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Muss das sein? 4 gute Gründe gegen das Böllern an Silvester

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Schön, aber gefährlich: Viele Gründe sprechen gegen die "Böllerei" an Silvester.

Die Party der Superlative: Es ist die größte Feier des Jahres, mit dem meisten Müll, der tragischsten Luftverschmutzung und den schlimmsten Unfällen. Ein Plädoyer gegen den "Böller-Wahnsinn" der Silvesternacht.

Am Freitag (28. Dezember) geht es los: An nur drei Tagen – bis Montag (31. Dezember) – werden in Deutschland zahlreiche Feuerwerkskörper verkauft. Ein Reibach für die Verkäufer: Rund 137 Millionen Euro Umsatz an Feuerwerksartikeln werden erwartet. Genau so viel, wie in den Rekordjahren 2016 und 2017. 

Jeder vierte Deutsche hat das Jahr 2014 mit einem Knall eingeläutet – davon mehr Männer als Frauen, berichtete die Polizei. Denn das opulente Feuerwerk ist für viele Menschen hierzulande Tradition. Obwohl es den Großteil des Jahres verboten ist.

Nach § 23 Abs. 2 der 1. Verordnung zum Sprengstoffgesetz darf in Deutschland nur zwischen dem 31. Dezember ab 0 Uhr bis zum 1. Januar bis 23.59 Uhr "geballert" werden. Deshalb ist auch der Verkauf nur an wenigen Tagen im Jahr erlaubt. Dabei muss allerdings unterschieden werden: 

Klasse I

(KAT. F1)

"Kleinstfeuerwerk"

Knallbonbons

kleine Bodenkreisel

Knallerbsen

Tischfeuerwerk

Kleinstfeuerwerk

ab 12 Jahren

Verkauf ganzjährig

ohne Genehmigung

Klasse II

(KAT. F2)

"Kleinfeuerwerk"

Raketen

Sonnenräder

kleine Feuertöpfe

Römische Lichter

Böller

ab 18 Jahren

Verkauf nur an Privatpersonen

in den letzten drei Werktagen des Jahres

Wunderkerzen gehören zur Klasse I und sind damit ganzjährig erlaubt.


Obwohl die Supermärkte und Discounter mit Angeboten locken und viele Deutsche sich seit Wochen auf den Verkauf freuen, werden immer mehr Gegenstimmen laut, die zum Verzicht auf das persönliche Feuerwerk aufrufen. Dafür gibt es zahlreiche Gründe.

Grund 1: Es ist gefährlich

In der Silvesternacht haben Sanitäter, Polizeibeamte und die Einsatzkräfte der Feuerwehr Alarmbereitschaft: Tausendfach müssen sie in dieser Nacht ausrücken, um Verletzte zu Versorgen, Anzeigen aufzunehmen und Feuer zu löschen. 

Der Jahreswechsel fordert hohe Opfer: Allein in Deutschland erleiden jährlich rund 8000 Menschen zu Silvester Verletzungen des Innenohrs durch Feuerwerkskörper. Rund ein Drittel dieser Menschen behält bleibende Schäden, so eine Meldung im Deutschen Ärzteblatt. Aber dabei bleibt es nicht. 

Verbrennung, Verstümmelungen, sogar Tod: Viele Menschen verlieren beim Böllern einige Finger, teilweise ganze Hände oder auch das Leben durch unbedachtes "Knallen". Zudem setzen viele Feuerwerke aus Versehen Balkone und ganze Häuser in Brand. 

Auch wenn es immer wieder heißt, dass das Böllern bei richtiger Handhabung ungefährlich sei: Die Statistik der Verletzten spricht eine andere Sprache. Zumal nicht jeder Betroffene das Feuerwerk selbst gezündet hat, sondern "nur im Weg stand". Gerade in Kombination mit Unmengen von Alkohol überschätzen viele Menschen sich aber auch. Wenn dann noch unzertifizierte Ware aus dem Ausland dazu kommt, ist der Schaden vorprogrammiert. 

