Verfahren gegen Polizist eingestellt

"Juristischer Limbotanz": SCP-Fanhilfe attackiert Staatsanwaltschaft

Ein Polizist hat nach dem KSC-Spiel einen Balljungen geschlagen. Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt.
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Ein Polizist hat nach dem KSC-Spiel einen Balljungen geschlagen. Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt.

Nach einem Heimspiel des SC Preußen Münster war ein Balljunge von einem Polizisten geschlagen worden. Das Verfahren gegen den Beamten wurde mittlerweile aber eingestellt. Die Fanhilfe des Vereins ist davon schockiert.

  • Balljunge von Polizist bei Spiel geschlagen 
  • Video kursierte im Internet
  • Polizist muss 900 Euro zahlen

Update: 30. September. Das letzte Heimspiel der vergangenen Saison gegen den KSC beschäftigte die Fans, den Verein sowie die Polizei noch Monate nach dem Abpfiff. Als die Gästefans damals den Platz stürmten, war ein Balljunge von Preußen Münster von einem Polizisten geschlagen worden. Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen den Beamten jedoch eingestellt.

Für die Fanorganisation kam diese Entscheidung nicht überraschend. Vielmehr hätten sie von Seiten der Staatsanwaltschaften schon "häufiger eine mutmaßlich prinzipielle Parteilichkeit mit Polizeibeamten beobachten müssen", heißt es in einer Stellungnahme. Darin werten die Fans den Schlag des Polizisten gegen den Balljungen von Preußen Münster als vorsätzliche Körperverletzung. Die Ermittler hingegen hatten den Vorfall als Fahrlässigkeit des Beamten eingestuft.

Die Fanhilfe von Preußen Münster wirft der Staatsanwaltschaft einen "juristischen Limbotanz" vor, um das gewünschten Ergebnis zu erreichen. "Der Beschuldigte eines Strafverfahrens darf lügen und beschönigen, um den für sich bestmöglichen Ausgang eines Strafverfahrens zu erreichen. Die Staatsanwaltschaft hingegen ist zu Objektivität verpflichtet", heißt es weiter. Dass ein Verfahren, bei dem Polizeigewalt auf Video dokumentiert wurde, eingestellt wird, erschüttert die Fanhilfe: Opfer von Polizeigewalt würden durch so eine Entscheidung alleine gelassen und das Vertrauen in einen funktionierenden Rechtsstaat würde beschädigt. 

Preußen Münster: Verfahren gegen Polizisten eingestellt

Update: 24. September. Nachdem bei einem Spiel von Preußen Münster gegen den Karlsruher SC im Mai ein Balljunge verletzt wurde, steht nun fest, dass es keinen Prozess geben wird: Das Verfahren wurde eingestellt. Im Mittelpunkt stand dabei ein Polizist, der – wie ein Video zeigtq – den 15-Jährigen während Ausschreitungen auf dem Platz schlug. 

Der Polizist, dem Körperverletzung vorgeworfen wurde, muss jedoch eine Geldstrafe im dreistelligen Eurobereich zahlen. Kommt er dieser Aufforderung nach, gilt das Verfahren als beendet. Das Polizeipräsidium Bielefeld hatte nach dem Vorfall bei Preußen Münster gemeinsam mit der dortigen Staatsanwaltschaft an dem Fall gearbeitet, um die Neutralität der Ermittlung zu gewährleisten. 

Wie Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt erklärte, wurde in dem Fall der Verdacht der Fahrlässigkeit gegen das "dynamische Geschehen" abgewogen, dass sich nach Spielende auf dem Platz des SC Preußen abspielte. Der Polizist hatte nach dem Vorfall zugegeben, einen Fehler gemacht zu haben und eine Entschuldigung angeboten, was sich strafmildernd auswirkte.

Streit um verletzten Balljungen – Fanhilfe kontert Polizei

Update: 22. Mai. Die Fanhilfe Münster hat rasch auf die Stellungnahme der Polizei im Fall um den verletzten Balljungen reagiert. Die Beamten wiesen in einer Mitteilung die Vorwürfe der Anwältin des 15-Jährigen zurück, sie hätten die Familie des Jungen nach dem Vorfall rund um das Spiel von Preußen Münster bedrängt.

