Ort des Geschehens wird oft missbraucht

"Einfach mal die Fresse halten": Betreiber von bekanntem Lokal wüten gegen Amok-Touristen

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Die Betreiber des Kiepenkerls machten ihrem Ärger über Amok-Touristen jetzt freien Lauf.

Pietät, Anstand, Respekt: Nicht jedem sind diese Attribute ein Begriff. Das müssen seit einiger Zeit auch die Betreiber und Angestellten des Kiepenkerls in Münster auf schmerzhafte Weise erfahren. Denn noch immer werden sie von Amok-Touristen belästigt. Jetzt reichte es den Betreibern.

Münster – Das Unglück passierte vor ihren Augen. Und direkt an ihrem Arbeitsplatz. Die Mitarbeiter des Restaurants "Grosser Kiepenkerl" in Münsters Innenstadt mussten teilweise mit ansehen, wie Jens R. am 7. April 2018 seinen Buli in eine Menschenmenge raste, die sich auf dem Außengelände des Kiepenkerls zum Essen und Trinken befand.

Wenige Tage nach der Amokfahrt öffnete der Kiepenkerl wieder seine Tore. Der Ort des Geschehens wird immer mit der schrecklichen Tat in Verbindung bleiben. Als sei dies nicht schon schlimm genug, nutzen einige Menschen diese Tatsache für ihre Schaulust und Neugier aus – ohne die Gefühle der Mitarbeiter dabei zu berücksichtigen. Das berichtet msl24.de*.

Ort des Geschehens wird als Touristen-Attraktion benutzt: Kiepenkerl macht sich Luft

Das brachte die Bertreiber des Restaurants nun endgültig auf die Palme. In einem emotionalen Facebook-Post ließen sie ihrem Frust freien Lauf. "An sich haben wir tolle Gäste – aber es gibt Ausnahmen, und wir müssen uns hier einfach mal Luft machen! Denn für „solche Gäste" ist das furchtbare Geschehen vom 7. April offensichtlich inzwischen eine Sensation oder Anekdote!", schreiben Sie auf ihrer Seite.

Der "Grosse Kiepenkerl" wird immer mit den tragischen Ereignissen vom 7. April in Verbindung gebracht werden.

Und weiter: "Unsere Mitarbeiter*innen sind fassungslos und oft den Tränen nahe,  angesichts der blöden Scherzchen und Kommentare, die sich manche Menschen erlauben. Das ist unfassbar respektlos gegenüber allen Opfern und Betroffenen." Sie betonen, dass das Geschehen vom 7. April für die Kiepenkerl-Mitarbeiter eines der schrecklichsten Erlebnisse ihres Lebens waren und manche von ihnen sogar deswegen noch in psychologischer Behandlung seien.

Amok-Touristen in Münster: Deutliche Botschaft der Kiepenkerl-Chefs

Wie die Betreiber berichten, würden die Touristen die Mitarbeiter nach Einzelheiten zur Amokfahrt fragen. Manche wollen Selfies mit den Mitarbeitern machen.

An die Amok-Touristen senden die Betreiber des Kiepenkerls eine deutliche Nachricht: "Deshalb formulieren wir unseren Appell hier in aller westfälischen Deutlichkeit: ++++ Einfach mal die F****e halten. +++ Und behalten uns vor, solche respekt- und gedankenlosen Leute künftig vor die Tür zu setzen."

Der Kiepenkerl in Münster: Wahrzeichen der Stadt und Ort der schrecklichen Amokfahrt zugleich.

Mit ihrem Posting sorgen sie bei den Nutzern einerseits für Unverständnis und Wut darüber, dass es Menschen gibt, die den Ort der Amokfahrt für ihre Schaulust missbrauchen. Andererseits kommt dem Kiepenkerl sehr viel Zuspruch entgegen. "Danke, dass ihr dieses Thema so offen und deutlich darstellt und niemand mit seinem Frust alleine bleiben muss", schreibt Thomas G. "Respekt gegenüber den Opfern ist angesagt, so ein gedankenloses, pietätloses Verhalten ist inakzeptabel aber es passt in das Bild was ich von unserer Gesellschaft habe ...leider", kommentiert hingegen Guido B..

Lesen Sie zum Thema Amokfahrt in Münster auch unseren Artikel zu Profi-Sportlerin Chiara Hoenhorst, die Monate nach ihrer schweren Verletzung ihren Lebensretter traf.

Ein anderes Aufreger-Thema ereignete sich vor Kurzem in Borken. Dort durfte ein Lehrer nicht an einer Schule arbeiten, weil er schwul ist.

*msl24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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