Staffel 1

Nach Homophobie-Eklat um „Promis unter Palmen“: Sat.1 zieht Konsequenzen

Weil Sat.1 schwulenfeindliche Äußerungen unkommentiert bei „Promis unter Palmen“ einbaute, waren viele Zuschauer wütend. Nun lenkt der Sender ein und reagiert.

Heftige Kritik hagelte es jüngst für Sat.1: In der 1. Folge der 2. Staffel „Promis unter Palmen“ zeigte der Privatsender den homophoben Verbalausbruch vom Adoptivprinz Marcus von Anhalt. Eine kritische Einordnung der Situation innerhalb der Folge selbst blieb aus, die Aussagen des 54-Jährigen blieben in der Show somit – jedenfalls vonseiten des Senders – unkommentiert stehen.

In den Medien und den sozialen Netzwerken reagierten viele Menschen stark auf die Darstellung der schwulenfeindlichen Aussagen bei „Promis unter Palmen“ und warfen Sat.1 vor, die Beleidigungen und den homophoben Hass für die eigene Quote bewusst genutzt zu haben. (Lesen Sie dazu auch unseren Meinungsartikel zu der „Promis unter Palmen“-Folge.) Nun äußerte sich der Sender erneut zu den Vorwürfen und räumte Fehler ein.

Show:Promis unter Palmen
Sender:Sat.1
Erstausstrahlung:25. März 2020
Staffeln:2
Besetzung:Claudia Obert, Emmy Russ, Kate Merlan, Elena Miras und mehr

„Promis unter Palmen“: Sat.1 sperrt Folge und ändert Zusammenarbeit

„Prinz Marcus von Anhalt hat sich bei #PromisunterPalmen inakzeptabel homophob geäußert. Wir haben versucht, diese Aussagen im Umfeld und im Anschluss der Sendung einzuordnen. Aber wir müssen feststellen: Diese Einordnung war so nicht ausreichend“, verkündete Sat.1 am Tag nach der Ausstrahlung auf seinem offiziellen Twitter-Account. Als Konsequenz kündigte der Sender an, die besagte Auftakt-Folge von „Promis unter Palmen“ nun „online von allen Plattformen zu entfernen“. Zudem würde es in Zukunft keine Zusammenarbeit mehr mit von Anhalt geben, heißt es weiter.

Prinz Marcus von Anhalt hat sich bei #PromisunterPalmen inakzeptabel homophob geäußert. Wir haben versucht, diese Aussagen im Umfeld und im Anschluss der Sendung einzuordnen. Aber wir müssen feststellen: Diese Einordnung war so nicht ausreichend. Deswegen haben wir uns entschieden, die Folge online von allen Plattformen zu entfernen. Prinz Marcus von Anhalt wird in Zukunft in keiner Show von SAT.1 mehr stattfinden.

Sat.1 auf Twitter (getweetet am 13. April, 19.02 Uhr)

Nach „Promis unter Palmen“-Eklat: Macht Sat.1 sich unglaubwürdig? Kritik auf Twitter

Dass sich der TV-Sender nun so einsichtig zeige, nehmen ihm viele Twitter-User in den Kommentaren unter dem Post nicht ab. „Ihr seid so heuchlerisch“, schrieb ein User zum Beispiel. „Das schlägt dem Faß den Boden aus. Die gleiche Masche habt ihr letztes Jahr auch abgezogen & Besserung gelobt. Wat is?“ Der Tweet zielt darauf ab, dass Sat.1 die umstrittene 5. Folge der 1. Staffel von „Promis unter Palmen“ im vergangenen Jahr ebenfalls nach heftiger Kritik kurzzeitig von den Online-Plattformen genommen hatte (sie ist mittlerweile aber wieder verfügbar). In der Folge wurde, ebenfalls unkommentiert, Mobbing und Ausgrenzung gegen die damalige Kandidatin Claudia Obert gezeigt. „Ihr zieht 1zu1 die gleiche Nummer nochmal ab. Unfassbar. Ihr solltet euch in Grund und Boden schämen“, lautet deswegen das Urteil des Twitter-Users.

Andere Kommentatoren waren von der Entscheidung, die Folge online herauszunehmen, aus unterschiedlichen Gründen nicht begeistert. „Schade das ich es mir dann nicht angucken kann, alleine schon um mir selbst eine Meinung zu Bilden... Danke für nichts...“, und: „Das ist völlig inakzeptabel - als Fan eurer Sendung freue ich mich den ganzen Tag auf die Folge u jetzt das ?! Wenn es gesendet wurde muss es jetzt allen zugänglich gemacht werden.“

Kommentar: Einsicht ist keine Einsicht, wenn dahinter Methode steckt

In vorherigen Tweets hatte Sat.1 bereits die Entscheidung, die Folge von „Promis unter Palmen“ so auszustrahlen, damit erklärt, dass man mit dem Zeigen der schwulenfeindlichen Hasstiraden die Realität abbilden wolle. Die Einordnung lagerte der TV-Sender allerdings auf Twitter und in die Late-Night-Show aus. Das ist zu wenig und völlig unangemessen. Ohne eine kritische Einordnung der gezeigten Homophobie in der Show selbst wird diese lediglich reproduziert, vervielfältigt und für die Quote benutzt. Doch das ist nur die eine Seite der Kritik, der sich Sat.1 nun zu Recht stellen muss.

Die andere Seite ist, dass das alles doch nicht zum ersten Mal passiert. Sehr Ähnliches ist doch bereits in der 1. Staffel 2020 geschehen, als die Kandidaten im vergangenen Jahr völlig freidrehten, Sat.1 aber alles munter ausstrahlte. Und 2021 zeigt der Sender nun erneut menschenverachtende Inhalte, erneut ist die Show offenbar auf maximale Eskalation ausgelegt und erneut beendet man im Nachhinein jegliche Zusammenarbeit mit einem der selbst ausgesuchten Kandidaten, dessen Einstellungen den Verantwortlichen doch sicherlich schon vorher bekanntgewesen sein dürften. Sat.1 muss sich nun also auch dieser Frage stellen: Handelt es sich bei dem jüngsten Statement nun um Einsicht – oder steckt hinter den Aktionen Methode?

Rubriklistenbild: © Sat.1

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