So kritisiert die Fanorganisation von Preußen Münster, dass "wesentliche Kritikpunkte bei der Polizei nicht verstanden" würden. Sie räumt den Beamten ein, Personalien des Geschädigten zu erfassen, "aber wieso wurde der geschädigte Balljunge direkt im Krankenhaus ohne Kenntnis und Anwesenheit der Eltern vernommen, obwohl diese ein Anwesenheitsrecht haben, da ihr Sohn minderjährig ist?", heißt es weiter.

Zudem wird kritisiert, dass das Sichern des Videos, das den vermeintlichen Schlag des Polizisten gegen den Balljungen nach dem KSC-Platzsturm im Preußenstadion zeigt, nicht zu "menschenfreundlichen Zeiten" in dessen Elternhaus erfolgt sei – zumal das Video zu diesem Zeitpunkt bereits im Internet frei verfügbar gewesen sei.

In der Stellungnahme betonte die Polizei, die Familie des Balljungen von Preußen Münster habe sich "bislang als offen und kooperativ" gezeigt. Das, so die Fanhilfe, erzeuge einen Beigeschmack, "der die Familie und nicht den tätlich gewordenen Polizeibeamten in den Fokus stellen soll, obwohl der Polizeibeamte der Täter ist."

Auch die Anwältin des 15-Jährigen konterte die Stellungnahme der Polizei Münster: "Solange sich der Verdacht nicht ausräumen lässt, dass dieser Austausch hier ausschließlich aus zweckdienlichen Motiven und wegen der eindeutigen Beweislage und der Angst vor schlechter Presse gesucht wird, habe ich vollstes Verständnis, dass der Betroffene sich dafür nicht hergeben möchte.“

Preußen Münster: Polizei widerspricht Anwältin des Balljungen

Update: 21. Mai. Nächstes Kapitel im Fall um den verletzten Balljungen, der beim Platzsturm der KSC-Anhänger im Preußenstadion wohl von einem Polizisten geschlagen wurde: Nachdem die Anwältin des 15-Jährigen die Beamten beschuldigt hatte, dessen Familie bedrängt zu haben, widerspricht nun die Polizei Münster dieser Darstellung.

"Es gehört zu den Aufgaben der Polizei, die Personalien von Geschädigten festzustellen und vorhandenes Videomaterial zu sichern", kommentierte jetzt der münstersche Polizeipräsident Hajo Kuhlisch am Dienstag (21. Mai) die Vorwürfe der Anwältin, die von der Fanhilfe der Preußen vermittelt wurde.

Die Personalien des Jugendlichen seien noch im Rettungswagen und vor der Fahrt vom Preußenstadion ins Krankenhaus in Münster von Beamten festgestellt worden. Nachdem dann das Video auftauchte, in dem der vermeintliche Schlag des Polizisten zu sehen war, habe man Kontakt zur Familie aufgenommen. "Die Familie hatte dabei geäußert, das Video ebenfalls zugeschickt bekommen zu haben“, erklärte der Polizeipräsident weiter.

Die Familie habe sich zunächst kooperativ gezeigt. "Ich habe direkt am darauffolgenden Montag veranlasst, dass der Leiter der eingesetzten Bereitschaftspolizeihundertschaft Kontakt zur Familie aufnimmt und in meinem Auftrag das Bedauern über die erlittene Verletzung des Jungen übermittelt“, so Kuhlisch weiter. Die Bereitschaft der Eltern des verletzten Balljungen sei daraufhin jedoch zurückgenommen worden. 

Preußen Münster: Eltern des verletzten Balljungen fühlen sich von Polizei bedrängt

Update: 20. Mai. Wie die Fanhilfe des SC Preußen am Montag (20. Mai) mitteilt, hat die Anwältin der Fanorganisation den Fall übernommen und berät den Balljungen und dessen Familie rechtlich. Der 15-Jährige wurde im letzten Heimspiel des SCP von einem Polizisten geschlagen. Nachdem Videoaufnahmen den Beamten entlarvten, wird jetzt gegen ihn ermittelt.

