Stadtmeisterschaften im Kultsport

Das bessere Tennis? Warum Speckbrett in Münster so beliebt ist!

Speckbrett gehört zu Münster wie das Fahrrad! Wir erklären Ihnen, was es mit dem Sport auf sich hat – und warum Sie sich auch ohne Vorerfahrung noch schnell für die Meisterschaft anmelden sollten.

Münster – Es ist wie Tennis mit einem Holzbrettchen aus Omas Küche: Speckbrett ist eine Sportart, die im Schwarzwald erfunden wurde – aber in der Westfalenmetropole gelebt wird. Sie genießt in Münster deshalb auch längst Kultstatus.

Speckbrett ist in Münster sehr beliebt. Aber auch über die Grenzen dieser Region hinaus ist das Interesse an der seltenen Sportart gewachsenen. Für alle Fans gibt es eine eigene Facebookseite, die wöchentliche Updates zu dem Kultsport postet. In Münster wird übrigens auch jedes Jahr die Weltmeisterschaft im Speckbrett ausgetragen!

Seinen Höhepunkt hatte das Speckbrett allerdings eher Mitte der 1980er Jahre: als Boris Becker in Wimbledon das Turnier gewann. Kein Wunder: Speckbrett ist nicht nur das günstigere Tennis – für einige Fans ist es sogar das bessere.

Das bessere Tennis? Darum ist Speckbrett so beliebt!

Speckbrett hat drei große Vorteile: Der Einstieg ist einfach, die Ausrüstung ist günstig und Erfolge sind schnell zu erreichen. Im Gegensatz zu Tennis ist die Hemmschwelle enorm niedrig und so treffen sich beim Speckbrett alle sozialen und Altersklassen. 

  • Einfach: Die Handhabung des Speckbretts, also des eigentlichen Schlägers, ist enorm einfach. Er ist zwar schwer, aber im Gegensatz zum Tennis kommt es nicht ganz so sehr auf die Zielgenauigkeit an. Auch sind die Plätze in Münster frei zugänglich und müssen nicht gebucht werden. 
  • Günstig: Für den Speckbrettsport braucht es nicht mehr als den namensgebenden Schläger und die passenden Asche- und Asphaltplatz. Beides ist in Münster leicht zu haben: Schläger können sich Neuzugänge im Café "Tante August" kostenlos ausleihen und die Plätze sind frei zugänglich.
  • Erfolgreich: Da der Einstieg in den Sport und das regelmäßige Training sehr leicht fällt, stellen sich auch Erfolgserlebnisse schnell ein. Zwar braucht es bis zur annähernden Perfektion auch bei dieser Sportart einige Zeit, aber lockere Partien sind von Anfang an möglich.

Dass Speckbrett in Münster so beliebt ist, liegt aber nicht nur an der einfachen Handhabung des Sports, sondern auch an seiner Geschichte. Er wurde im Münsterland erfunden (siehe: "Kleine Geschichtsstunde: Wie ist Speckbrett entstanden?") – und deshalb wird in der Domstadt auch jedes Jahr die "Weltmeisterschaft" ausgetragen. Diese findet 2018 vom 18. August bis zum 22. September und damit bereits zum 50. Mal statt.

Zugegeben, es melden sich meist nur Münsteraner an! Aber das macht auch den Charme dieses Turniers aus: Jeder ist willkommen – ob Profi oder absoluter Anfänger. Denn den Organisatoren geht es vor allem um den Spaß und das Gemeinschaftsgefühl, weniger um Rivalität. 

Auch Christian Buller nimmt bereits zum sechsten Mal an dem Turnier teil – zusammen mit ein paar Kumpels: "Gegen die meisten Gegner haben wir zwar keine große Chance, kommen aber trotzdem jedes Jahr wieder", erzählt er. Die Erklärung dafür ist einfach: Die Stadtmeisterschaften sind eher familär und unkompliziert. Eine Blamage ist quasi nicht möglich. Anmeldungen sind derzeit noch auf dieser Webseite möglich. Die Teilnahme kostet 6 Euro für eine Klasse, 4 Euro für jede weitere.

Freie Plätze: Wo wird Speckbrett gespielt?

In Münster gibt es gleich mehrere Orte, an denen Spreckbrett gespielt werden kann. Dazu ist eigentlich nur ein Asche- und Asphaltplatz notwendig, der die richtigen Maße hat. Denn der Platz für ein Speckbrettspiel ist kleiner als ein Tennisplatz: 20 Meter lang und neun Meter breit. Außerdem ist an jeder Seite ein halber Meter für das Doppel reserviert. 

