Frauen-Fußball

Wolfsburgerin Harder vor Wechsel zum FC Chelsea

Steht vor einem Wechsel nach England: Pernille Harder. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
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Steht vor einem Wechsel nach England: Pernille Harder. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Tore sind ihr Markenzeichen. Pernille Harder ragt aus der homogenen Mannschaft des VfL Wolfsburg heraus. Eine Unterschiedsspielerin, die den VfL zum Champions League-Sieger machen kann. Und deren wohl baldiger Weggang eine große Lücke aufreißen würde.

San Sebastian (dpa) - Im Freudenrausch einen Pokal in die Luft stemmen: Pernille Harder kennt das Gefühl.

Seit ihrem Wechsel zum VfL Wolfsburg 2017 wurde die dänische Nationalspielerin stets Meister und Pokalsieger mit dem Fußball-Bundesligisten. Am Sonntag möchte die 27-Jährige ihre Zeit in Deutschland mit dem Gewinn der Champions League gegen Olympique Lyon (20.00 Uhr/Sport 1) krönen. Und dann Wolfsburg verlassen.

Just am Tag vor dem Finale sickerte durch, dass Harder - ohnehin eine der umworbensten Spielerinnen in Europa - ihren noch bis 2021 laufenden Vertrag nicht erfüllen wird. Der FC Chelsea will angeblich 350.000 Euro für die Top-Angreiferin bezahlen. So viel wurde bislang noch nie für eine Bundesligaspielerin geboten. Beim VfL wollte man die Nachricht nicht bestätigen. "Unsere Konzentration gilt dem Finale am Sonntag, wir kommentieren vorher keine Personalien", sagte ein Sprecher.

Doch es scheint mehr als ein Gerücht zu sein, denn mit dem FC Chelsea verbindet Harder mehr als nur der Sport. Die Dänin würde endlich wieder mit ihrer schwedischen Partnerin Magdalena Eriksson zusammenspielen und leben können. Diesen Herzenswunsch kommuniziert sie seit Monaten immer wieder. Ihre beruflichen Wege hatten sich 2017 getrennt.

Für den VfL, aber auch für die Bundesliga und den Frauenfußball in Deutschland insgesamt wäre der vorzeitige Abschied der nur 1,68 Meter großen Stürmerin ein Riesenverlust. Die Blondine steht für sportliche und menschliche Werte wie kaum eine andere. Trainingsfleißig, willensstark, stets darauf bedacht, sich der Perfektion zu nähern. Dabei immer ein Teamplayer, der die Gruppe, den Erfolg der Mannschaft über den eigenen Ruhm stellt. Freundlich, bescheiden - Harder könnte die Hauptrolle in einem Lehrfilm über erfolgreiche Sportlerinnen spielen.

So klein und schmächtig Harder auch erscheinen mag, auf dem Fußballfeld ist sie eine ganz Große. 105 Treffer in 123 Pflichtspielen für den VfL sind eine Traumbilanz. Allein in der vergangenen Bundesligasaison traf sie 27 Mal - in 22 Partien. Gelänge ihr ein Treffer im Champions-League-Finale, wäre sie mit dann zehn Toren auch dort Rekordschützin.

Im glücklich gewonnenen Halbfinale gegen den FC Barcelona (1:0) blieb Harder ungewohnt blass, hatte keine zwingende Torraumaktion. Für den zum Saisonende scheidenden Trainer Stephan Lerch aber kein Grund, sie auszuwechseln. "Selbst wenn sie bei weniger als 100 Prozent ist, spürt man ihre Anwesenheit. Wenn man diesen einen Moment braucht, um den Unterschied zu machen, ist sie die Spielerin dafür, egal in welchem Zustand sie sich befindet", beschrieb Lerch einmal eine seiner drei Kapitäninnen.

Harder möchte einmal die weltbeste Fußballerin werden. Für viele, nicht nur beim VfL Wolfsburg, ist sie es schon. Um alle davon zu überzeugen, braucht sie noch einen internationalen Titel. Der Gewinn der Champions League am Sonntag wäre so einer. Und mehr als ein Trostpflaster für die Wölfinnen, sollten sich die Wege von Pernille Harder und dem VfL zu Wochenbeginn wirklich trennen.

© dpa-infocom, dpa:200829-99-353899/3

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