Gegenüber den WN ließ die Anwältin Lisa Grüter zudem wissen, dass die Familie des Balljungen ein Gesprächsangebot seitens der Polizei abgelehnt habe, da sie sich von den Beamten bedrängt fühlten. So soll die Polizei im Haus der Familie nach 22 Uhr Videomaterial gesichert haben. 

Zuvor sei der Jugendliche, der beim Spiel von Preußen Münster verletzt wurde, im Krankenhaus ohne Beisein eines Erziehungsberechtigten befragt worden. Die Polizei Münster betonte indes, dass sich die Beamten stets kooperativ gezeigt hätten.

Die Folgen des Karlsruher Platzsturms beschäftigen Polizei und Fanorganisationen auch noch Wochen später.

Polizist schlägt Balljungen von Preußen Münster – jetzt äußert Kripo einen Verdacht

Update: 16. Mai. Die Polizei Münster hat sich in einer Pressemitteilung zum aktuellen Ermittlungsstand im Fall des 15-Jährigen* Balljungen, der nach dem letzten Preußen-Münster-Heimspiel von einem Polizisten geschlagen wurde, geäußert.

Die Beamten der Kriminalpolizei haben in den vergangenen Tagen des Videomaterial, das beispielsweise von der Fanhilfe Münster veröffentlicht wurde, gesichtet und ihre Ermittlungs-Ergebnisse an die Staatsanwaltschaft Münster weitergegeben. "Aufgrund dieser ersten Erkenntnisse ergibt sich gegen einen eingesetzten Polizeibeamten der Verdacht einer Körperverletzung", heißt es in der Mitteilung.

Gegen den Polizisten, der auf dem Video aus dem Preußenstadion zu erkennen ist, wurde deshalb nun ein Ermittlungsverfahren wegen des "Verdachts der Körperverletzung im Amt" eingeleitet. Wie bereits in einem früheren Update erwähnt, übernimmt die Polizei in Bielefeld fortan die weiteren Ermittlungen.

*Im früheren Verlauf der Berichterstattung wurde das Alter des Balljungen noch mit 13 Jahren angegeben. Mittlerweile hat die Polizei bestätigt, dass der Junge 15 Jahre alt ist.

Balljunge geschlagen: Preußen-Fanhilfe bezweifelt Glaubhaftigkeit der Polizei

Update: 15. Mai. Mit dem Vorfall rund um den Balljungen, der wohl von einem Polizisten nach dem Spiel gegen den KSC geschlagen wurde, befasst sich die Fanhilfe der Preußen mittlerweile intensiv. In einer weiteren Stellungnahme kritisierte sie sowohl das Vorgehen des Beamten nach dem Platzsturm, als auch das Verhalten der Polizei im Nachhinein.

Die Polizei Münster bedankte sich am Dienstag (14. Mai) in einem Tweet für die Hinweise zum Vorfall auf dem Rasen im Preußenstadion und verkündete, die Beteiligten identifizieren zu wollen. Diese Aussage bezeichnet die Fanhilfe in einem Statement als "unglaubhaft". So soll der Balljunge bereits im Krankenhaus von der Kripo zu den Geschehnissen befragt worden sein. Dort habe er ausgesagt, dass ein Polizist ihm den Schlag versetzt habe.

Daraufhin soll es seitens der Polizei ein weiteres Gesprächsangebot zwischen dem 15-Jährigen und dem mutmaßlich tätlich gewordenem Beamten gegeben haben. "Die Polizei wusste frühzeitig um den Tathergang. Warum wurde trotz dessen die Unterstellung gegenüber den KSC-Fans so lange und trotz konkreter Nachfragen durch Medienvertreter aufrecht erhalten?", heißt es im Statement der Fanhilfe von Preußen Münster. Eine Anfrage von msl24.de an die Polizei Bielefeld blieb bislang unbeantwortet. Wir berichten weiter.

Stellungnahme von Preußen Münster zu den Vorfällen

Update: 14. Mai, 15.24 Uhr. Der SC Preußen Münster hat in einer Stellungnahme den gewaltsamen Einsatz eines Polizisten gegen einen 15-Jährigen Balljungen scharf verurteilt. Der Vorfall sei, ebenso wie die Attacken einiger Preußen-Ultras gegen KSC-Fans am Hafen, nicht zu tolerieren.

