Drohungen gegen Demokratin?

„Trumps Lügen gefährden mein Leben“

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Donald Trump macht Ilhan Omar Vorwürfe - offenbar zu unrecht. Die Politikerin erhält nun Drohungen.

Donald Trump hat 64 Millionen Twitter-Follower mit schweren Vorwürfen gegen eine Kontrahentin versorgt. Offenbar mit ebenso schweren Konsequenzen.

Washington - Mit seinen politischen Gegnern geht Donald Trump verbal wenig zimperlich um. Nun hat der US-Präsident eine seiner Lieblingsfeindinnen erneut ins Auge gefasst - dabei aber allem Anschein nach einen unberechtigten Vorwurf an seine 64,5 Millionen Twitter-Follower weiterverbreitet. Das Opfer der Attacke, die demokratische Abgeordnete Ilhan Omar, sieht nun ihr Leben in Gefahr. Sie berichtete von Drohungen gegen ihre Person - und forderte Twitter auf, Schritte gegen Trump zu unternehmen.

Donald Trump teilt fragwürdigen Vorwurf - muslimische Abgeordnete Omar erneut im Visier

Der eigentliche Stein des Anstoßes ist ein mittlerweile gelöschter Post des Komikers Terrence K. Williams. Er bezog sich auf ein am 13. September auf dem Kurznachrichtendienst gepostetes Video und richtete an Omar folgende Frage: „Sie haben ernsthaft am Jahrestag von 9/11 eine Party gefeiert?“ Ein Vorwurf, der in den USA schwer wiegt - und wohl auch im Kontext mit Omar Religionszugehörigkeit zu sehen ist. Die junge Demokratin ist Muslimin.

Trump teilte das Posting. Sein Kommentar: Omar, das „neue Gesicht der Demokraten“, werde den Republikanern den Bundesstaat Minnesota gewinnen - Minnesota ist Omars Heimatstaat. Zum Inhalt des Videos äußerte er sich nicht konkret. Als „AOC plus 3“ bezeichnet Trump eine Gruppe junger Demokratinnen - das „AOC“ steht für Alexandria Ocasio-Cortez, die bisher jüngste Frau im US-Kongress. Die Politikerinnen selbst nennen sich „The Squad“. Trump hatte sie bereits in der Vergangenheit rassistisch attackiert.

Donald Trum teilt fragliches Video mit Ilhan Omar

Die Nachrichtenseite „GeoBeats“ berichtete am Mittwoch über den Vorfall. Trump hatte den Post von Terrence K. Williams auf seinem Twitter-Account geteilt. Ein dunkler Raum, in dem mehrere Menschen tanzen und die Anschuldigung, die Aufnahme sei am 11.September entstanden. Der Post ist zwischenzeitlich auch im Video zu sehen. Terrence K. Williams gab weder an, woher das Video stammt, noch woher das Datum der Aufnahme bekannt ist, forderte seine Follower aber auf, es zahlreich zu reposten.

Donald Trump: Heftige Anfeindungen gegen Abgeordnete nach Präsidenten-Tweet

Der großen Haken: Omar hat nach eigenen Angaben und nach Aussagen weiterer Beteiligter nicht am 11. September getanzt und gefeiert - das Video stamme vom 13. September, erklärte sie. Der Journalist Uzair Rizvi fügte unter dem Post Trumps auch einen Link zur Einladung der entsprechenden Veranstaltung hinzu. Die Aufnahmen wurden bei einem Treffen der Vereinigung afroamerikanischer Mitglieder des Kongresses gemacht. 

Das Original-Video war vergangene Woche von dem Mitbegründer der Organisation Progressive Change Campaign Committee (PCCC), Adam Green, auf Twitter veröffentlicht und von Omar selbst geteilt worden. Da der Clip am 13. September publiziert wurde, fehlen Indizien für eine Party am 11. September - und streng genommen haben auch weder Trump noch Williams tatsächlich behauptet, dass es eine solche an diesem Datum gab.

Haften blieb aber dennoch der implizite Vorwurf Trumps. Die entsprechenden Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. „Meine Meinung: Omar ist eine anti-amerikanische, nicht-integrierte Scharia-Anhängerin, die in den Siedlungs-Dschihad verwickelt ist“, postete ein User. Ein anderer erklärte, Omar sei „die gefährlichste Person in der Weltgeschichte, die jemals in ein öffentliches Amt gewählt wurde“.

Donald Trump: Ilhan Omar erhält offenbar Drohungen - und fordert Maßnahmen von Twitter

„Der Präsident der Vereinigten Staaten setzt weiter Lügen in die Welt, die mein Leben in Gefahr bringen“, klagte Omar in einem Tweet. „Was tut Twitter, um diese Falschinformationen zu bekämpfen?“. Später fügte sie hinzu: „Es reicht! Twitter muss diesen Lügenpräsidenten zur Verantwortung ziehen“. 

Dem Portal politico.com sagte Omar, Trump habe vielfach Twitters Community-Regeln gebrochen. Sie verstehe nicht, warum der US-Präsident nicht von der Plattform verbannt werde. Eine Anfrage ihrer Mitarbeiter an Twitter habe jedoch keinen Erfolg gehabt. Sie „bekomme immer noch Drohungen“, sagte Omar weiter.

Trump macht Omar Vorwürfe - Komiker dankt: „Sie wollen Cheeseburger, Strohhalme und Schusswaffen verbieten“

Der Auslöser des Eklats, Williams‘ Clip, ist unterdessen nicht mehr abrufbar. Williams habe ihn gelöscht, erklärte ein Twitter-Sprecher Politico. Nachzulesen ist aber eine Antwort des Komikers unter Trumps Retweet. Dort schreibt er: „Danke, Mr. President, dass sie mein Video teilen“. Viele Amerikaner würden Trump beim nächsten Urnengang alleine schon aufgrund der Existenz von Omars Gruppe „AOC Plus 3“ wählen, prophezeit er: Diese wolle „die Grenzmauer abreißen, Cheeseburger, Strohhalme und Schusswaffen verbieten.“ - Er jedenfalls werde 2020 „wieder Trump wählen“.

Trump war im Juli wegen einer rassistischen Beleidigung an die Adresse eines schwarzen Abgeordneten in die Kritik geraten. Außenpolitisch hat Donald Trump ebenfalls eine heikle Situation zu bewältigen: Nach Attacken auf saudi-arabische Öl-Raffinieren beschuldigen die USA den Iran. Für Amüsement sorgte hingegen Angela Merkels Reaktion auf Trumps Ausführungen bei einer Pressekonferenz.

Donald Trump ist für seine mitunter holprigen und oft unüberlegten Aussagen bekannt. Jetzt könnte ihm allerdings ein großer Skandal rund um ein Versprechen an den Kragen gehen - denn ein Whistleblower im US-Geheimdienst erhebt schwere Vorwürfe gegen Trump.

fn

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