Meinung

Das furchtbare „Sommerhaus der Stars“ findet sein furchtbares Ende

Das „Sommerhaus der Stars“ (RTL) endete genauso wie es begann: ganz, ganz furchtbar. Das sieht zumindest unsere Redakteurin so und fragt: Hat hier denn wirklich niemand irgendetwas dazugelernt?

Da war es endlich so weit: Endlich lief das große Wiedersehen vom „Sommerhaus der Stars. Mit großer Spannung hatten die Fans auf das Aufeinandertreffen der Promi-Paare gewartet – das Finale war wirklich nur noch Nebensache. Vor allem war doch interessant, wie sich die Stars äußern würden, jetzt, wo die Sendung ausgestrahlt worden ist und sie sich selbst beim Herumschreien und Beschimpfen zusehen mussten. Würden die Kandidaten Einsicht zeigen? Würden sie sich gar entschuldigen? Und wie würde sich RTL dazu äußern? Kurz gesagt: Es kam, wie es kommen musste.

Denn die Wiedersehens-Sendung vom „Sommerhaus“ war eine einzige Shitshow: Nicht nur, dass die Promis für ihr asoziales Verhalten immer wieder Ausreden fanden und sich gegenseitig verbal an die Gurgel gingen. Sie scheinen auch in all den Wochen wirklich nichts dazugelernt zu haben: Es folgten Ausreden, Erklärungen und Ausflüchte. Doch auch der TV-Sender RTL machte überhaupt keine gute Figur.

Show:Das Sommerhaus der Stars – Kampf der Promipaare
Sender:RTL
Erstausstrahlung:13. Juli 2016
Länge:90 bis 235 Minuten
Jahr(e):seit 2016
Auszeichnung:Deutscher Fernsehpreis für die beste Unterhaltung Reality

Wiedersehen vom „Sommerhaus der Stars“: Andrej und Jenny können nur verlieren

Vor allem Andrej Mangold bekam einiges zu hören. Dem 33-Jährigen wurde Manipulation und Hetze gegen seine Ex-Flamme Eva Benetatou vorgeworfen. Der Sportler schaffte es auch nur so mittelprächtig, sein Verhalten im „Sommerhaus der Stars“ zu rechtfertigen. Dann wendete sich sogar Lisha gegen ihren „großen Bruder“ Andrej und kritisierte seine Spielchen, die sie erst bei der TV-Ausstrahlung gecheckt hätte. Doch wirkliche Einsicht von Andrej, dass das alles irgendwie total daneben war? Fehlanzeige. Auch Annemarie Eilfeld, Tim Sandt und Lou sahen scheinbar keinen Fehler in ihrem Verhalten.

Wie wir bereits in einem anderen Artikel urteilten, konnte Andrej Mangolds Plan gegen Eva Benetatou im „Sommerhaus“ nur schiefgehen: Der Konflikt mit Eva war bereits mit ihrem Einzug vorprogrammiert. RTL hatte die Falle aufgestellt – und Team Bachelor hatte sich bäuchlings hineingeworfen. Irgendwie bekam Eva am Ende auch, was sie wollte: Sie ging mit der klaren Agenda ins Haus, Deutschland das „wahre Gesicht“ von Mangold zu zeigen, wie sie selbst sagte. Auch, wenn sie jetzt plötzlich nur noch von „Aussprache“ und „Frieden schließen“ spricht (das klang am Anfang noch ganz anders).

Das große Wiedersehen beim „Sommerhaus der Stars“: Georgina Fleur schießt scharf

Für Aufsehen sorgte jedoch auch der furchtbare Fremdschäm-Auftritt von Georgina Fleur. Obwohl sie und ihr Kubi bereits in Folge eins vom „Sommerhaus der Stars“ durch die anderen Kandidaten vom Hof gejagt wurden (verständlicherweise), ließ die 30-Jährige es nicht aus, den Anwesenden immer wieder ihre Meinung zu geigen. Für Fleur eine klare Sache: Schließlich wurde ihr Sendezeit im „Sommerhaus“ geklaut. Die stehe ihr bei der Wiedersehens-Show dann natürlich zu, oder?

Sogar für Kubis Spuck-Attacke, für die sich der 41-Jährige nachdrücklich bei Andrej entschuldigte (Lob dafür), fand Georgina später Ausreden und Rechtfertigungen. Am schlimmsten wurde es jedoch, als RTL gegen ihren ausdrücklichen Willen eine Instagram-Story der 30-Jährigen abspielte, in der sie mit Kubi abrechnete. Georgina erzählte in dem Video davon, dass ihr Kubi die Nase gebrochen und sie krankenhausreif geprügelt habe. Vor Gericht habe sie ihn dann jedoch geschützt.

