verhalten bei Pressekonferenz

Der Aufritt im Rosengarten des Weißen Hauses (Thema: Impfstoffe in der Covid-19-Pandemie) war Trumps erstes öffentliches Statement seit der Ausrufung Bidens zum Wahlsieger am 7. November. Was dabei auffiel: Trump nahm nicht wie mehrfach zuvor einen Wahlsieg für sich in Anspruch - Fragen von Journalisten beantwortete er nicht.

Internet-Gesprächsthema nach dem Briefing waren zudem mal wieder Trumps Haare. Sie waren ungewohnt grau. Am 6. November war Trump noch mit deutlich blonderem Schopf vor die Medien getreten. Es wurde nicht nur gewitzelt, dass Trump wohl vergessen habe, sich seine Haare nachzufärben oder sein Friseur im Urlaub sei - es wurde auch besorgt nach seinem Befinden gefragt und seine Haarfarbe neben der bedrückten Mine und dem langsamem Gang als weiteres Indiz dafür gewertet, dass ihm die Wahlniederlage offenbar mächtig zu schaffen mache.

US-Wahl 2020: Nach Trump-Biden-Kopf-an-Kopf-Rennen Neuauszählung in Georgia gestartet

Biden hat laut Zwischenstand 306 Wahlleute hinter sich, 270 würden genügen. Endgültig ist diese Zahl allerdings noch nicht: Die Bundesstaaten müssen die Ergebnisse noch bestätigen, die Wahlleute geben dann am 14. Dezember ihre Stimmen ab. In Georgia* startete am Freitag wegen des engen Wahlausgangs eine Neuauszählung. Es gilt jedoch als nahezu ausgeschlossen, dass sich Bidens Vorsprung durch eine Neuauszählung grundlegend ändert.

Mit seiner Weigerung, das Wahlergebnis anzuerkennen, erschwert Trump die Vorbereitung der Amtsübernahme. Bislang arbeiten Regierung und Verwaltung nicht mit Bidens Übergangsteam zusammen, der am 20. Januar als neuer Präsident vereidigt* werden soll. (AFP/dpa/frs) *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

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