„Die letzte Instanz“

Rassismus-Eklat nach „Die letzte Instanz“ (WDR): Janine Kunze entschuldigt sich – und erntet Spott

Die WDR-Talkshow „Die letzte Instanz“ brachte gleich mehreren Promis Rassismus-Kritik ein. Nun folgte die Entschuldigung – doch viele ZuschauerInnen sind noch immer erbost.

Köln – Eine Welle der Empörung hatte sich am Sonntag in den sozialen Netzwerken ausgebreitet. Nach einer Wiederholung der Sendung „Die letzte Instanz“ mit Moderator Steffen Hallaschka („Stern TV“) sah sich der WDR mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert – ebenso wie die vier Gäste der Show, zu denen auch Schauspielerin Janine Kunze („Hausmeister Krause“) zählte. In der Show war unter anderem über diskriminierende Sprache diskutiert worden. Unter anderem ging es darum, ob man weiterhin „Zigeuner-Schnitzel“ sagen dürfe. Allerdings war nicht das Thema Grund für den Aufschrei unter den ZuschauerInnen, sondern der Umgang der Promis mit ebenjenem. Es folgten bereits die ersten Entschuldigungen, doch die konnten die Wogen vorerst auch nicht mehr glätten.

Show:Die letzte Instanz
Sender:WDR
Besetzung:Steffen Hallaschka, Micky Beisenherz, Janine Kunze, Thomas Gottschalk, Jürgen Milski

WDR-Show „Die letzte Instanz“: Rassismus-Eklat nach kontroverser Promi-Talkshow

Was ist denn eigentlich passiert? In der Nacht von Freitag auf Samstag wiederholte der WDR in seinem TV-Programm eine Folge der Show „Die letzte Instanz“ aus dem November 2020. Das Konzept der Talkshow: Prominente Gäste sollen bewusst meinungsstark über unterschiedliche Themen diskutieren. Am Ende wird mithilfe von grünen oder roten Karten Zustimmung oder Ablehnung signalisiert. In der besagten Folge ging es unter anderem um die Themen diskriminierender Sprache und Polizeigewalt.

Zu Gast waren Entertainer Thomas Gottschalk, Gag-Autor und Moderator Micky Beisenherz, Schauspielerin Janine Kunze und Schlagersänger Jürgen Milski. Gemeinsam mit Steffen Hallaschka, dem Moderator der WDR-Sendung „Die letzte Instanz“, war gleich das erste Thema ein sehr kontroverses: diskriminierende Worte und Sprache, das Beispiel: Zi****er-Schnitzel. Die Äußerungen der Promis brachten ihnen Rassismus-Vorwürfe ein, denn fast alle von ihnen sahen in der Verwendung des Z-Wortes nicht nur kein Problem, sondern taten die Diskriminierung von Sinti und Roma durch die Bezeichnung sehr deutlich ab.

Vor allem Jürgen Milski und Janine Kunze echauffierten sich darüber, dass bestimmte Worte, die ihrer Meinung nach kulturelle Tradition hätten, verboten würden, während die Mehrheit der davon betroffenen Menschen dies gar nicht als Problem empfinden würden. Sie begründeten ihre Einschätzung damit, dass sie Freunde mit Migrationshintergrund hätten, die ihnen das gesagt hätten. Zudem habe man das Z-Wort schon immer verwendet und das sei nie problematisch gewesen. Auch Thomas Gottschalk, langjähriger Kollege von RTL-Moderator Günther Jauch, schien die Rassismus-Debatte um bestimmte Worte abzulehnen. Zudem, so erzählte er, wisse er, wie sich „Schwarze fühlen“ würden, denn er sei einmal aus großer Verehrung heraus als Musiker-Legende Jimi Hendrix verkleidet (samt Blackface) auf eine Party gegangen.