Georgina Fleur und Kubi beim großen Wiedersehen vom „Sommerhaus der Stars“. (www.tvnow.de)

Tatsächlich war Georgina zur Gerichtsverhandlung im September nicht erschienen und Kubi hatte am Ende einen Freispruch erhalten, wie die Rhein-Neckar-Zeitung berichtet. Als Georgina bei der Wiedersehens-Show versichert, dass sie und Kubi aber wieder glücklich miteinander seien, sagt die Moderatorin Angela Finger-Erben bloß mit einem kleinen Lacher: „Ok, ihr habt euch wieder total lieb. Ich bin gespannt, wie lange.“ Damit war die Geschichte dann auch gegessen. Als wäre das Thema häusliche Gewalt etwas, was man mal eben hervorzaubert, wenn es zur Dramaturgie passt, und dann mit einem Augenzwinkern beiseiteschieben könnte. Nett, RTL, wirklich nett.

Wiedersehen vom „Sommerhaus der Stars“: Die „befreiende Wirkung“ von Mobbing?

Auch den Hass, dem Eva Benetatou im „Sommerhaus der Stars“ ausgesetzt war, spricht RTL zwar an. Aber dabei fällt der Blick nur auf die Kandidaten. Natürlich sind sie es am Ende, die beschimpft und beleidigt haben. Aber der TV-Sender wurde während der Ausstrahlung ebenfalls stark für die Zurschaustellung von Mobbing und die fehlende Einordnung kritisiert. Auch wir fragten uns bereits nach Folge eins, ob RTL mit der fünften Staffel vom „Sommerhaus der Stars“ die Endstufe des Trash-TV bereits erreicht hat. Der „SternTV“-Moderator Steffen Hallaschka brachte es einmal wunderbar auf den Punkt, wie RTL scheinbar das Mobbing im eigenen Format einschätzte. Denn er moderierte nach der TV-Ausstrahlung vom „Sommerhaus“ seine eigene Show sehr, sagen wir, interessant an (in der Ausgabe von „SternTV“ ging es übrigens um die seelen-zerstörischen Folgen, die Mobbing haben kann, wie Hallaschka beschrieb):

Falls Sie gerade zwei Stunden lang, ja, die befreiende Wirkung von Häme, Missgunst und Schadenfreude genossen haben beim ‚Sommerhaus der Stars‘, müssen Sie sich nicht schlecht fühlen. Das ist kein Grund, schlechtes Gewissen zu entwickeln. Wer ein Stockbett im Sommerhaus bucht, der weiß in aller Regel vorher, dass ihn so ne Art mediale Tortenschlacht erwartet.

Steffen Hallaschka bei „SternTV“

Auch beim großen Wiedersehen folgte keine klare Positionierung von RTL, keine Selbstkritik, keine Einordnung der teils heftigen Szenen. Allerdings äußerte sich Kai Sturm, Unterhaltungschef von RTL, am selben Tag im Gespräch mit Übermedien (paywall) zu der aktuellen Staffel vom „Sommerhaus der Stars“ und räumte ein, dass man eine solche Eskalation nicht habe kommen sehen. Zudem seien noch viel schlimmere Dinge im Sommerhaus vorgefallen, die der Sender dann aber nicht ausgestrahlt habe. Es seien sogar Folgen gekürzt worden. Doch es werde eine weitere Staffel geben, kündigt Sturm an – und auch einige der Stars würden noch einmal teilnehmen, wie sie beim Wiedersehen verkündeten.

Also nichts daraus gelernt? Niemand? Zumindest weiß Andrej Mangold ziemlich genau, worum sich all das am Ende drehte – der Hass, das Mobbing, die Beschimpfungen, die Hetze, die Eskalationen: „Am Ende des Tages ist es ne Show. Es geht um Quoten. Die Quoten haben wir am Ende alle gebracht, die Show ist sehr erfolgreich gewesen.“ Für den Spruch wird der 33-Jährige heftig von seinen Promi-Kollegen kritisiert. Aber eigentlich wissen sie doch alle sehr wohl, dass er damit den Nagel auf den Kopf getroffen hat.

Rubriklistenbild: © TVNOW (Fotomontage)

Kommentare