Folgenschweres Naturphänomen

Blutbad im Eis: „Himbeerschnee“ löst bei Forschern schlimme Befürchtung aus

In der Antarktis sorgt der Klimawandel für ein ungewöhnliches Naturphänomen: Blutrot gefärbter Schnee überzieht die Landschaft. Doch die Folgen könnten weitreichend sein.

  • Der Klimawandel hat in der Antarktis ein Naturphänomen ausgelöst.
  • Der Schnee ist seit Wochen blutrot gefärbt.
  • Forscher befürchten schlimme Konsequenzen des Naturphänomens.

Kiew - Klirrende Kälte und ewiges Eis - daran denken vermutlich die meisten, wenn sie das Wort Antarktis hören. Doch der Klimawandel, gegen den Greta Thunberg* und viele Aktivisten weltweit kämpfen, hat auch die Region um den Südpol erreicht. Vor kurzem wurden dort mancherorts Temperaturen um die 20 Grad gemessen. Auch wenn gerade Sommer in der Antarktis ist, sind derartige Werte hoch.  

Derzeit sorgt aber ein anderes, ungewöhnliches Naturphänomen für Aufregung in der Antarktis. Seit Wochen ist der Schnee um die ukrainische Forschungsstation "Wernadski" blutrot gefärbt. Was aussieht, als hätte hier ein Blutbad stattgefunden oder jemand hätte sich mit Farbeimern zu schaffen gemacht, hat einen völlig anderen Grund. Eine auf Schnee wachsende Alge sei dafür verantwortlich, teilte das Wissenschaftsministerium in Kiew via Facebook mit und zeigt mehrere Bilder der blutroten Schneelandschaft. 

Daher kommt der „Himbeerschnee“ in der Antarktis

„Seit einigen Wochen ist die akademische Vernadsky Station der ukrainischen Antarktis von Himbeerschnee umgeben!“, heißt es auf der Facebook-Seite. Der Klimawandel trage dazu bei, dass sich die mikroskopisch kleinen Algen mit dem Namen Chlamydomonas nivalis schnell vermehren könnten. Die Färbung sei auf eine rote Carotinschicht zurückzuführen, die die Zellen der Alge enthalte.

Algen färben Schnee blutrot - Naturphänomen beschleunigt Schneeschmelze

Nach Auffassung der Forscher wird damit auch die Schneeschmelze beschleunigt, da die rötliche Oberfläche mehr Sonnenlicht absorbiere als weißer Schnee, der das Licht stärker reflektiert. 

Forscher: Einfluss von Schneealgen bisher unterschätzt

Die Alge kommt auf der Welt vor, wo dauerhaft Winter ist - neben der Antarktis auch in der Arktis, in Teilen der Alpen und anderen Hochgebirgsökosystemen. Experten vom Geoforschungszentrum in Potsdam schrieben 2016 in einer Studie, dass der Einfluss von Schneealgen auf die Gletscherschmelze bisher unterschätzt worden sei. Dieser Effekt müsse in künftigen Klimamodellen berücksichtigt werden.

„Dass Algen einen signifikanten Einfluss darauf haben, ist schwer vorstellbar“, sagte Thomas Leya vom Potsdamer Fraunhofer für Zelltherapie und Immunologie, der die Algen erforscht, der Deutschen Presse-Agentur. Bislang sei das nicht umfassend untersucht. Die Forschung wisse auch zu wenig darüber, wie die mikroskopische Alge es schaffe, „solche Massen an Zellen hervorzubringen, die es für das Phänomen des roten Schnees benötigt“.

Der Facebook-Post wurde inzwischen (Stand 1.3.2020, 11 Uhr) knapp 1.400 Mal geteilt.

In Sachen Schnee-Prognosen der Wetterexperten gibt es übrigens einen entscheidenden Fehler, der immer wieder gemacht wird, wie Merkur.de* berichtet.

va mit Material der dpa

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. 

Rubriklistenbild: © --/Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Ukraine/dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare