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NDR: Der öffentlich-rechtliche Sender aus Hamburg

Der NDR ist Mitglied der ARD und entstand bereits 1954. Der öffentlich-rechtliche Sender hat viele beliebte Sendungen im Programm und bietet auch eine Mediathek an.

  • Der öffentlich-rechtliche Sender NDR wurde 1954 gegründet.
  • Zu den beliebtesten Sendungen gehören die NDR-Talkshow, 3nach9 und Dinner for One.
  • In der NDR-Mediathek wird ein breit gefächertes Programm angeboten.

Hamburg – Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) ist eine gemeinsame Landesrundfunkanstalt für Hamburg und die Länder Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Er gehört zum Zusammenschluss der ARD und entstand durch die Trennung des NWDR in NDR und WDR (Westdeutscher Rundfunk). Nicht nur zeigt der NDR im TV die beiden ältesten Talkshows Deutschlands, im NDR-Radio (NDR 90,3) läuft auch die älteste Radiosendung der Welt. Gemeinsam mit dem BR, HR, MDR. RBB, SR, SWR und WDR gehört der NDR zu den „Dritten Programmen“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Sender Norddeutscher Rundfunk (NDR)
SitzHamburg
Gründung 1954
IntendantJoachim Knuth
MediathekJa
MaskottchenWalross Antje

Die Geschichte des NDR

Der NDR ging bereits vier Jahre nach Gründung der ARD (Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland) 1954 aus der Spaltung des Radiosenders NWDR in NDR und WDR hervor. Zunächst ein reiner Radiosender, der ab 1956 zwei Hörfunkprogramme (NDR/WDR 1 und NDR 2) sendete, sollte es noch bis 1965 dauern, bis das erste Fernsehprogramm über den Äther ging. Gemeinsam mit Radio Bremen und dem SFB startete „Das Dritte“, später in „N3“ (Nord 3) und schließlich 2001 in „NDR Fernsehen“ umbenannt.

1977 stand der NDR kurz vor dem Aus. Gerhard Stoltenberg (CDU), damaliger Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, kündigte an, den Staatsvertrag des NDR kündigen zu wollen. Ende 1980 wurde die Kündigung dann tatsächlich ausgesprochen. Stoltenbergs Gründe waren einerseits eine angebliche Finanzkrise des Senders und andererseits die politische Ausrichtung des NDR. Er beschwerte sich etwa über die „einseitige“ und „linkslastige“ Berichterstattung. Als Beispiel nannte er die Beiträge über die Proteste gegen den Bau des Kernkraftwerks Brokdorf im Politmagazin „Panorama“. Eine Feststellungsklage gegen die Kündigung des Staatsvertrages von der Stadt Hamburg vor dem Verwaltungsgericht Hamburg wurde als unzulässig abgewiesen.

Die Zukunft des NDR war daraufhin ungewiss, doch es gab Rettung: Die drei Staatsvertragspartner des Senders – Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein – lenkten im Jahr 1980 ein und fanden schließlich einen Kompromiss, um den NDR als Drei-Länder-Anstalt weiterzuführen. In diesem Jahr wurde auch das berühmte Maskottchen des NDR vorgestellt: Das Walross Antje, das bis 2001 das Logo des NDR zieren sollte. Antje war ein pazifisches Walross, das im Tierpark Hagenbeck in Hamburg lebte (1976 bis 2003).

Am 4. April 1994 startete der NDR für 14- bis 19-jährige Hörer das Jugendprogramm N-Joy, das bis 2001 unter der Bezeichnung „N-Joy Radio“ geführt wurde. Als bislang letztes Hörfunkprogramm in der Programmgeschichte des NDR begann am 1. November 2001 das Nordwestradio, ein gemeinsames Hörfunkprogramm von Radio Bremen und NDR für das Land Bremen und den Nordwesten von Niedersachsen. In diesem Programm ging das bisherige 2. Hörfunkprogramm „Radio Bremen 2“ auf. Seit 2016 unterliegt es der Alleinregie von Radio Bremen. Im Fernsehen sendet der NDR seit dem 1. Mai 2012 in HD.

3nach9, Talkshow und Eurovision Songcontest: Das Programm des NDR

Einige der beliebtesten Sendungen im Programm der ARD werden vom NDR produziert. So ist etwa die Redaktion von ARD-aktuell in Hamburg beim NDR angesiedelt, wo die Tagesschau, die Tagesthemen, das Nachtmagazin und der Wochenspiegel produziert werden. Der NDR trägt zum Programm der ARD 17,45 Prozent bei und liegt damit nach dem WDR und dem SWR auf dem dritten Platz.

