Kritik an leichtsinniger Bevölkerung

„Töte nicht deine Oma“: Nächstes Land in Europa steht kurz vor der zweiten Corona-Welle

In ganz Europa steigen die Corona-Infektionszahlen, so auch in Großbritannien. Experten kritisieren die britische Bevölkerung und befürchten einen weiteren Anstieg der Covid-19-Fälle.

London - Großbritannien gehörte in Corona-Hochzeiten zu den am schwersten von der Pandemie gezeichneten Ländern. Das nationale Gesundheitssystem drohte zu kapitulieren, da schlicht zu wenig Intensivbetten für die unzähligen Covid-19-Patienten verfügbar waren. Als Gegenmaßnahme verhängte die Regierung um den selbst an Corona erkrankten Premierminister Boris Johnson Ausgangssperren. Nach dem Lockdown schien sich die Lage im Vereinigten Königreich zu entspannen, doch nun schnellen die Infektionszahlen wieder in die Höhe.

Corona in Großbritannien: Zahlen auf Mai-Niveau - Sorge vor der zweiten Welle

In den letzten Tagen wurden konstant zwischen 2900 und 3000 Neuinfektionen gemeldet. Die Zahlen bewegen sich damit auf dem Niveau von Ende Mai. Im April wurden zeitweise sogar mehr als 6000 neue Fälle registriert. Dem Land droht, bald in ähnliche Sphären zu dringen.

Großbritannien reiht sich damit ein in die Entwicklung vieler europäischer Staaten. Extreme Corona-Lage im März und April - rigoroser Lockdown - Sinken der Fallzahlen - Steigen der Fallzahlen. Egal ob in Spanien, Frankreich, Kroatien, Tschechien, Österreich, Ungarn oder auch Deutschland - dieser Pandemie-Verlauf ist vielerorts beobachtbar. Auffällig und ähnlich zugleich ist auch, dass sich im Moment vermehrt junge Menschen mit dem Virus infizieren.

Großbritannien: „Töte nicht deine Oma, indem du dir das Coronavirus einfängst und sie ansteckst“

Das erklärt auch den zuletzt niedrigen Anstieg der Todesfälle in Großbritannien, da Covid-19 bei Jüngeren oft milder, symptomfreier verläuft. Diese Verschiebung des Alters sorge derzeit dafür, dass die Krankenhäuser nicht überbelastet werden, da der Bedarf an Intensivbetten geringer ist. Dennoch gibt diese Entwicklung zu bedenken*. „Töte nicht deine Oma, indem du dir das Coronavirus einfängst und sie ansteckst“, warnte Gesundheitsminister Matt Hancock Mitte der Woche und appellierte an die Briten, Abstands- und Hygieneregeln weiter einzuhalten und sich nicht in größeren Gruppen zu versammeln.

Corona in Großbritannien: Worin begründen sich die hohen Fallzahlen?

Experten sehen die Zahlen mit Sorge und warnen vor einer zweiten Welle*. „Die Menschen haben sich zu sehr entspannt“, sagte der britische Epidemiologe und Gesundheitsberater Jonathan Van-Tam der BBC. Auch ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation WHO sagte dem Sender Sky News, er rechne mit weiteren Spitzen der Fallzahlen in Großbritannien. Auf der Website des Auswärtigen Amtes wird derzeit unterdessen nicht vor Reisen auf die Insel gewarnt. Auf der Homepage der Bundesbehörde steht lediglich: „Das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland ist von Covid-19 besonders stark betroffen. Regionale Schwerpunkte sind derzeit Wales, der Norden von England und der Westen von Schottland (Glasgow, East und West Dunbartonshire sowie Renfrewshire und East Renfrewshire).

Zuletzt hatte die Regierung die steigende Zahl der Infektionen häufig mit der hohen Anzahl an Tests erklärt, die mittlerweile durchgeführt werden. Zuletzt waren es mehr als 175.000 pro Tag. So können mehr Infektionen tatsächlich als solche erkannt werden als noch im Frühjahr. Allerdings gab es zuletzt auch immer wieder Corona-Ausbrüche, etwa bei illegalen Partys, Fußballspielen oder in einer Schule. Die Situation bleibt also angespannt. (as) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Derweil steigen die Corona-Zahlen in einem Land besonders stark. Nun wurde der bereits zweite Lockdown ausgerufen. In Australien wurden Polizisten auf einer Anti-Corona-Demo mit Obst beworfen - und 30 Prozent der Teilnehmer festgenommen. Derweil gibt es auf den Balearen eine peinliche Datenpanne. Wie sehen die tatsächlichen Fallzahlen aus? Und auch Schweden steht erneut in der Kritik.

Großbritannien hängte die Länder der Eurozone nach der großen Finanzkrise in Sachen Wirtschaftswachstum lange Zeit ab. Seit dem Brexit-Referendum hat sich die Situation verändert. Unterdessen verdichten sich die Anzeichen, dass der Bundesrepublik schon bald eine zweite Welle bevorsteht.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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