Der Verein hat bereits unmittelbar nach dem Spiel Videos an die Polizei weitergegeben und vertraut auch weiterhin auf die Arbeit der Polizei: "Der SC Preußen Münster hat weiterhin großes Vertrauen in die Arbeit der Polizei und in eine lückenlose Aufklärung der Geschehnisse."

Derweil hat die Polizei Münster über Twitter bekanntgegeben, dass das Videomaterial derzeit ausgewertet wird, um die Beteiligten zu identifizieren. Die Ermittlungen dauern an.

Preußen Münster: Polizei Bielefeld übernimmt die Ermittlungen

Update: 14. Mai, 13.17 Uhr. Das Video, das den Schlag eines Polizisten gegen den 15-Jährigen zeigt, wurde nach kurzer Zeit wieder gelöscht. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Wie die Polizei Münster auf Anfrage mitteilt, sei es nicht ihre Aufgabe sich mit der Beseitigung von Videos zu befassen. 

Pressesprecher Andreas Bode bestätigte zudem, dass die Ermittlungen nun das Polizeipräsidium in Bielefeld übernommen habe – aus Neutralitätsgründen. Diese liegen vor, da der Vorfall rund um das Preußen-Spiel in Münster vorgefallen sei. Eine Anfrage von msl24.de zu möglichen Ermittlungserfolgen in Ostwestfalen wurde bislang noch nicht beantwortet. 

Balljunge beim Preußen-Spiel in Münster verletzt: Schlug ein Polizist zu?

Erstmeldung: 14. Mai, 7.23 Uhr. Münster – Der Karlsruher Platzsturm nach dem 4:1-Erfolg über den SC Preußen könnte noch weitere Konsequenzen nach sich ziehen. Die Polizei vermeldete noch am Abend, dass im Zuge der Feierlichkeiten auf dem Rasen ein Balljunge verletzt wurde. Jetzt kam belastendes Videomaterial zum Vorschein.

Die Fanhilfe Münster machte auf den Fall aufmerksam: Ein Zuschauer im Preußenstadion dokumentierte am vergangenen Samstag den Platzsturm der KSC-Anhänger, die den Aufstieg in die 2. Liga feierten. Darin ist zu erkennen, dass der 15-Jährige von einem Polizisten ins Gesicht geschlagen wurde. Der Junge krümmte sich danach vor Schmerzen.

Aufmerksame Zuschauer kümmerten sich danach um den Balljungen mit dem roten Pullover und brachten ihn an die Seitenlinie. Der Schlag des Polizisten ist im unten eingebetteten Video ab Minute 0:31 zu sehen. Die Fanhilfen aus Münster und Karlsruhe verurteilten in einer Stellungnahme das Vorgehen des Beamten scharf und fordern eine lückenlose Aufklärung. 

Dem 15-Jährigen, der im Krankenhaus behandelt werden musste, bietet die Fanhilfe von Preußen Münster zudem rechtliche Unterstützung an. Sie bitten den Balljungen, sich bei ihnen zu melden, um eine Anzeige gegen den Beamten vorzubereiten.

Ein Polizist hat nach dem KSC-Spiel einen Balljungen geschlagen. Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt.

Die Polizei Münster hatte bislang von dem Video keine Kenntnis. Auf Anfrage bestätigte sie jedoch, dass die Ermittlungen wegen Körperverletzung im Gange sind. Bei dem Einsatz im Preußenstadion waren laut Pressesprecher Andreas Bode Beamte aus dem gesamten Bundesland vertreten. 

Vor dem Spiel gegen den KSC sorgten zudem Ultras für unrühmliche Szenen: Vor einem Café am Hafen griffen 20 Anhänger von Preußen Münster Karlsruher an und verletzten einen 60-Jährigen. Für Unmut sorgte vor der Partie zudem die Tatsache, dass die Fans von Preußen Münster den Heimblock K den KSC-Anhängern überlassen mussten. Nach nur einem Jahr ist der Trikotsponsor von Preußen Münster wieder abgesprungen. Die Adler suchen nun nach einem Nachfolger.

Wie hat der SCP gespielt? Wann stehen die nächsten Spiele an? Sehen Sie hier den Spielplan der Saison 2019/2020 von Preußen Münster in der Übersicht.

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