Interview

"Ich habe ein Löwenherz": Preußens Jan Löhmannsröben im Gespräch

Der neue Chef in der Abwehr: Jan Loehmannsroeben will mit Preussen Muenster die Klasse halten.
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Der neue Chef in der Abwehr: Jan Löhmannsröben will mit Preußen Münster die Klasse halten.

Jan Löhmannsröben kehrt mit seinem Einstieg ins Team von Preußen Münster wieder in die dritte Liga zurück. Mit msl24.de spricht der gebürtige Berliner über die Bedeutung von Fans, seinen Einstand in Münster und über seine Cornflakes-Rede.

Bunt tattowiert und nicht auf den Mund gefallen: Jan Löhmmannsröben ist einer von drei Neuen im Team des SC Preußen Münster. Seit dem 1. Januar steht der Mittelfeldspieler bei den Adlerträgern unter Vertrag. In der Rückrunde will er mit dem SCP unter allen Umständen den Abstieg in die Regionalliga verhindern. Im Interview mit msl24.de sprach Löhmannsröben über seinen Einstand im Verein, seine Tattos und seine neue Heimat.

Eine goldene Ananas und warum Löhmannsröben zum SC Preußen Münster wechselte

Jan, zu Beginn: Wie geht es deinem Schädel nach dem Spiel gegen Jena? 

Jan Löhmannsröben: Joa, jetzt wieder gut. Wird auch nur ein ganz feines 'Näbchen'. Alles in Ordnung. 

War das ein komisches Gefühl gegen Jena und damit gegen deine alten Kollegen zu spielen - und dann auch noch zu gewinnen? 

Jan Löhmannsröben: Nö, das Gewinnen war natürlich ein schönes Gefühl, da ist es egal, gegen wen es geht. Ich spiele ja schon ein paar Jahre in der Liga, da trifft man häufiger auf Ex-Klubs, ob es jetzt Magdeburg, Kaiserslautern oder Jena ist. Es ist immer ein besonderes Gefühl, aber es ist nicht komisch. Es ist eher noch einmal eine Motivation gegen die Ex-Kollegen mit einem Lachen vom Feld zu gehen.

Die Hinrunde lief ja für die Preußen nicht optimal. Trotzdem bist du jetzt nach Münster gewechselt. Warum? 

Löhmannsröben: Ich wollte auf jeden Fall zurück in die dritte Liga. Dann gab es zwei, drei Optionen. Aber ich hatte sehr gute Gespräche mit Malte (Anm. d. Red.: Geschäftsführer Sport Malte Metzelder) und mir war es auch wichtig, nicht nur irgendwo für ein halbes Jahr hinzugehen und um 'ne goldene Ananas zu spielen. Ich war trotz der brisanten Situation erstaunt, dass sich hier keiner groß mit Abstiegskampf befasst, sondern eher mit: Wir haben Probleme und diese Probleme müssen wir lösen. Dann werden wir die Klasse auf jeden Fall halten und dann auch in der Zukunft weiter planen können. Hier steckt niemand schon den Kopf in den Sand und sagt 'Wir haben Existenzängste und spielen jetzt mit Angst.‘ 

Dazu ist die Truppe gut und als mein Interesse geweckt wurde, habe ich mir auch ein, zwei Spiele im Stadion angeschaut – gegen Magdeburg und gegen 1860 München. Und da habe ich gesehen, dass so auf jeden Fall kein Absteiger spielt, dass ich in die Mannschaft gut reinpassen würde und mit meinen Stärken gut helfen kann. Da war für mich relativ schnell klar, dass ich hier hinkommen möchte.

Also herrscht bei den Preußen eher Mut und der Willen, den Abstieg zu verhindern, als Angst? 

Löhmannsröben: Ja, also Angst merke ich hier nicht. Wer die Hinrunde auch ein wenig beobachtet hat, der hat gesehen, dass wir oft geführt haben und dann durch dumme Fehler oder schludrige Arbeit in der Defensive Siege verschenkt haben. Ich bin Defensiv-Spieler und so sehe ich auch meine Aufgabe. Gegen Jena haben wir natürlich trotzdem ein dummes Gegentor bekommen, aber da haben wir eben eine Führung über die Zeit gebracht bis zum Schluss. Ich denke, wenn wir das so weiterführen, kommen wir da unten raus.

Löhmannsröben bringt Disziplin und Spielfreude mit zu Preußen Münster

Was glaubst du, welche Stärken du in den Verein mitbringst? 

Löhmannsröben: Ich bringe auf jeden Fall eine gewisse Mentalität mit. Auch Spielfreude, eine Lockerheit in der Kabine und natürlich Disziplin in der Defensive. Ich versuche, die Jungs gut gegen den Ball zu organisieren und mit schnellem Umschaltspiel Akzente nach vorne zu setzen.

