Schwere Vorwürfe

Metzelder: Ex-Profi lässt auch seine Stiftungs-Ämter ruhen

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Ex-Fußball-Profi Christoph Metzelder steht in Verdacht, Kinderpornografie verbreitet zu haben.

Ex-Fußball-Nationalspieler Christoph Metzelder steht in Verdacht, Kinderpornografie verbreitet zu haben. Die Ermittlungen gegen ihn haben nun weitreichende Folgen. 

Update vom Montag, 09.09.2019, 10.45 Uhr: Ex-Fußball-Nationalspieler Christoph Metzelder lässt bei der nach ihm benannten Stiftung seine Ämter ruhen. Das teilte der Stiftungsvorstand mit. Dies gelte bis zur Aufklärung der Vorwürfe gegen den 38-Jährigen. Der Internet-Auftritt der Stiftung war bereits vor einigen Tagen mit dem Hinweis auf Wartungsarbeiten vom Netz genommen worden. Die Stiftung des Ex-Fußballers engagiert sich für Kinder und Jugendliche.

Christoph Metzelder lässt Ämter bei Stiftung ruhen

Als Reaktion auf die Vorwürfe gegen Metzelder hatte zuvor Theologie-Professor Peter Schallenberg das Kuratorium der Stiftung verlassen. Er hatte dies mit der Schwere der Vorwürfe und dem Schweigen Metzelders begründet.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte mitgeteilt, dass gegen Metzelder wegen des Verdachts der Verbreitung von Kinderpornografie ermittelt werde. Bislang hat der Vize-Weltmeister zu den Vorwürfen geschwiegen.

Die von ihm mitgegründete PR-Agentur hat er nach Bekanntwerden der Vorwürfe verlassen. Metzelders Teilnahme am Fußballlehrer-Lehrgang des DFB ruht ebenfalls.

Christoph Metzelder verlässt seine PR-Agentur

Update vom Freitag, 06.09.2019, 13.42 Uhr: Die schweren Vorwürfe gegen Christoph Metzelder haben weitere Konsequenzen für den ehemaligen Fußballprofi. Nachdem die ARD schon angekündigt hatte, die Zusammenarbeit mit Metzelder ruhen zu lassen, verlässt er die von ihm mitbegründete PR-Agentur. Diese Entscheidung habe man gemeinsam getroffen, sagte sein Geschäftspartner Raphael Brinkert auf dpa-Anfrage. Eine gemeinsame Fortführung der Agentur "BrinkertMetzelder" sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. 

Auch der DFB hat auf Anfrage mitgeteilt, dass die Teilnahme Metzelders am Trainerlehrgang in Hennef aufgrund der Ermittlungen "bis zur Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe“ ruht. 

Christoph Metzelder: Ermittlungen wegen des Verdachts der Verbreitung von Kinderpornografie

Update, 04.09.2019, 19.08 Uhr:

Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat den Ablauf im Fall der Ermittlungen gegen Christoph Metzelder präzisiert. Der erste Hinweis an die Polizei, wonach eine Frau kinderpornografische Dateien von Metzelder erhalten habe, sei von einem Dritten gekommen, sagte nun Behördensprecherin Liddy Oechtering. Erst danach habe die Polizei die Frau kontaktiert und sie als Zeugin befragt.

Zunächst hatte die Behörde am Vormittag mitgeteilt, dass die Empfängerin der mutmaßlich kinderpornografischen Dateien selbst eine Strafanzeige gegen den Ex-Nationalspieler erstattet habe. Sie sei aber nicht aktiv auf die Polizei zugegangen, heißt es nun. Ob sie Strafanzeige erstattet hat, sei derzeit unklar.

Erstmeldung vom Mittwoch, 04.09.2019, 15.56 Uhr: Hennef/Hamburg/Düsseldorf - Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen den ehemaligen Fußball-Profi Christoph Metzelder aufgenommen. Der Vize-Weltmeister von 2002 sieht sich dem Verdacht auf Verbreitung von Kinderpornografie ausgesetzt. Das hat eine Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch (04.09.2019) bestätigt.

Der 38 Jahre alte Metzelder wurde laut eines Berichts der Bild am Dienstag von LKA-Fahndern von der Sportschule in Hennef abgeholt, wo der frühere Innenverteidiger gerade an seiner Lizenz zum Fußball-Lehrer arbeitet. Laut Staatsanwaltschaft durchsuchten Ermittler daraufhin Metzelders Haus in Düsseldorf. Sie hätten Durchsuchungsbeschlüsse des Amtsgerichts Hamburg vollstreckt. 

Frau aus Hamburg erstattet Anzeige gegen Christoph Metzelder – Laptop, Handy und Computer sichergestellt

Wie die Staatsanwaltschaft verlautbaren ließ, hatte eine Frau aus Hamburg Anzeige erstattet. Sie legte der Polizei mindestens 15 pornografische Fotos vor, die sie von Christoph Metzelder per Whatsapp erhalten haben will. Das Hamburger LKA wertete die Daten aus und leitete Ermittlungen ein. 

Bei der Durchsuchung sollen mindestens ein Laptop und ein Computer sichergestellt worden sein, auch das Handy von Metzelder haben die Ermittler laut Informationen der Bild mitgenommen. Die Beweismittel müssten nun ausgewertet werden, hieß es vonseiten der Staatsanwaltschaft. 

Der Beschuldigte war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Gegenüber den Ermittlern habe sich Metzelder zu den Vorwürfen nicht geäußert, berichtete Staatsanwältin Oechtering. Ihm sei aber Gelegenheit dazu gegeben worden - "rechtliches Gehör", wie es im Amtsdeutsch heißt. Metzelder habe sich kooperativ verhalten und sei nicht festgenommen worden, hieß es.

Erste Konsequenzen: ARD lässt Zusammenarbeit mit Christoph Metzelder ruhen

Die Ermittlungen gegen den 38-Jährigen haben schon erste Konsequenzen. Die ARD hat angekündigt, die Zusammenarbeit mit Christoph Metzelder vorerst ruhen zu lassen. Der ehemalige Nationalspieler fungiert dort als TV-Experte. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky erklärte auf tagesschau.de: "Bis zur Klärung der Vorwürfe werden wir die Zusammenarbeit mit Christoph Metzelder ruhen lassen.“

Erst am Montag hatte sich Metzelder zusammen mit seinem Geschäftspartner in einer Foto-Montage mit gewaltigem Bauchumfang präsentiert: "Wie wäre es mal wieder mit Sport?", witzelte der 38-Jährige. Die Botschaft war, dass die Werbeagentur, deren Mitgründer Metzelder ist, sich nicht mehr nur sozialen Kampagnen verschrieben hat, sondern auch dem Sport-Marketing widmen will.

2006 rief Fußballprofi die Christoph-Metzelder-Stiftung ins Leben

Bereits 2006 hatte er als aktiver Fußballprofi die Christoph-Metzelder-Stiftung ins Leben gerufen, die sich für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche einsetzt. Am Mittwoch war ihre Webseite zeitweise nicht zu erreichen. Mit seinem Engagement für die CDU und gegen Nazis hat sich der Westfale auch Feinde gemacht. 

Die Kommentarspalten seiner Social-Media-Auftritte füllten sich am Mittwoch rasch mit hasserfüllten Kommentaren, immer wieder unterbrochen von besonnenen Stimmen, die daran erinnerten, dass nichts bewiesen sei und für Metzelder die Unschuldsvermutung gelte. Die Social-Media-Seiten wurden mittlerweile abgeschaltet. (mit Agenturen)

Von Melanie Gottschalk

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