Im Verantwortungsbereich des NDR liegt auch der Eurovision Songcontest und damit eine der größten internationalen Medienveranstaltungen in der ARD. Nachdem Lena Meyer-Landrut 2010 in Oslo gewonnen hatte, organisierte der NDR auch die Ausrichtung des ESC 2011 in Düsseldorf. Der NDR steuert Inhalte zu folgenden Programmen bei:

  • Das Erste (Erstes Deutsches Fernsehen) – Gemeinschaftsprogramm der ARD
  • NDR Fernsehen
  • Phoenix
  • KiKA
  • arte
  • 3sat
  • tagesschau24
  • One
  • NDR-Mediathek

Doch auch im eigenen Programm hat der NDR zwei wahre Dauerbrenner, die bis heute die TV-Landschaft zieren. Die NDR-Talkshow und 3nach9 sind die zwei ältesten noch laufenden Talkshows im deutschen Fernsehen. Seit 1979 läuft bereits die NDR-Talkshow dreimal im Monat am Freitag. Die erste Folge wurde live aus der Szenekneipe „Onkel Pö“ in Hamburg übertragen. Zu Gast sollte unter anderem Hitlers Lieblingsbildhauer Arno Breker sein. Der Wirt des Onkel Pö protestierte jedoch gegen diesen Gast.

Insgesamt hatte die NDR-Talkshow bereits 86 ModeratorInnen. Aktuell sind diese Barbara Schöneberger und Hubertus Meyer-Burckhardt, sowie Bettina Tietjen und Jörg Pilawa. 2019 wurde die Talkshow „Tietjen und Bommes“ nach dem Ausstieg von Alexander Bommes ebenfalls in „NDR-Talkshow“ umbenannt. Seitdem gibt es zwei Moderatoren-Teams. Schöneberger und Meyer-Burckhardt moderieren zwei Folgen im Monat, Tietjen und Pilawa eine. Die Sendung wird Live-on-Tape produziert. Eintrittskarten werden aufgrund der hohen Nachfrage nur über eine Warteliste, verbunden mit mehreren Jahren Wartezeit, vergeben. Der vierte Freitag im Monat ist für 3nach9 reserviert.

Gemeinsam mit Giovanni di Lorenzo moderiert Judith Rakers die Sendung „3nach9“.

3nach9 ist die älteste Talkshow Deutschlands und wird zurzeit von Judith Rakers (seit 2010) und Giovanni di Lorenzo (seit 1989) moderiert. Die Show wird seit 1974 von Radio Bremen produziert und einmal im Monat freitags von 22 bis 0 Uhr auf NDR, HR und RBB übertragen. Wiederholungen laufen in der ARD und auf 3sat (Alle Sendetermine von 3nach9 2021 sehen Sie hier in der Übersicht). Bereits kurz nach dem Start der Show schrieb der Spiegel:

Am Dienstag letzter Woche kam aus dem Bremer Studio 3 die erste Talk-Show der Nordkette. 3nach9 genannt, mit drei Moderatoren und der Botschaft: Der Fernseher muss kein toter Briefkasten sein. Denn wenn Talk-Show, dann so oder ähnlich: kein feines Posieren auf teuren Gestühlen, sondern Leben in der Bude.

Der Spiegel, 48/1974

Am 9. März 1984 war Bordellchef Karl-Heinz Germersdorf aus Hannover zusammen mit seiner dritten thailändischen Ehefrau und seinem Rechtsanwalt in der Talkshow zu Gast. Er lieferte sich einen verbalen Schlagabtausch mit der SPD-Politikerin Herta Däubler-Gmelin und der Feministin und Autorin Gerlinde Schilcher. Letztere kippte Germersdorf während der Sendung ein Glas Wein in den Nacken. Der Zwischenfall wurde als „Thaimädchen-Eklat“ bekannt.

Jedes Jahr Silvester im NDR: Dinner for One / Der 90. Geburtstag

Im Jahr 1961 hat der NDR eine Sendung produziert, deren Erfolg in dieser Form wohl niemand vorausahnen konnte. „Dinner for One oder der 90. Geburtstag“ gehört in Deutschland zu Silvester wie Sekt und Feuerwerk. Jedes Jahr kurz vorm Jahreswechsel ist es eine liebgewonnene Tradition geworden, sich Freddie Frinton und May Warden anzusehen, wie sie gemeinsam den 90. Geburtstag der alten Dame Miss Sophie feiern. Frinton muss dabei als Butler „James“ die Rollen von vier alten Freunden einnehmen, die bereits verstorben sind. Da er dementsprechend auch für vier Leute trinken muss, nimmt das ganze recht schnell komödiantische Züge an, was den Sketch zu einem zeitlosen Klassiker werden ließ.