Fühlst du dich denn bei den Preußen wohl? Wie war dein Einstand bisher? 

Löhmannsröben: Ja, das muss ich sagen, das fand ich auch erstaunlich: Wenn man neu kommt, ist es oft erst so ein Gefühl von 'Wie wird's?'. Ich bin ja aber ein sehr offener, lockerer Mensch und nach einem Tag hatte ich bereits das Gefühl, dass ich hier schon zwei, drei Monate bin. Die Jungs sind echt homogen, haben mich gut aufgenommen, ich finde die Stadt super. Jetzt hat man auch gesehen, mit den Fans im Rücken, was das für eine Erleichterung ist. Ich hab auch gelesen, dass jetzt am Samstag 8000 bis 9000 Fans zu dem Heimspiel kommen. Das ist natürlich auch ein Statement im Abstiegskampf. Darum fühle ich mich bis jetzt pudelwohl.

"Traditionsverein mit guten Fans" – Löhmannsröben über die Anhänger von Preußen Münster

Ist dir der Kontakt zu den Fans wichtig? Preußen hat ja eine sehr treue Fangemeinde. 

Löhmannsröben: Ich denke, es ist ein Geben und Nehmen und die Mischung macht es aus. Wenn man die Fans im Rücken hat und da eine harmonische, zwischenmenschliche Beziehung mit den Fans führt, ist das förderlich. Fans sind eben wichtig – keiner will in einem leeren Stadion spielen. Und Preußen ist ein Traditionsverein mit guten Fans. Das hat man jetzt in Jena gesehen: Ich glaube, die sind fünf Stunden gefahren, waren knapp 500, das ist ein Statement finde ich. Deswegen sind wir als Spieler dann auch in der Bringschuld, alles auf dem Platz zu geben. Und die Fans müssen uns dann auch auf den Rängen so anpeitschen, dass wir uns gegenseitig hochschaukeln.

Noch einmal zurück zum Verein: Was würdest du sagen, mit wem hier aus dem Team hast du den besten Kontakt? Gibt es hier Spieler, mit denen du schon richtig dicke bist? 

Löhmannsröben: Ja, man hat immer Bezugspersonen, mit denen es auf Anhieb klappt. Das war hier der Hoffi (Anm. d. Red.: Philipp Hoffmann), mit dem hat die Chemie direkt gestimmt. Mit dem Schnitzel (Anm. d. Red.: Oliver Schnitzler) war es super, oder dem Heinz (Anm. d. Red.: Heinz Mörschel). Da sind so viele. Ich weiß nicht, wie es davor war, aber seit ich hier bin hatten wir schon fünf, sechs Abende, an denen wir zwölf oder mehr Leute waren. Wir sind mal zusammen essen gegangen oder haben bei einem zuhause gekocht und Playstation gespielt. Also ich glaube, wenn man hier etwas unternehmen möchte, ist man nie alleine. Es finden sich immer zwei, drei Leute.

Jan Löhmannsröben (r.) mit seinem Team-Kollegen vom SC Preußen beim Testspiel gegen den SC Verl.

Preußen-Neuzugang Löhmannsröben: "Münster ist eine schöne Stadt"

Haben dir deine Team-Kollegen denn auch schon Münster gezeigt, ein paar verschiedene Ecken vielleicht? 

Löhmannsröben: Ja, wir haben auf jeden Fall schon ein paar verschiedene Lokale zum Essen gehen erkundet. Man kann hier schon lecker essen. Wir sind auch ein wenig durch die Innenstadt geschlendert. Wir haben im Moment aber natürlich auch viel Training, so viel Freizeit war noch nicht drin, auch weil ich jetzt noch einen Umzug hatte und ein paar Sachen klären musste.

Und du wohnst jetzt auch hier in Münster? 

Löhmannsröben: Ich wohne hier in Münster, genau. 

Und wie gefällt es dir bis jetzt, so als neuer Einwohner von Münster? Fühlst du dich hier wohl? 

Löhmannsröben: Münster ist eine schöne Stadt. Ich komme ja eigentlich aus Berlin, das ist natürlich noch ein Stück größer. Aber Münster ist Mitten in NRW: Wenn man in eine richtig große Großstadt will, hat man alles hier um die Ecke. Aber bisher hatte ich nicht das Verlangen, hier auszureißen. Ich fühle mich hier echt wohl. Die Innenstadt ist schön und wenn das Wetter jetzt auch mal ein wenig besser wird, kann man es auch noch mal mehr genießen. 