Grund 2: Es verschmutzt die Umwelt

Dicke Luft zum Jahreswechsel, so beschreibt es das Umweltbundesamt. Denn jedes Jahr werden in Deutschland rund 4.500 Tonnen Feinstaub in der Silvesternacht frei gesetzt. Zum Vergleich: Diese Menge entspricht in etwa 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge. 

Wem die Umwelt egal ist, den überzeugen vielleicht die Auswirkungen auf seine eigenen Gesundheit, denn das Einatmen von Feinstaub ist gefährlich. "Die Wirkungen reichen von vorübergehenden Beeinträchtigungen der Atemwege über einen erhöhten Medikamentenbedarf bei Asthmatikern bis zu Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Problemen", heißt es vom Umweltbundesamt. 

Dabei sind nicht nur die Böller-Meister selbst betroffen, sondern alle Anwohner. Denn durch Wind kann sich diese Luftverschmutzung ausbreiten. Das trifft übrigens auch auf den Müll zu, der sich nach der Silvesternacht  auf den Straßen sammelt: Leere Flaschen, Glassplitter, Böllerreste und Raketenwracks. Allein die Berliner Stadtreinigung sendet zum Neujahr rund 600 Leute aus.

Party in Berlin: Die Silvesternacht produziert Unmengen an Müll.

Grund 3: Es verschwendet Geld

Auf den ersten Blick scheint sich die Statistik zu widersprechen: Seit 1990 sind die Absatzmengen an zugelassenen Feuerwerkskörpern um etwa 30 Prozent zurückgegangen. Zwischen 38 und 49 Kilotonnen Feuerwerkskörper wurden in den vergangenen Jahren "nur noch" durchschnittlich verkauft. 

Dabei steigt der Umsatz jährlich: 137 Millionen Euro haben die Deutschen zum Jahreswechsel auf 2017 und 2018 in die Luft gejagt, ein neuer Rekord. Diese Statistiken passen nur zusammen, wenn der Preis für die zertifizierten Feuerwerkskörper massiv zugenommen hat. 

Das Umweltbundesamt hat noch eine andere Theorie: "Feuerwerkskörper scheinen auch in größerem Umfang auf anderen Wegen ins Land zu gelangen." 

Grund 4: Es erschreckt Kleinkinder und Tiere

Höllischer Lärm, dichter Rauch, bedrohliches Feuer: Die Silvesternacht ist für viele Kleinkinder, aber auch für sämtliche Tiere, ein Nacht des Horrors. Tiere in Zoos und Parks leiden unter erheblichem Stress, Haustiere wie Hunde und Katzen haben Panik, Wildtiere verlieren die Orientierung. Es dauert Tage, bis sich die Naturbewohner beruhigt haben.

Kein Spielzeug: Es gibt viele Gründe, auf das persönliche Feuerwerk zu verzichten.

Argumente überzeugen: 60 Prozent gegen Feuerwerk

Immer mehr Deutsche wenden sich vom traditionsreichen Feuerwerk – das übrigens die bösen Geister erschrecken soll, damit die Menschen unbeschadet ins neue Jahr kommen – ab. In einer aktuellen Umfrage sprachen sich knapp 60 Prozent der mehr als 5000 Befragten für einen Böller-Bann in Innenstädten aus.

Dabei sind viele Gemeinden diesem Trend schon lange gefolgt. Denn nicht überall in Deutschland darf "geknallt" werden. Davon betroffen sind Städte, Gebiete und einzelne Bereiche. Das Verbot gilt:

  • auf den meisten nordfriesischen Inseln
  • an der Ostseeküste
  • in der Altstadt von Düsseldorf 
  • auf dem Marktplatz in Bremen
  • in der Innenstadt von Hannover, Göttingen, in der Tübinger Altstadt 
  • in niedersächsischen Altstädten (Lüneburg, Hildesheim, Celle, Hameln, Wolfenbüttel und Bad Gandersheim) 
  • in Bayern sogar in der Nähe von Burgen, Schlössern und historischen Gebäuden
  • generell in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie besonders brandempfindlichen Gebäuden oder Anlagen

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