Ich war in Beverly Hills auf einer Party, wo nur weiße Banker waren. Ich hab zum ersten Mal gewusst, wie sich ein Schwarzer fühlt. Ich habe da ein richtiges Erweckungserlebnis gehabt, bei dieser Veranstaltung.

Thomas Gottschalk
„Die letzte Instanz“ im WDR sorgte für heftige Kritik in den sozialen Medien. Von links: Moderator Steffen Hallaschka und die Gaeste Juergen Milski, Micky Beisenherz, Janine Kunze und Thomas Gottschalk.

Auch das Argument, dass der Zentralrat der Sinti und Roma das Z-Wort als klischeehafte Fremdbezeichnung und als diskriminierend für die betroffenen Menschen bezeichnete, war für Jürgen Milski und Janine Kunze kein Argument: „Da sitzen wahrscheinlich zwei, drei Leute – ich sag das jetzt echt mal so lapidar dahin – die haben vielleicht auch nichts Besseres zu tun und fangen dann mit so‘m, in meiner Welt, Quatsch an. Es tut mir leid, ich will auch niemandem zu nahe treten, aber ich finde es nervig“, urteilte Janine Kunze kurzerhand über den Zentralrat der Sinti und Roma.

Das Z-Wort hatten auch die Nationalsozialisten während des Holocaust für Sinti und Roma verwendeten und ihnen in Konzentrationslagern wie Auschwitz mit einem „Z“ abgekürzt auf die Arme tätowiert, bevor sie die Menschen später töteten. Schätzungsweise 500.000 Sinti und Roma wurden zwischen 1939 und 1945 ermordet. Dies wurde in der WDR-Show „Die letzte Instanz“ jedoch nicht thematisiert, und am Ende signalisierten alle vier Promis übereinstimmend mit roten Karten, dass der Begriff „Zi****er-Schnitzel“ nicht abgeschafft werden müsse.

Wenn du dir natürlich jeden Schuh anziehst und dich immer beleidigt fühlst... Entschuldigung: Hier sitzt eine blonde Frau mit relativ großer Brust. Was meinst du denn, was wir uns anhören? Also wenn wir jetzt so anfangen, wenn ich mich jetzt für jeden Mist beleidigt fühle, Leute, dann habe ich ein echt bescheidenes Leben und vielleicht fangen wir mal an, einfach alle lockerer zu werden.

Janine Kunze

Ähnlich ablehnend äußerten sich Gottschalk, Kunze und Milski auch über gendergerechte Sprache oder den Vorwurf rassistischer Tendenzen bei der Polizei (Thema: die illegale Methode des „Racial Profiling“). Nach der erneuten Ausstrahlung der Sendung im WDR breitete sich auf Twitter eine Empörungswelle aus: Allen voran hatte Autorin Jasmina Kuhnke den Sender auf Twitter öffentlich dafür kritisiert, dass mit „Die letzte Instanz“ Rassismus nicht nur verbreitet, sondern auch heruntergespielt würde. Zudem würden erneut nicht die Menschen gehört, die von ebenjenem Rassismus betroffen seien: „Das hier ist das mit Abstand ignoranteste, arroganteste und diskriminierendste was ich seit langem im deutschen TV gesehen habe! Vier weiße Menschen, die erklären wie anstrengend und albern es ist sich mit Rassismus-Kritik auseinanderzusetzen. DANKE WDR!“

„Die letzte Instanz“ (WDR): Nach Rassismus-Eklat – Janine Kunze und Micky Beisenherz entschuldigen sich

Nachdem auf Instagram etliche, kritische Kommentare bei Janine Kunze, Schlagersänger Jürgen Milski und Moderator Micky Beisenherz eingegangen waren, hatten Kunze und Milski nächst die Kommentarfunktion deaktiviert. Später folgte dann auf der Instagram-Seite der Schauspielerin ein Foto mit einem Text. Darin entschuldigte sich Kunze für ihre Worte bei „Die letzte Instanz“ im WDR, wie auch tz.de* berichtet: „Es tut mir unendlich leid und ich habe festgestellt, dass ich nicht ausreichend aufgeklärt bin.“ Gerade als Mutter von drei Kindern müsse sie eigentlich weiter sein, räumte Janine Kunze ein.