Preußen Münster: Löhmannsröben über Tattos und Instagram

Ich habe noch eine persönliche Frage: Ich weiß, dass du sehr viele Tattoos hast. Hat jedes deiner Tattoos eine Bedeutung oder magst du es vielleicht auch einfach nur, dich tätowieren zu lassen? 

Löhmannsröben: Ich habe mit Bedeutungen angefangen, ja. Aber der Körper hat so viel Platz, so viele Bedeutungen habe ich in meinem Leben gar nicht (lacht). Ich sage mal: 70 Prozent haben schon eine Bedeutung, aber es ist auch einfach zu einem Fabel von mir geworden. Es wird jetzt langsam zu einem Kunstobjekt.

Ein Ganzkörper-Kunstobjekt? 

Löhmannsröben: Genau. (lacht)

Du teilst Fotos deiner Tattos auch bei Instagram. Sind Instagram und soziale Medien für dich wichtig, um mit Fans in Kontakt zu treten - oder benutzt du es eher privat? 

Löhmannsröben: Instagram ist immer so ein Thema – von den einen verflucht, andere lieben es. Ich denke, zum heutigen Geschäft gehört es einfach dazu, weil alles sehr auf Social Media ausgelegt und digital geworden ist. Klar macht man sich dort auch angreifbar, aber man öffnet sich eben auch gegenüber Fans oder sportinteressierten Leuten. So kriegen die auch ein bisschen mit: 'Was ist der Löh' privat für ein Mensch, was macht der so?'

Man macht mal ein Fußballbild oder ein Foto mit Fans, die das dann posten. Natürlich ist das nicht das Hauptaugenmerk, dafür sind wir Fußballer. Aber ich denke, heutzutage gehört es irgendwo dazu.

"Ich habe ein Löwenherz" – Jan Löhmannsröben von Preußen Münster

Ich habe gesehen, dass du ein Löwen-Tattoo hast. Hat das eine besondere Bedeutung für dich? Vielleicht, dass du dich selbst als Kämpfer siehst? 

Löhmannsröben: Ja, auf dem Oberschenkel habe ich es. Der Löwe ist mein Lieblingstier. Es hat jetzt nicht so eine konkrete Bedeutung. Aber ich sage immer über mich: Ich habe ein Löwenherz. Ich bin sehr familiär, beschütze gerne meine Freunde und Familie, stelle mich gern vor sie und bin auch einer, der vorangeht. Es gibt schon Ähnlichkeiten zum Löwen, es ist ein geiles Tier, das hat gepasst.

Sind diese Eigenschaften, die du gerade beschrieben hast, auch Stärken, die du mit zu den Preußen nimmst? Beschützerinstinkt, das Familiäre? 

Löhmannsröben: Ja, ich bin auf jeden Fall ein Teamplayer. Ich nehme mich – auch, wenn das vielleicht nicht immer so wirkt – auch gern mal zurück. Mich kann man um 4 Uhr morgens anrufen, wenn man Probleme hat, mit mir kann man Pferde stehlen. Ich habe immer ein offenes Ohr. Klar bin ich auch jemand, mit dem man im Training aneinandergeraten kann, aber das ist alles auf dem Platz. Danach gibt man sich die Hand und dann ist das auch vergessen. 

Ich habe, glaube ich, schon viele zweite Chancen im Leben bekommen, darum bin ich auch ein Typ, der gibt anderen auch eine zweite Chance. Ich denke, ich bin ein ganz umgänglicher Mensch. Deswegen glaube ich, dass man mich schon in jedem Team gut gebrauchen kann.

Müssen sich die Preußen und die Fans von Preußen denn auf eine neue Cornflakes-Rede einstellen? 

Löhmannsröben: Ne, ich hoffe nicht. (lacht) Mir wird das wohl noch ein paar Jahre nachgesagt. Das ist auch Fluch und Segen manchmal: Ich denke nicht groß über das nach, was ich sage. Ich trage das Herz auf der Zunge und dann sprudeln mir manchmal solche Sachen raus. Geplant ist es nicht, aber vielleicht rutscht mir in Zukunft ja noch einmal was raus.

Jan Löhmannsröben stand zuvor unter anderem beim 1. FC Kaiserslautern unter Vertrag.

Jan Löhmannsröben war nicht der einzige Neuzugang bei den Adlern: Auch Marco Königs wechselte im Winter Preußen Münster. Zudem wurde im Dezember Sascha Hildmann als neuer Cheftrainer bei Preußen Münster bestätigt. Er löst Sven Hübscher ab und soll den SCP vor dem Abstieg bewahren.

Während der Coronavirus-Krise vertreiben sich viele Fußballer die Zeit mit der StayAtHome-Challenge. Auch Jan Löhmannsröben von Preußen Münster zeigte seine Skills am Klopapier.

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