Freie Plätze gibt es also quer über Münster verteilt: in Kinderhaus, Gievenbeck, Mecklenbeck, Albachten, Hiltrup, Gremmendorf und Angelmodde. 

Wer sich mit dem Sport erstmal vertraut machen möchte, der sollte das Angebote vom Café "Tante August" nutzen und sich einen Schläger ausleihen. Im Südpark wird fast täglich Speckbrett gespielt – ein Gegner ist also schnell gefunden.

Die Regeln: Wie wird Speckbrett gespielt – und womit?

Der Einstieg in diesen Sport ist nicht sonderlich schwer. Die Regeln des Speckbretts sind leicht: Es braucht nur ein kleines Grundwissen – und das richtige Equipment.

  • Das Spielfeld ist meist ein Asche- oder Asphaltplatz. Er ist 20 Meter lang und acht Meter breit im Einzel, neun Meter im Doppel. Die Netzhöhe liegt in Münster bei 91,5 Zentimeter. 
  • Der Schläger besteht aus einem Holzbrett mit Griff: ein Speckbrett also. Ursprünglich sah er mal wie ein Küchen-Schneidbrett aus der Küche. Heute aber hat er viele eingebohrte Löcher in gitterförmiger Anordnung. Diese gibt es überwiegend bei Westfalenfleiß in Münster zu kaufen: Wo? Gut Kinderhaus (Am-Max-Klemens-Kanal 19). Tipp: Vorher anrufen (0251/921 03 56) und nachfragen, ob noch welche da sind. 
  • Als Spielball wird ein handelsüblicher Tennisball genutzt. 

Kommen wir also zu den Spielregeln: Sie entsprechen überwiegend den Tennisregeln – mit Ausnahme der Zählweise und der Aufschlagregel. 

  • Die Zählweise: Jeder Ballwechsel bringt einen Punkt. Beim Speckbrett gewinnt derjenige, der zuerst 21 Punkte erreicht hat. Eine Ausnahme ist der Spielstand 20:20. Wie beim Tischtennis gewinnt der Spieler, der zuerst zwei Punkte Vorsprung hat.
  • Beim Aufschlag muss der enstprechende Spieler hinter der Grundlinie stehen und den Ball immer in das ihm diagonal gegenüberliegende Einzel-Spielfeld schlagen. Doch im Gegensatz zum Tennis darf der Spieler immer die volle Spielfeldlänge benutzen. Aufschlag hat der Verlierer des letzten Ballwechsels. "Bei gerader Punktezahl des Gegners schlägt er von der rechten Seite auf, bei ungerader von der linken. Beim Doppel bleiben die Partner beim Aufschlag (und Return) innerhalb eines Satzes immer auf derselben Seite stehen, das heißt einer schlägt immer von rechts und der andere immer von links auf", heißt es in den Regeln des Speckbrettsports des Vereins "Schwimmvereinigung Münster von 1891".

Kleine Geschichtsstunde: Wie ist Speckbrett enstanden?

Der SV 91 Münster schreibt auf seiner Webseite das Folgende zur Entstehung des Sports: "Im Sommer 1929 fuhren 15 Jugendliche der "Schwimmvereinigung Münster von 1891" zum Titisee. Dort hatten befreundete Schwimmer aus Freiburg ihr Clubhaus, in dem eine Tischtennisplatte stand. Wenn es jedoch bei sommerlicher Hitze im Gebäude zu stickig wurde, spielten sie im Freien eine Art Minitennis. 

Dazu spannten sie ein altes Tennisnetz, das einen dürftig planierten Sandplatz halbierte. Über das Netz wurde ein abgewetzter Tennisball hin- und herbefördert. Als Schläger dienten ihnen Küchenbretter. Tennisschläger waren damals für viele zu teuer. Die münsterischen Gäste waren begeistert und importierten die Idee in die Westfalenmetropole. In den Osterferien 1930 entstanden schließlich in Sudmühle die ersten beiden Speckbrettplätze. Nicht nur in Sudmühle, sondern im gesamten Stadtgebiet gewann das Spiel in den folgenden Jahren Freunde."

Mittlerweile gibt es drei Vereine in Münster, die eine eigene Speckbrettabteilung haben: 

  • Speckbrettverein Sentruper Höhe e. V. 
  • Schwimmvereinigung Münster von 1891 e. V.  
  • TuS Hiltrup 1930 e. V.

Lesen Sie auch unseren Artikel über den neuste Trend im Südpark: Spikeball erobert Münster.

Rubriklistenbild: © Christian Buller

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