Der Silvester-Klassiker „Dinner for One“ mit Miss Sophie, Butler James und dem berühmten Tigerfell.

Erstmals wurde der Original-Sketch von „Dinner for One“ 1961 in der Show „Lassen Sie sich unterhalten“ mit Evelyn Künneke ausgestrahlt. Dann noch einmal 1963 in NDR-Sendung „Guten Abend, Peter Frankenfeld“. Geschrieben wurde das Stück bereits in den 1920er Jahren von Lurie Wylie. Freddie Frinton führte es schon ab 1945 in England auf, bevor er Wylie 1950/51 die Rechte abkaufte.

1963 wurden Freddie Frinton und May Warden vom NDR ins Studio B nach Hamburg eingeladen, um den Sketch neu einzuspielen. Freddie Frinton weigerte sich jedoch, dies auf Deutsch zu tun. Damit ist es eine der wenigen Sendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, die ohne Synchronisation ausgestrahlt werden. Ein Silvester-Klassiker ist „Dinner for One“ erst seit dem 31. Dezember 1972. Damals kramte Programmchef Henri Regnier das Band aus dem Archiv hervor und sendete es als Silvestersketch.

Zum Jahreswechsel 1999/2000 wurde erstmals eine nachkolorierte Farb-Fassung von „Dinner for One“ ausgestrahlt. Diese stieß auf derart negative Kritik, dass in manchen Ländern öffentlich protestiert wurde. Seitdem wird mehrheitlich die Schwarzweiß-Version gesendet. Der NDR stellt die Farbversion jedoch weiterhin in der Mediathek zur Verfügung. Auf der ganzen Welt ist der Sketch zu einem alljährlichen Kult-Ereignis geworden, so zum Beispiel in Finnland, Südafrika, Grönland, Australien oder Schweden. Einzig in seiner ursprünglichen Heimat Großbritannien ist „Dinner for One“ lange Zeit weitgehend unbekannt geblieben. Hier wurde 2018 erstmals eine Adaption des Sketches im TV gezeigt.

Der NDR in der Kritik

Eine strahlend weiße Weste hat der NDR jedoch nicht. Im Laufe der Jahre kam es zu einigen Skandalen innerhalb des TV-Senders. Im Jahr 2009 fand die Süddeutsche Zeitung heraus, dass die damalige Fernsehspiel-Chefin des NDR, Doris Hinze, Verträge über Drehbücher abgeschlossen hatte, die von ihr selbst und ihrem Ehemann eingereicht worden waren. Sie nutzten dafür die Pseudonyme „Niklas Becker“ und „Marie Funder“. Wegen Bestechlichkeit, Betrugs, und Untreue wurde Hinze zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Jahren auf Bewährung verurteilt.

Im Juli 2005 wurde Frank Döhrmann, damaliger Geschäftsführer der NDR-Tochter „Studio Hamburg“ fristlos entlassen. Der Grund: Döhrmann hatte versucht, für Schleichwerbung in einem bereits abgedrehten Beitrag nachträglich Geld herauszuschlagen. Ende 2018 kaufte der NDR ein Emil-Nolde-Gemälde aus der eigenen Kunstsammlung zurück, welches 1979 mutmaßlich von einem NDR-Mitarbeiter gestohlen worden war. Obwohl der Sender ein Recht auf das Bild hatte, wurde 20.000 Euro als eine Art Finderlohn gezahlt.

Alles online: Die NDR-Mediathek

Neben den zahlreichen Radio- und Fernsehsendern betreibt der NDR auch eine Mediathek. Hier hat der Zuschauer Zugriff auf viele Filme, Dokumentationen, Servicesendungen und in der Kategorie „NDR Retro“ auch Einblicke in die Geschichte des Senders. Unter anderem stehen hier historische Nachrichtensendungen und mehr zur Verfügung. Das Angebot in der NDR-Mediathek wird durch ARD-Inhalte erweitert und bietet Sendungen für alle Altersgruppen.

Rubriklistenbild: © NDR/Uwe Ernst

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