Ich werde zukünftig meine Wortwahl überdenken, denn es war falsch, dass ich mir angemasst habe, als privilegierte weiße Frau über ein Thema zu sprechen, welches ich in seiner Konsequenz und in seinen Ausmaßen nicht beurteilen kann! Mein Wunsch ist es, dass wir voneinander lernen, uns gegenseitig unterstützen, um gemeinsam den richtigen Weg zu finden.

Janine Kunze via Instagram

Auch Gag-Autor Micky Beisenherz entschuldigte sich am Montagmorgen in seinem Nachrichten-Podcast „Apokalypse und Filterkaffee“ dafür, dass er bei „Die letzte Instanz“ im WDR den Worten von Kunze, Milski und Gottschalk nicht vehementer widersprochen habe: „Wenn da vier Kartoffeln sitzen und über Rassismus mit Karten abstimmen, dann ist im Kern ja schon mal etwas falsch, das kannst du so einfach nicht machen“, sagte Beisenherz und räumte ein, dass es dafür berechtigterweise einen „Dämpfer“ gegeben hätte. Während der Gag-Autor durchaus auch positive Antworten auf seine Entschuldigung bekam, nahmen viele Instagram-User Janine Kunze ihre Entschuldigung nicht so ganz ab:

  • Wortwahl erster Schritt. Zweiter ist dass du es innerlich reflektierst! Aber ich persönlich kaufe dir deine Entschuldigung nicht ab.
  • Ob davon wohl auch nur ein Wort selbstgeschrieben und authentisch ist?
  • EINEN GANZEN TAG lang drüber nachgedacht und alle zutiefst verletztenden und scheinbar tief verankerten Rassismen sind überdacht und du hast es verstanden?
  • Hat das Management bisschen Druck gemacht wa ?
  • Ich hoffe, dass die Worte ernst gemeint sind und nicht aus der Not heraus sich zu rechtfertigen, entstanden sind.

Kritik an „Die letzte Instanz“: WDR entschuldigt sich und gelobt Besserung

Auch der TV-Sender hatte sich bereits nach der heftigen Kritik an der Sendung „Die letzte Instanz“ entschuldigt. Der WDR gab Kuhnke in ihrer Kritik auf Twitter recht und räumte ein, dass die Sendung anders verlaufen sei, als geplant.

Liebe Jasmina Kuhnke, wir verstehen die Kritik. Sie haben recht! Der Verlauf der Sendung war nicht, wie wir es geplant und uns vorgestellt hatten. In [Die letzte Instanz, Anm. der Redaktion] sollen kontroverse Themen unterhaltsam diskutiert werden, dabei darf jeder Gast seine Meinung äußern. Aber rückblickend ist uns klar: Bei so einem sensiblen Thema hätten unbedingt auch Menschen mitdiskutieren sollen, die andere Perspektiven mitbringen und/oder direkt betroffen sind. Wir lernen daraus und werden es besser machen

WDR auf Twitter

Doch auch hier hatte die Entschuldigung des WDR für „Die letzte Instanz“ nicht die erwünschte Wirkung. Die meisten User kritisierten, dass die Redaktion von vorneherein auch von Rassismus betroffene Menschen hätte einladen müssen. Zudem fragten sich einige Kritiker, warum der WDR die Sendung dennoch mehrfach ausstrahlte, obwohl den Redakteuren angeblich selbst schon klar geworden sei, dass die Ausgabe so nicht optimal sei. Der Sender ließ die Folge vorerst aufgrund des öffentlichen Interesses in der Mediathek. (*Tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Christian Charisius und ARD Mediathek/Screenshot (Fotomontage: msl24.de)

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