Andere Länder als Negativbeispiel

Keine Lockerung des Corona-Lockdowns bis Frühjahr? Münchner Infektiologe warnt vor „Explosion der Situation“

Die aktuellen Corona-Zahlen in Deutschland zeigen einen positiven Trend. Dennoch warnen Experten weiterhin vor zu frühen Lockerungen der Maßnahmen.

  • Die Corona-Zahlen in Deutschland sinken - die 7-Tage-Inzidenz ist so niedrig wie zuletzt im Oktober.
  • Die Lockdown*-Maßnahmen scheinen zu wirken.
  • Der Münchner Infektiologe Dr. Christoph Spinner warnt vor zu frühen Lockerungen der Maßnahmen.

München - Die aktuellen Lockdown-Maßnahmen in Deutschland scheinen zu wirken. Bei der Zahl der Neuinfektionen ist in den vergangenen Wochen ein positiver Trend zu erkennen. Die 7-Tage-Inzidenz lag laut Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) am Donnerstag mit 98 erstmals seit Oktober unter der Schwelle von 100 - seit Weihnachten hat sie sich in etwa halbiert.

Der Zielwert der Bundesregierung um Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bleibt allerdings eine Inzidenz von unter 50. Die Zahl der täglichen Todesfälle ist weiterhin zu hoch - am Donnerstag meldete das RKI 941. Hinzu kommt die Sorge vor einer Ausbreitung der Corona-Mutationen* in Deutschland. Derzeit stehen strenge Reisebeschränkungen* im Raum. Ob der Lockdown daher ab Mitte Februar gelockert werden kann, ist noch unklar.

Lockerung der Corona-Maßnahmen: Infektiologe warnt vor „Explosion der Situation“

Der Münchner Infektiologe Dr. Christoph Spinner warnte in einem Gespräch mit Focus Online vor zu frühen Lockerungen. „Aus rein pandemischer Sicht wäre es natürlich wünschenswert, dass die Infektionszahlen möglichst niedrig sind“, stellte er klar. Andererseits würden durch die Maßnahmen, der Gesellschaft und jedem Einzelnen „erhebliche Zumutungen abverlangt“. Die Politik müsse sich über die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen sorgsam Gedanken machen, erklärte der Infektiologe.

„Wie soll es weitergehen?“ Das fragen sich viele Dienstleister im Corona-Lockdown. Sie wünschen sich eine Lockerung der Maßnahmen.

„Mit Beginn des Frühjahres wird uns auch das Wetter helfen“, prognostizierte Spinner. Die Leute würden sich dann vermehrt draußen aufhalten. Zudem sorge die UV-Strahlung für eine schnellere Inaktivierung der Viren. Eine Diskussion über die Lockerung der Corona*-Maßnahmen mache daher Sinn, so der Infektiologe. Allerdings machte Spinner auch auf die Situation in einigen anderen Ländern aufmerksam. Man habe mehrfach gesehen, „dass zu frühe Lockerungen zu einer Explosion der Situation führen können“.

Corona in Deutschland: Drosten warnt vor zu schnellen Lockerungen

Auch Virologe Christian Drosten warnte zuletzt in den ARD-„Tagesthemen“ vor zu schnellen Lockerungen der Corona-Maßnahmen. „Wenn wir uns mal die Zeit nach Ostern vorstellen – da werden wir wahrscheinlich noch nicht genügend Menschen geimpft haben“, sagte er. Die Vorstellung, alle Maßnahmen dann einfach zu beenden, sei „etwas naiv“ und würde unweigerlich zu einer erneuten starken Verbreitung des Coronavirus* führen.

„Dann werden wir wieder in medizinische Probleme kommen“, mahnte Drosten. Man müsse die Maßnahmen in der Zukunft schrittweise zurücknehmen und schauen, wie das funktioniert. „Dieses Virus ist nicht harmlos. Man kann nicht einfach davon ausgehen, dass man die Risikogruppen abdeckt und das Problem dann erledigt hat“, so der Appell des Virologen.

Virologe Christian Drosten warnte in den ARD-„Tagesthemen“ vor zu schnellen Lockerungen der Corona-Maßnahmen.

Corona in Deutschland: Kekulé spricht sich für Lockdown-Ende ab Mitte Februar aus

Der Virologe Alexander Kekulé sprach sich hingegen für ein Lockdown-Ende ab Mitte Februar aus. „Ich halte es für möglich, dass ab Mitte Februar stufenweise Kitas, Schulen, Geschäfte, aber auch Restaurants wieder öffnen können“, sagte der Experte in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Nicht überall auf einmal, sondern anfangs nur in Regionen mit besonders niedrigen Fallzahlen und gut aufgestellten Gesundheitsämtern“, so Kekulé weiter.

Bei einer konsequenten Vorbereitung könne man ab Mitte Februar den Corona*-Lockdown beenden - „und auf eine weniger einschneidende Strategie umschwenken.“ Damit spielte Kekulé etwa auf Schnelltests und eine Online-Registrierung für Teilnehmer bei privaten Veranstaltungen an. Solch ein Strategiewechsel sei zudem notwendig, um in kritischen Bürgern wieder eine größere Akzeptanz für die Maßnahmen zu erlangen, erklärte der Virologe.

Corona-Lockdown in Deutschland: Streeck begrüßt Schleswig-Holsteins Stufenplan

Schleswig-Holstein hat zu Beginn der Woche einen Stufenplan als möglichen Ausweg aus dem Corona-Lockdown vorgestellt. Virologe Hendrik Streeck begrüßt diese Vorschläge: „Ich fand das sehr gut“, sagte er am Mittwoch in der ARD-Talkshow „Maischberger“. Es gebe Nuancen, über die man diskutieren könne, aber eine Struktur, ein Stufenplan sei wichtig. „Da können sich die Menschen drauf einstellen. Das finde ich eine gute langfristige Strategie“, so Streeck. (ph) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redakionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst

Auch interessant

Kommentare